Nestduftwärmebindung - artgerechte Haltung von Bienen

Ein Text von Johann Thür, 1946 geschrieben.

I.Teil Gedeih

Das Gesetz der Nestduftwärmebindung, die Grundlage für Gesundheit, und Ertrag




Alle Leistung und alles Gedeih des Biens ist von der. Wärme abhängig. Wärme ist für den Bien ebenso wichtig wie Nahrung.

Die wissenschaftlich festgestellten Temperaturen, die der Bien braucht, sind jeweils verschieden; während der brutlosen Überwinterung beträgt die mittlere Traubentemperatur 22 bis 25 Grad Celsius. Hingegen Erfordert die normale Bruttemperatur 34 bis 35 Grad Celsius. Zur Reifung des Honigs werden sogar Temperaturen bis 40 Grad Celsius benötigt. Die Lufttemperaturen liegen aber im Durchschnitt weit unter diesen Grenzen. Brut und Biene besitzen keine wesentliche eigene Körperwärme. Die Differenz zwischen der Luftwärme und der vom Bien gebrauchten Wärme muß vom Bien das ganze Jahr, Winter und Sommer hindurch, erzeugt werden. Das Heizmaterial hiezu ist der Honig, der vom Bien für die Wärmeerzeugung weit über den körperlichen Bedarf hinaus verzehrt werden muß. Beispiel: In einer naturbaugemäß geschützten Bienenwohnung beträgt die winterliche Zehrung : innerhalb sechs Monate, das ist vom l. Oktober bis 1. April, rund zwei Kilogramm, während sie in den üblichen, wärmeverströmenden Rahmenbeuten sechs bis acht Kilogramm und mehr betragen. Dieser Mehrverbrauch innerhalb sechs Monate von durchschnittlich fünf Kilogramm per Volk ist reiner Mehrverbrauch zur Erhaltung der unbedingt erforderlichen Mindesttemperaturen. Zur wirksamen Auswertung dieser Kostbaren, lebenerhaltenden und -bringenden Wärme hat die Natur den Bien als Gesamtorganismus, bestehend aus Volk und Wabenbau, befähigt, die Wärme weitgehend festzuhalten, sie zu binden. Diese gebundene Wärme ist eine duftgeschwängerte und dadurch keimfreie Warmluftmasse, die ein schädliches Bakterienleben unterbindet und das Entstehen von Krankheiten behindert.

Das ganze Problem dieser vielseitigen Wärmewirkung gipfelt in dem Gesetz der keimfreien Nestduftwärmebindung.

Nachdem eine mangelhafte Nestduftwärmebindung neben bedeutend vergrößerten Futterverbrauch auch die Kräfte des Biens unzeitig verbraucht und das bisher rätselhaft angesehene Entstehen besonders seuchenhafter Erkrankungen verursacht, voran die Nosema und die Imkerei bedeutend schädigt, ist es von hoher Bedeutung, daß die Nestduftwärmebindung größte Beachtung zuteil wird. Dies umso mehr, als die Entwicklung der Bienenzucht seit der Erfindung des Rähmchens, durch das Rähmchen bedingt, Formen angenommen hat, die mit der naturerforderlichen Nestduftwärmebindung im direkten Widerspruch stehen, was zu schweren Schädigungen des Biens, zur Zuckerverschwendung und zu einem allgemeinen, weitgehenden Niedergang der Bienenzucht führte. Das Rähmchen und die darauf aufgebauten Bienenwohnungen verdrängten den Naturbau und mit ihm die Nestduftwärmebindung, die der heutigen Kunstimkerei so gut wie unbekannt ist. Bereits 1936 schrieb Weippl im "Bienen-Vater": "Die Waben sind in der von der Schöpfung den Bienen zugewiesenen Wohnung, dem hohlen Baumstamm, sowie auch im Strohkorbe an den Wänden festgebaut; jede Wabengasse bildet einen geschlossenen Raum, gleichsam ein Zimmer; im Winter kann daher die Wärme der Wintertraube nicht durch die vielen Abstände zwischen Rähmchen und Stockwände abströmen, Wärmeverlust, Zugluft, Stocknässe und übermäßige Zehrung sind vermieden." - Dazu sei ergänzt bemerkt: Wenn ein allseitiger Anbau der Waben an den Wänden nicht möglich ist, dann schließt der Bien solche Gassen durch Schrägbau, den soßenannten Wirrbau. Nach unten wandert die Wärme wegen ihres geringeren Gewichtes nicht ab. Seitlich und oben bleibt sie durch die im Naturbau gebildeten Sackgassen davon bewahrt. Nur die verbrauchte Almungsluft sinkt kohlensäurebeschwert zu Boden und findet an den unten offenen Wabenrändern ihren kreislaufmäßigen Austausch gegen Frischluft. Diese unten offenen Wabenränder sind als Mund einer einer Zentralatmung anzusehen, der mit Hilfe der randabschließenden Bienen nur die erforderliche Menge an Frischluft atmet und jedes überflüssige Eindringen von Kaltluft organisch verhindert.

Das Gesetz der gassenweisen Nestduftwärmebindung ist so naturvollkommen, daß es den Bien sogar befähigt, auf frei aufgeführten Bau leben zu können, wenn er ohne imkerliche Behinderung sein Wabenwerk schützend gestalten kann und vor Feinden und Zerstörung bewahrt bleibt.

Aber ebenso klar geht hervor, daß selbst in der ausgeklügeltsten Beute und wenn sie noch so dickwandig ist, der Bien nicht gehörig gedeihen kann, wenn das Gesetz der gassenweisen Nestduftwärmebindung nicht seine Erfüllung findet. Und von dieser Erfüllung hat sich die Kunstimkerei mit ihren Rahmenbeuten weit entfernt.

Seit der Einführung des Rähmchens, das sind nunmehr rund hundert Jahre, hat sich die fortschrittliche Imkerschaft zur Gänze den Rahmenbeuten zugewendet. Es ist dies der bedeutungsvollste Markstein in der Entwicklung der Bienenzucht. - Die seit grauen Vorzeiten, nur mit naturgemäßen Mitteln, unbeschwert um besonderes Wissen, auf einfachste Art, wenn auch mühevoll, aber mit Erfolg betriebenen Naturbienenzucht wurde durch die mit dem Rahmchen auferstandene Kunstbienenzucht abgelöst. Die wenigen in dieser vergangenen Periode verbreiteten Erkenntnisse und die Naturbienenzucht selbst gerieten in Vergessenheit und führten, auf dem Rähmchen fußend, zu den gröbsten Irrtümern und Irrlehren. Das Rähmchen erleichterte die Einsicht in die Geheimnisse des Biens und formte seither unausgesetzt neue Begriffe, Ansichten, Behandlungsweisen und Wohnungen. Die naturverbundene Einfachheit wurde zu einer kunstumhangenen Vielheit und Gegensätzlichkeit, wo sich kein Imker mehr zurechtfindet, geschweige denn ein Anfänger, - Die Sucht nach neuen Wohnungsformen und Betriebsweisen hält unvermindert an und ist der beste Beweis, daß keine befriedigt. (Es fehlt eben etwas - und das ist die Nestduftwärmebindung.) Der einzelne Imker preist so lange seine jeweilige Beute als die beste, so lange er ihr treu bleibt. - Daß aber alle bestehenden Rahmenbeuten dem Bien bedeutende Mängel, und Schäden verursachen und die Erträge empfindlich herabsetzen, das ist so gut wie unbekannt, weil die heutige Imkerschaft von den Naturerfordernissen des Biens fast durchwegs keine Ahnung mehr hat.

Das Lebenselement, die Nestduftwärmebindung, wurde mit den ringsum offenen, wärmeverströmenden und zugigen Wabenrähmchen gründlich zerstört. Die verheerenden Folgen geben dieser Kunstbienenzucht das Gepräge und müssen zur Erkenntnis führen, daß alle bestehenden Rahmenbeuten naturwidrig und verwerflich sind. Die Einsicht, daß unser Sönnenvöglein, der Bien, die Wärme braucht, muß sich zu jener Klarheit durchringen, daß die Honig als Heizstoff erfordernde Nestduftwärme gebunden bleiben muß und daß sich Behandlung und Betriebsmittel wie Wohnung, dem streng anzupassen und unterzuordnen haben. - Und von diesem Gebot hat uns die fortschreitende Entwicklung, die Stufe der Kunstbienenzucht auf gefährliche Abwege geführt.

Es steht einwandfrei fest, daß sich mit den Rahmenbeuten durch Außerachtlassung des Gesetzes der keimfreien Nestduftwärmebindung, gleichzeitig die Bienenseuchen entwickelt und verbreitet haben. Sie sind seither zu einer ständigen und unausrottbaren Erscheinung geworden. - Voran die Nosema, die in Deutschland allein innerhalb zehn Jahren 800.000 statistisch erfaßte Völker vernichtete. - Die U.S.A. führt seit Jahrzehnten unter Aufwand bedeutender Mittel einen erfolglosen Kampf gegen die Faulbrut.In Rußland wurden 1932 von 18.000 untersuchten Völkern 10.000mitNosemainallen Stadien befunden. Bei der Wanderversammlung 1936 in Karlsbad wird rühmend hervorgehoben, die Gerstungsche Lehre und Beute die alten Stockformen mit Naturbau zum Austerben brachte und ebenso wird in einem Zuge berichtet, daß seit einer Reihe von Jahren die überhandnehmenden Seuchen den Bienenzüchtern schwere Sorgen bereiten und das zahreiche Krankheiten Jahr für Jahr die Erträge schmälern. Alle anderen Länder mit Rahmenbeuten berichten ständig von bedeutenden Verlusten. Hingegen Gebiete mit noch bestehenden Naturbienenzucht melden gesunde Völker mit befriedigenden Erträgen. Reden solche Tatsachen nicht eine beredte Sprache? - Hilfesuchend, vereinzelnd zu auftauchende Rufe „Zurück zur Natur“ verhallen Wirkungslos, weil damit die Rückkehr zu den Primitiven Zuständen aus Großvaterszeiten verstanden wurden. – Daß damals aber Honig im Überfluß geerntet wurde, der nicht nur den gesamten Süßstoffbedarf decken musste, sondern darüber hinaus noch in solchen Mengen übrig war, dass daraus vielerlei Getränke, besonders der Met hergestellt werden konnte, das wird übergangen oder mit der Behauptung abgetan, dass sich die Bienenweide seither verschlechtert habe. - Gewiß sind in den Kulturen Verschiebungen entstanden, aber das "Blühen" als ewiges Walten der Natur blieb bestehen und ungeheure Mengen Nektar müssen alljährlich vertrocknen, weil er nicht behoben wird.

Vor zwanzig Jahren, auf der Wanderversammlung 1925 in Wien, hielt einer unserer feinfühlendsten Beobachter, der seinerzeitige Leiter der österr. Imkerschule, Ökonomierat Weippl, einen Vortrag, wo er unter anderem ausführte:
„Immer und immer wieder wird in Vorträgen und in der Fachpresse auf die wilde Biene im Walde hingewiesen, die, ganz auf sich selbst angewiesen, ohne irgendwelche Nachhilfe, sei es durch Fütterung, Mittelwände, Waben oder sonstige Pflege, doch prächtig gedeihe, denn, wird diese letztere Behauptung begründet, sonst wäre sie längst ausgestorben. Und endlich ist die von der Schöpfung der wilden Biene im Walde zugewiesenen Wohnung weit angemessenere und bessere als der kunstvollste und bestkonstruierte Bienenstock: der hohle Baumstamm, im Innern morsch, daher ungemein warmhaltig, nicht nässend, im Sommer undurchdringlich für übermäßige Wärme, die Waben allseitig an die Wände angebaut, nicht kulissenartig frei hängend wie im Rähmchen, für uns Imker freilich die unzweckmäßigste, für die Bienen aber die unübertrefflich beste Wohnung. Die Lebensbedingungen der wilden Biene im Walde sind weit besser als die unserer Hausbienen und diese Nachteile können wir nur durch sorgsamste Pflege, möglichst Schutz und entsprechender Fütterung wenigstens teilweise, nie aber voll und ganz ersetzen." Diesen treffenden Ausführungen war ein Erfolg nicht beschieden, weil weder Weippl noch die gesamte übrige Imkerschaft einen Ausweg fand - und er lag so nahe!

Zusammenfassen sei festgestellt, daß die Naturwidrigkeit der Rahmenbeute in folgenden liegt: durch die ringsum offenen Rahmengassen entweicht nach allen Seiten die Nestduftwärme und mit ihr die keimfreien, krankheitshemmenden Duftstoffe. Besonders darüber befindliche Honigräume verschlingen ein Vielfaches der Nestduftwärme. Jede sonstige Erweiterung bedeutet Entzug. Wenn noch dazu der Stock oben geöffnet wird entweicht die Nestduftwärme schwallartig. - Wohl gibt es im Naturbau, zum Beispiel hohlen Baumstämmen; zuweilen meterlange Waben, aber nie über der Brut leere Honigwaben.

Der in den Rahmenbeuten ständig entstehende Wärmeverlust muß vom Bien fortlaufend durch vermehrte Zehrung ersetzt werden, kostet viel Honig, und gelingt bei unvorhergesehenen Witterungsrückschlägen nicht immer. Verlassene Brut, Krankheitsherde und Seuchen sind dann die Folgen. - Verkrüppelte Bienen, schwächlicher Nachwuchs, verspätete Entwicklung, vermehrte Bindung von Wärmebienen, Mangel an Trachtbienen sind selbst bei bester Pflege und günstiger Witterung trotzdem unausbleiblich und schmälern den Ertrag.

Die Wärmeabwanderung verursacht das Kandieren der winterlichen Vorräte und die bedeutend vermehrte Heizzehrung machen die unnatürliche Zuckerergänzung erforderlich, die zusätzlich verbraucht wird und eine unverantwortliche imkerliche volkswirtschaftliche Belastung darstellt. Vorzeitig verbrauchte Völker hemmen außerdem die lenzliche Entwicklung und sind ein Glied in der Kette des Ertragsrückganges. Die ungeschützten Zwischenräume führen Wetterunbilden, winterliche Kälte und Feuchte an das kulissenartig fei hängende Wabenwerk vom Flugloch aus heran. Die aus den offenen Rahmengassen in diese Zwischenräume abströmende Nestwärme erkaltet dort, bildet winterliche Niederschläge, verursacht Schimmelbildung usw. und dem Nest die kostbare Nestduftwärme entzogen. Was hilft hier die beste winterliche Beutenumhüllung und die sorgfältigste Verengung, wenn das lebende Immengut, der Bien, und die Vorräte schutzlos von solchen wärmezerstörenden Kälte und Feuchte bringenden Zwischenräumen umgeben bleibt. Sie können in diesen Rahmenbeuten von keiner imkerlichen Fürsorge ferngehalten werden. Was der Bien darunter zu leiden hat, kann selbst der einsichtigste Imker kaum erfassen. Auch diese Schäden sind der Naturbauweise fremd. Diese beiden Hinweise allein müßten genügen zum Aufgeben dieser Kunstbeuten. Doch die Imkerschaft läßt sich mit erzielten Scheinerfolgen hinwegtäuschen.

Aber die Krönung erfährt das Zerstörungswerk mit des Imkers teuersten Raum, den Honigaufsatz!, der meist nie groß genug sein kann, wenn er auch nicht voll wird und vielfach zu vorzeitig geöffnet wird, ohne Rücksicht darauf, daß jede leere Zelle dein Brutnest Wärme entzieht.

Der sogenannte Honigaufsatz widerspricht auch. der natürlichen Raumgestaltung, der Bauweise, dem Triebleben sowie der Volksausdehnung, die sich naturgemäß von oben nach unten oder von vorne nach hinten vollzieht; nicht aber umgegekehrt. Nur zögernd folgt der Bien einem solchen Zwang, was meist mit den naturwidrigsten Mitteln, wie Brutverhängen, erzwungen wird. Instinktiv fühlt der Bien das Unheil, er sucht es zu mildern. Sein erstes Bestreben ist, die aufgesetzten Honigwaben mit den Brutwaben durch Zwischenbau zu verbinden, um die wärmeschädliche Wabenunterbrechung zu beseitigen. Daß ein ordnungsliebender Imker solche Verbauungen nicht dulden darf, wird als selbstverständlich angesehen. Sie werden entfernt, weil sonst die Rahmenbeweglichkeit behindert wird und sogar in Imkerschulen wird gelehrt, daß solche "Wabenpatzer" von einer Nachzucht auszuschließen sind.

Solch imkerliches Werken verkennt selbst die primitivsten Naturerfordernisse des Biens. Es ist ein Notschrei, er fordert Abhilfe. Der Bien versucht sogar, die Zwischenräume zwischen Tragleisten und Decke zu verbauen, um einigermaßen der Wärmeabwanderung zu begegnen, um dem Gesetz der Nestwärmebindung näher zu kommen, was aber der Imker mit seinem durch Irrlehren gefestigten Unverstand, beseitigt.

Gut, es behindert die Beweglichkeit, dann ist es eben bewiesen, daß die Beutengestaltung unrichtig ist. Der Bien kann sich nicht umstellen, aber Sache des Imkers ist es, sich den unabänderlichen Naturerfordernissen, voran dem Gesetz der Nestduftwärmebindung, durch eine richtige Beutengestaltung anzupassen. Diese kurz angeführten Schäden sind unbestreitbare Tatsachen. Die Erkennung ihrer Entstehung berechtigt zur Feststellung, daß das Rähmchen mit der allseits offenen wärmeverströmenden Wabengasse, zum Fluch der Bienenzucht geworden ist.

Es führte zu Fehlkonstruktionen aller Rahmenbeuten. Damit geriet die Fachwissenschaft auf Abwege und musste zum Niedergang der Bienenzucht führen. Machtlos stehen seither Bien und Imker dem Verfall der edlen Imkerei gegenüber, was letzten Endes zum Rückgang unserer blühenden Kulturen führen muß. Darin liegt die große Verantwortung der Imker. Und es gibt einen Ausweg!

"In der Naturbauweise des Biens, seit Jahrmillionen bewährt, wo Bau und Beute eine geschlossene Einheit bilden, wo das Gesetz der Nestduftwärmebindung alles regiert und beschirmt - dort gibt es gesunde und ohne Pflege leistungsfähige Völker – selbst ohne menschliche Pflege und Zucker – dort liegt die Lösung!

Sie gipfelt in dem alles belebenden Gesetz der Nestduftwärmebindung.“ Imker! Lerne im Buche der Natur zu lesen, dort sind mit ehernen Lettern die von der Schöpfung weise vorgesehenen und unabänderlichen Gesetze eingezeichnet. Sie zu achten, danach zu handeln und sie zeitgemäß zu gestalten muß des Imkers oberstes Gebot bilden, auf daß der Göttertrank, der fließende Nektar aus dem Füllhorn der Segnungen zu edlen Honig werde.


II. Teil
Die neue schichtenbewegliche Naturbauwohnung

"Die Naturbau-Magazinbeute"

Vor rund 200 Jahren verbreitete der nassauische Pfarrer Christ die nach ihm benannten Christsche Magazinsbeute, von denen mancherorts noch heute welche in Verwendung stehen sollen.

Das Wesentlichste sind die mit einem Wabenrost versehenen Magazine 28 x 28 x 14 Zentimeter groß. Das bewegliche Bodenbrett und eine Art Schachteldach bildet den Abschluß. Diese Magazine wurden der jeweilen Volksstärke durch Untersetzen angepaßt und standen zur Zeit der Hochtrachten bis zu sieben übereinander. Sie bildeten bereits vor 200 Jahren eine schichtenbewegliche Mobilbeute, in der das Gesetz der Nestduftwärmebindung vollständig gewahrt wurde. Den Nutzen seiner Magazinsstöcke schätzt er im Durchschnitt auf das Fünffache gegenüber den einfachen Strohkörben.

NATURBAU-MAGAZINSBEUTE



Diese Beute war in der Tat etwas Geniales. Die Herstellung der Magazine erforderte vier Brettl, maßhältig, zusammengenagelt, und acht Leisten für den Wabenrost. Die Betreuung verlangte fast keine imkerlichen Kenntnisse und Arbeit; sie bestand in der Hauptsache im bedarfsweisen Untersetzen der leeren Magazine und nach Trachtschluß in der Entfernung der oberen gefüllten Honigräume. Mit wenigen Handgriffen war die normale imkerliche Jahresarbeit getan und auf billigste und einfachste Weise war eine überlegen erfolgreiche und absolut naturgemäße Bienenhaltung möglich, frei von störenden Eingriffen und Maßnahmen. Christ bekämpfte mit Erfolg das bienenmörderische Abschwefeln der Strohkorbimkerei und den Ernteschnitt in sonstigen Beuten, der, unsachgemäß ausgeführt, die Nestwärmebindung beeinträchtigt und damit das Entstehen und Ausbreiten von Krankheiten verursachte. Über Krankheiten selbst schrieb Christ, daß er keine wahren Bienenkrankheiten kenne. Er empfiehlt: man halte sich nur volkreiche Stöcke und lasse ihren immer starken Vorrat an Honig, so wird man zu seinem Nutzen ein Fremdling bleiben in den Bienenkrankheiten. Ihre einfache Speise von dem besten Saft der Pflanzen und Blumen bewahret sie überhaupt vor Krankheiten."

Aber Schillers Worte: "Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten ...“ wurden auch an dieser Beute zur Wahrheit. Sie wurde vom Strudel der fortschreitenden Entwicklung erfaßt. Das Rähmchen feierte nach 100 Jahren seine Auferstehung, versetzte die gesamte Imkerschaft in Bewunderung, verdrängte rücksichtslos alles, was ihm hindernd im Weg stand und führte zwangsläuft zum Untergang auch dieser vorzüglichen Beute.

Wenn man vergleicht, was unsere Rahmenimkerei an Kenntnisse, Einrichtungen, Eingriffe und Arbeit erfordert, welche Misserfolge sie ständig begleitet, welche Mengen an Zucker zusätzlich verbraucht werden, dann müssen einem die Haare zu Berge stehen, und mit aller Deutlichkeit wird kund, welch falschen Weg die Entwicklung seither genommen hat. Der Christsche Magazinstock trug auch viel dazu bei, die damals durch Folgen des Dreißigjährigen Krieges fast ganz darniederliegende Bienenzucht wieder auf eine ansehnliche Höhe zu bringen.

Wenn uns Heute, 200 Jahre rückblickend, ehrliche Bewunderung erfüllt, muß sie gleichzeitig Ansporn werden, Gleichartiges in unserem durch die Kriegsfolgen so schwer heimgesuchten und verarmten Vaterlande entstehen zu lassen. - Das ist ein Gebot der Stunde und fordert gebieterisch:

„An Stellederkostspieligen, zum einfache Erfolgsimkerei zu treten."

Sport ausgearteten Kunstimkerei hat eine Siedlern und Bauern als berufene Bienenzüchter muß es möglich gemacht werden, mit einer leicht selbst herstellbaren einfachen Bienenwohnung, ohne besonderen Aufwand an Material, Fachkenntnisse, Geld und Arbeit, ohne Maschinen und Geräte, ohne Zuckerverbrauch und Kunstwaben, auf rein naturgemäße Art, erfolgreich zu Imkern. Diese Forderung erfüllt keine der bestehenden Bienenwohnungen; selbst der so gern ins Treffen geführte Strohkorb scheidet aus, weil er sich nicht den jeweils veränderten Volksmassen anpassen läßt. Die Wabengassen reichen nicht hin, um ein kräftiges Volk zu fassen. Er muß schwärmen, schwärmt er nicht, war die Entwicklung nicht auf der Höhe.

Die vielfach empfohlene Ausgestaltung, mit einem separaten aufsetzbaren Honigraum ist unnatürlich und schädlich; die leeren Honigrahmen entziehen die Nestwärme. Das Untersetzen eines leeren Kastels veranlaßt den Bien naturgemäß, die Brut hinunter zu verlegen, verhonigt den Strohkorb wobei der Strohkorb dem Bien als eigentliche Wohnung entzogen wird. Solch empfohlene Einrichtungen sind unwirtschaftlich und abträglich. Die einzige passende Erntemethode, das Abschwefeln, ist barbarisch und wertezerstörend. Das Ausschneiden ist schädlich und umständlich.

Ein treffliches und bewährtes Vorbild liefert uns aber die Christsche Magazinbeute. Mit folgenden unwesentlichen Änderungen würde sie der gestellten Forderung gerecht: "Das umrahmte Bodenbrett" hat zu enthalten: ein verstellbares Flugloch mit Anflugnische, der Abstand zwischen Boden und Magazin soll zweckmäßig sechs Zentimeter betragen als wabenfreier Aufkettungsraum für die wabenfliehenden Jungvolküberschüsse und Trachtbienen, einen elastischen Wärmeregulatur für das Nest bildend und zur eventuellen Aufnahme eines winterlichen Zwischenbodens. Rückwärts über die ganze Breite ein Putzkeil, von wo aus auch eine ungestörte Volksbeobachtung und hinlängliche Einsichtnahme störungsfrei jederzeit, selbst im Winter möglich ist. Das einzelne Magazin hat innen zu messen 28 x 28 x 14 Zentimeter und ist aus verschiedenen Ursachen genau einzuhalten. Die Wandstärke soll mindestens zwei Zentimeter betragen. Acht Stück Wabentragleisten zwei Zentimeter breit, sechs Millimeter stark sind in Auskerbungen oder auf Tragleisten mit bienengemäßem Abstand, mit dem Magazinsrand genau eine Ebene bildend, zu lagern.
Ein wetterfestes und dicht abdeckendes Schachteldach hat den Abschluß herzustellen. Normal werden drei Magazine gebraucht. Zwei davon sind als eigentliche Bienenwohnung, das dritte, als Honigraum nötig.

Die Bienenwohnung aus zwei übereinand gestellte Magazine umfaßt ausgebaut acht nestdurftwärnebindende Naturbauwaben in kubischer Gestealt 28 x 28 x 28 Zentimeter groß, besitzt 60 Quadratdezimeter Wabenfläche mit rund 50.000 Zellen; das ist so viel wie sieben österreichische Breitwaben. Die automatisch eingebauten Zwischentragleisten versteifen wirksam den Bau. Diese kubische Gestalt entspricht der Kugelung des Biens und ist die wirtschaftlichste Formgebung. Die durch zwei Magazine reichende Nestwabe 28 x 28 Zentimeter = mit 7 1/2 Quadratdezimeter Wabenfläche ist die Idealform der bewährten Quadratwabe. Mit dem überhöhten Bodenbrett beträgt der Rauminhalt dieser zwei Magazine 26 Liter, was einem größeren Strohkorb gleichkommt. Diese Bienenwohnung mit zwei Magazinen ist hinreichend, zur Speicherung eines bis zum Trachtbeginn ausreichenden winterlichen Futters, zur Überwinterung eines starken Volkes und zur Brutentfaltung einer legetüchtigen Königin.

Das 3. Magazin, im Frühjahr zeitgerecht leer, untergesetzt; bietet der Brut- und Volksausdehnung genügend Raum. Der Ausbau desselben erfordert eine Wachsproduktion von zirka 300 Gramm und entspricht der in Mobilbeuten angestrebten Baurahmenausbeute und befriedigt vollkommen und naturgemäß den Bautrieb. Die allgemein verbreitete Lehre, daß eine Baufortsetzung ohne Kunstwaben nur Drohnenzellen bringt, ist eine gedankenlos nachgebetete Fabel, denn wenn dies der Fall wäre, müßten die Naturvölker längst nur mehr aus lauter Drohnen bestehen. Nur falsche Raumgebung begünstigt den Drohnenbau. In dieses untergestellte Magazin wächst ja der Bien und mit ihm das Brutnest entwicklungsgemäß hinein, er weiß sich seinen Bau richtig zu gestalten und braucht bestimmt keiner imkerlichen Maßnahme oder Kunstwaben.

Das oberste, automatisch und entwicklungsgemäß zum Honigraum werdende Magazin faßt rund zehn Kilogramm Überschußhonig. Ein bedarfsweises Untersetzen vermag Völker und Ernten unbegrenzten Umfanges zu fassen.

Ich dieser neuen Gestalt feiert die altbewährte Christsche Magazinsbeute als schichtenbewegliche Naturbau-Magazinsbeute ihre Auferstehung. Sie erfüllt die an sie gestellten Forderungen einschließlich der der Nestduftwärmebindung in natürlicher Vollendung und Wirkung und erhebt sich damit zu einer zeitgemäßen Beute bester Güte und Leistung.

Die schichtenbewegliche Naturbaumimkerei mit dieser Magazinsbeute ist nicht Rückschritt, sondern zeitgemäßer, naturverbundener, auf wirklichen Erfolg beruhender Fortschritt, der alles Naturwidrige vermeidet.

Hingegen hat sonderbare Blüten die zum Sport ausgeartete Kunstimkerei hervorgebracht. Da wird die Königin in künstlicher Wiege künstlich geboren. Zum Hochzeitsfeste wird sie in erlesene Schar meist fremder Untertanen, gering an Zahl Dürfen sie dorthin begleiten. Sorgsam wird jedes männliche Glied des eigenen Volkes ferngehalten. An diesem abgelegenen Ort wird ihr ein volksfremder Gatte imkerlicher Bestimmung aufgezwungen, die freie Gattenwahl bleibt ihr versagt. Das unnatürliche Schandmal wird ihr am Rücken lebenslänglich aufgetragen. Der aus der königlichen Hoheit harrt nunmehr des imkerlichen Einsatzes. In kühler Berechnung wird vorher einem Volke die Königin gewaltsam entfernt und- ermordet. Das Hoheit beraubte Volk erfaßt tiefes Weh. Ein nicht endendwollendes, weithin hörbares Klagegeheul kündet den Schmerz. lind noch ehe das Volk zu den nüchternen Forderungen des Alltages zurückfindet und noch ehe es seine naturbestimmte Art des Königinersatzes treffen kann, unterschiebt ihm der Imker dieses Kunstprodukt einer Königin, ohne Nachweis ihrer Eignung; nur gestützt auf imkerliches Gelingen. Doch nur zu oft reißt dem Bien die Geduld und wirft solch königliches Geblüt dem Imker zu Füßen. Und wenn einmal alles gut gelingt, so geschah es ohne Rücksicht auf unerforschte Naturzusammenhänge. – So viel wissen wir, daß sich die Natur solcher Mittel nicht bedient und dass menschliches Wirken in dieser Richtung nur einseitige Erfolge erzielt mit einhergehender Entartung. In kunstvollen Wohnungen, des Imkers Freud, der Bienen Leid, wird die Brut hin und her versetzt, zerteilt, umgehängt, zugehängt, zwischengehängt; einmal eingeengt, einmal erweitert - meist ohne Sinn und Verstand. Es geht ja alles so bequem mit dem Rähmchen! Eine Revision jagt die andere. Dann wieder wird reizgefüttert, aufgefüttert, notgefüttert. Die männlichen Stimmungsmacher werden zu Tausenden in der Wiege hingemordet - man neidet ihnen die Nahrung. Der Honig wird als lebensspendendes Mittel für Kinder und Kranke gepriesen, dem Bien, diesem zarten Wesen wird Zucker vorgesetzt; er soll besser sein als Honig. Man zwingt dem Bien die unnatürlichen Wohnungen und Gesetze auf. Natürliche Erfordernisse, voran die alles belebende Nestduftwärmebindung geht der Imker aus dem Wege - er müßte sonst seine um teures Geld angeschafften Rahmenbeuten dem Feuer überantworten. Er ahnt zwar etwas von Wärme - und heizt dem Bien lieber elektrisch ein, oder kleidet ihn unzulänglich in Lumpen wie ein Bettler.

Die erforderlichen Gerätschaften füllen ganze Kataloge. Die Vielfalt und Ausstattung der Bienenwohnung geht ins uferlose. Die "Reichsfachgruppe Imker" sah sich 1940 gezwungen, dieser haltlosen Weiterentwicklung einen Damm entgegenzusetzen. Aus der Erkenntnis heraus, daß keine der bestehenden Beuten den Anforderungen gerecht wird, schuf sie eine neue Beute, die "Einheitsblätterbeute", die "nur" 74 bewegliche Teile umfaßt. Sie war von der Vollendung der neuen Einheitsbeute so überzeugt, daß sie die fernere Erzeugung der Erfindung anderer Beuteformen unter gesetzliches Verbot brachte. Natürliche Erfordernisse des Biens - voran das Wärmegesetz, die Bindung der keimfreien Nestduftwärme - fanden keine Berücksichtigung. Was Wunder, daß sich die in diese Beute gestellten Hoffnungen nicht erfüllen konnten. Man mußte dieser unerwarteten Tatsache, diesem Fiasko, Rechnung tragen und bereits zwei Jahre später wurden gleichzeitig drei neue, geheimgehaltene Formen, in verschiedenen Gauen, geheim zur Erprobung aufgestellt. Sie blieben der Imkerschaft unbekannt. - und werden es bleiben. - Das Problem blieb ungelöst. Den Kunstimkern kann auch ein hohes Maß von Fürsorge nicht abgesprochen werden. Für seine erklärten Lieblinge sind ihm keine Kosten zu viel. Für seine naturmangelnd, schwächlich geborenen und daher oft kranken Kinder werden fürsorglich Seuchenstationen errichtet, Seuchenwarte herangebildet, jede verdächtige Biene zur Untersuchung eingeschickt. In aller Welt wird geforscht, untersucht, erprobt; - man hat Bakterien ergründet und benannt - damit sie nicht verwechselt werden. Aber die Ursachen selbst liegen noch im Dunkeln und es wird noch so manches Volk dahinsinken, bis ... ja bis man endlich erkannt haben wird, daß diese bedauernswerten Geschöpfe in dieser Unnatürlichkeit nicht gedeihen können und daß nichts die Bindung, der keimfreien Nestduftwärme zu ersetzen vermag. Wenn man bedenkt, welches Maß von theoretischen Kenntnissen diese Kunstimkerei verlangt, um sie überhaupt künstlich an: Leben zu erhalten, so zwingt dies zu ernstem Nachdenken und Einlenken. auf die von der Natur vorgezeichneten Bahn. Wie so einfach rollt dagegen das ganze Getriebe innerhalb eines Jahres in der Naturbau- Magazinsbeute ab. Beginnend mit der Einwinterung: die zwei untersten vollbesetzten Magazine bleiben als winterliche Normalbauwohnung unberührt. Darüber befindliche Honigmagazine werden als Ernte entfernt. Die zusammenhängend verbauten Magazine lassen sich leicht abheben durch Durchschneiden mit einem dünnen Stahldraht an den Aufsatzstellen. Die verbleibende Normalwohnung soll winterlich umhüllt werden und das Flugloch ist mäusesicher zu verengen. Eventuell wird auch ein Zwischenboden eingeschoben. Die Waben sind mit Honig bis zur nächsten Tracht hinreichend versorgt vermögen der Größe der Magazine und der geringen Zehrung infolge natürlicher Nestduftwärmebindung und weil sie vor imkerlichem Zugriff verschont blieben. Die Naturbau-Nestdurftwärmebindung erspart den Zucker, verhindert Krankheiten und ein gesundes Volk erlebt das Frühjahr. Ohne Eingriffe vollzieht sich eine naturgemäße Entwicklung und die Völker sind zur Trachtzeit voll startbereit.
Die Entfernung der winterlichen Umhüllung, des Zwischenbodens, die Erweiterung des Flugloches und das Untersetzen eines leeren Magazins sind die Arbeiten des Frühlings. Den Fingerzeig gibt die Natur mit ihrem Blühen und das Erstarken des Volkes.
In jede freiwerdende Zelle wird dann Honig gelagert, die Brutkreise werden natur- und entwicklungsgemäß in die Tiefe gedrückt auf neuem Bau und der Bien wächst in das untergesetzte Magazin hinein. Die oberen Honigböden vergrößern sich und umfassen schließlich ganze Magazine. Brut-, Bau- und Sammeltrieb können sich naturgemäß und unbehindert entfalten so lange die Tracht anhält und soferne der Imker bedarfsweise durch weiteres Untersetzen Raum gibt, was beliebig vorzeitig geschehen kann. Dem Schwärmen als Notzustand infolge Platzmangel wird Einhalt getan, weil es nie an Raum gebricht. Rastloses Leben erfüllt die Beute, der Drohn brummt die schönsten Liebesweisen und sorgt für Stimmung. Harmonie und Leistung allüberall, frei von imkerlichen Störungen; das geht so fort bis die Tracht versiegt. Die folgende Entfernung der vollen Honigmagazine befreit den Bien vom Überfluß. Die winterliche Umhüllung der als Wohnung verbliebenen zwei unteren besetzten Magazine und das Verkleinern des Flugloches beschließen die imkerliche Tätigkeit des Jahres, zu deren Ausübung es keiner besonderen Kenntnisse bedarf. Das gelegentliche Einfangen eines Schwarmes oder die Behebung eines fallweisen Notstandes sind durch die Praxis bald erlernt oder vom nächsten Imkernachbar erfragt.

Die Gewinnung des Honigs kann auch ohne Schleudern, durch Einschmelzen der honiggefüllten Waben, über gelindem Herdfeuer, erfolgen. Das Wachs sammelt sich an der Oberfläche und ist erkaltet abzuheben. Darunter befindet sich der reife Honig, der abgefüllt, verschlossen und trocken aufbewahrt, unbegrenzt haltbar ist. Am besten eignen sich dazu verzinnte, emaillierte oder tönerne glasierte Behälter. Die Verwertung als Wabenhonig enthebt selbst dieser Arbeit. Selbstredend können die an den Tragleisten haftenden, von den Stockwänden abgetrennten Waben auch geschleudert und sogar zur Wiedereinstellung verwendet werden.

Die Herstellung dieser Magazinsbeuten, am besten nach einem Muster, ist, wie beschrieben, wohl jedem möglich, der Willen dazu hat. Und wenn ein bisschen Sorgfalt aufgewendet wird, so vermag sie Biene und Imker vollauf zu befriedigen. Der wirkliche Siedler baut viel schwierige Sachen. Das Hauptaugenmerk ist auf die innere Maßhältigkeit von 28 x 28 x 14 Zentimeter zu richten und auf ein winkelrechtes Zusammensetzen. Auf keinen Fall lasse man sich dazu verleiten, statt der Wabentragleisten etwa Rähmchen zu verwenden. Damit wäre die gassenweise Bindung der keimfreien Nestduftwärme unmöglich und die vielseitigen Schäden würden abermals unweigerlich damit Herbeigeführt.

Der gesamte Holzbedarf beträgt nur ungefähr einen Quadratmeter Bretter mindestens zwei Zentimeter stark, die auch ungehobelt verwendet werden können. Kleine Abfallbrettl, ausrangierte Bienenwohnungen usw., können Verwendung finden. Die Besiedlung erfolgt mit einem Schwarm gehörigen Gewichtes während der Tracht aufgestellt und bildet die Hauptausgabepost. Kunstwaben finden keine Verwendung; die Anbringung von Vorbau oder Leitwachs ist zweckmäßig aber nicht unbedingt notwendig. Die Aufstellung kann im Freien, an einem windgeschützten, vor Sonnenbrand bewahrten, sonnigen, vor Störungen gesicherten, ruhigen Plätzchen, gehörig vom Nachbarn entfernt, erfolgen. Auf eine waagrechte Lagerung ist genauestens zu achten.
Die naturbaueigene Nestduftwärmebindung erspart die Zuckerfütterung.
Die Hauptarbeit verursacht nur die Honigernte; sie bildet aber den Stolz und die Freude der imkerlichen Familie und wer dies als Arbeit empfindet, abgesehen vom Berufsimker - der kann nie ein Imker werden.

Und welcher Erfolg begleitet die Imkerei? Von der Kunstbienenzucht wissen wir, und das muß jeder ehrliche Imker bestätigen, daß die aufgewendeten Kosten, Mühen, Arbeit und der Zuckerverbrauch bei dieser Art von Imkerei in keinem Verhältnis zum durchschnittlich erzielen Ertrag stehen und daß erzielte Erfolge nur Scheinerfolge sind.

Die wenigen Berufsimker gehen ihre eigenen Wege. Die größte Zahl bilden jene Imker, die ständig mehr Zucker Füttern als Honig ernten und jene, die überhaupt nichts ernten und ihren Völkerstand nur damit aufrecht erhalten, indem sie verhungerte oder durch selbstverschuldete Krankheiten und Seuchen dahingeraffte Völker durch Zukauf ersetzen. Sie sind das Wirtschaftliche Rückgrat der Kärntner Naturbienenzüchter. Wenn man die Erfolgsbilanz der österreichischen Imkerschule im "Bienen-Vater" nachliest, so findet sich , daß der Musterbienenstand dieser Anstalt trotz Wanderungen und selbst bei guten Ernten fast durchwegs mehr Zucker verfüttert als Honig erntet. An der Betreuung liegt es sicherlich nicht - sie sind das anzustrebende Vorbild bei der Heranbildung des imkerlichen Nachwuchses. Diese Schulungsstätte moderner Kunstbienenzucht, deren Hauptlehrgegenstände die künstliche Königinzucht und die imkerlich verursachten Bienenkrankheiten und Seuchen behandeln, sie fühlen sich über die Natur erhaben, es wird versucht, die Natur zu überflügeln ... darum die Mißerfolge. Und wie stehen die Aussichten bei einer naturverbundenen Imkerei, wie bei der Naturbau-Magazinsbeute? Über Ertragsziffern ... ja, darüber soll man vorsichtigerweise nicht plaudern. Nur so viel sei verraten, daß ein solcher gehörig besiedelter Stock, infolge der alles belebenden und fördernden Nestduftwärmebindung, die im Naturbau begründet ist und seit Jahrmillionen wirkt, eine rechtzeitige Volkentwicklung sichert und damit den Ertrag. Es gehört wohl zu den seltensten Ausnahmen, daß innerhalb eines Jahres jede Blüte vollständig verregnet wird. Zur Zeit der Volltracht ist aber ein rechtzeitig entwickeltes Volk auch in mittleren Trachtlagen, in wenigen Tagen in der Lage, ein Honigmagazin über den eigenen Jahresbedarf hinaus, der ungefähr 60 Kilogramm beträgt, mit Überschußhonig zu füllen, und das sind immerhin so zehn Kilogramm Honig und etwa ein Viertelkilogramm Wachs, was sich für den Imker erübrigt. In guten Trachtlagen und Jahren kann es ein Vielfaches betragen. So verläßlich auch diese Angaben sind, sie sind nicht dazu geeignet, einen Bleistift in die Hand zu nehmen, um zu rechnen: 10 x 10 Völker gibt mindestens 100 Kilogramm Honig und so und so viel ... usw. Nein, diese Rechnung bleibt trotz aller Richtigkeit falsch, wenn das Trachtgebiet übervölkert wird, das sind vier Kilometer im Umkreis, die Flugweite der Sammelbienen. Jeder Übervölkerung ist vorzubeugen, was ein angehender Imker unbedingt berücksichtigen muß, um sich und auch die anderen vor Schaden zu bewahren.

Die Bildung von Überschüssen und damit der Ertrag wird in hohem Maße von der Bienenwohnung beeinflußt. Gegenteilige Lehren sind nur ein Beweis von der Verkennung der Naturvorgänge.

Die Schöpfung hat den Bien erschaffen zur Befruchtung der Kulturen und nicht zum Honigsammeln für den Menschen. Nur die verschwenderische Fülle, deren sich die Natur zum sicheren Gelingen ihrer Aufgaben bedient, läßt dem Bien Honig im Überfluß sammeln.

Das "Werden und Vergehen" aller irdischen Dinge erfüllt sich beim Bien durch Bildung von Kolonien und durch Altern und Verfall der Zellen. Bau und Bien bilden eine organische Einheit; die einzelne Biene ist nur ein frei bewegliches Glied davon, das, allein bestellt, nicht lebensfähig ist, genau so wenig, wie das Bienenvolk ohne Zellen des Wabenbaues.

Dieser Naturverlauf läßt sich mit geeigneten Hilfsmitteln zugunsten einer vermehrten Honigspeicherung beeinflussen, und das ist in erster Linie mit der Bienenwohnung möglich.
Beim Studium einer Naturbienenwohnung erkennen wir, daß der Raum und wenn er noch so groß ist, seine Grenzen hat. Der Bien trachtet, diesen Raum mit Brut, Bienen und Vorräten zu füllen und damit tritt seine Reife zur Bildung neuer Kolonien ein; es folgt das Schwärmen als natürliches "Werden".
Nach und nach altern die Brutzellen, sie werden dick und schwarz. Es ist vergleichbar mit einer Arterienverkalkung. Die organische Einheit von Bau und Bien altert, verliert an Leistung, führt schließlich zum Untergang zum natürlichen "Vergehen". Eine Bienenwohnung, die durch räumliche Dehnbarkeit das Erfüllen bedarfsmäßig verhindert, verhindert die Reife des Biens. Solange diese Reife und damit das Schwärmen verhindert bleibt, mehren sich auch die Überschüsse an Honig durch die ungeteilt erhalten gebliebene Kraft des Biens. Das Gefühl der Fülle, die Raumenge, muß vom Bien frühzeitig ferngehalten werden sonst erwacht der Schwarmtrieb, der, einmal erwacht, durch verspätete Raumgebung nicht mehr verhindert werden kann. Das Altern kann durch Bauerneuerung hintangehalten werden. Mit diesen beiden erlaubten Mitteln wird das natürliche "Werden und Vergehen" in seiner Mitte aufgehalten und mit ihm alle vollerstarkten Kräfte des Biens, wodurch eine Mehrung der Honigüberschüsse über das naturvorgesehene Maß hinaus durch diese Stauung erreicht wird.

Das Hilfsmittel ist die Bienenwohnung, sie muß sich den jeweiligen Raumerfordernissen elastisch anpassen und eine Bauerneuerung zulassen. Also gewissermaßen das Gegenteil einer Naturbienenwohnung.

Eine Ausstattung dient nur zur imkerlichen Bequemlichkeit, der Bien braucht nur den leeren Raum. Sie darf niemals gegen die Narur des Biens verstoßen, was leider bisher so wenig beachtet wurde und so viele Schäden hervorbrachte, wie zum Beispiel das naturwidrige ringsum offene Wabenrähmchen mit Zerstörung der lebenswichtigen Nestduftwärmebindung.

Naturbeachtet ist es erwiesen, daß die Bienenwohnung auf den Ertrag einen entscheidenden Einfluß nimmt und muß vom Imker, wenn er einen vollen und dauernden Erfolg erzielen will, beachtet werden; er darf sich nicht durch Scheinerfolge beirren lassen.

Die neue schichtenbewegliche Naturbau-Magazinsbeute trägt dem voll Rechnung, sie gibt dem Bienendasein vollste Harmonie. Im Zentrum die Wintertraube bildenden Bienen, oben, und seitlich reichlich mit eigenen Vorräten umgeben, die durch eine geringe Nestwärmestrahlung erwärmt und bekömmlich bleiben, für den Bien einen schützenden Wärmepolster bildend. Die Honigzellen verdickt ausgeführt, um die verkleinerten Zwischenräume leichter warm zu halten. Die Waben oben und seitlich an die Wände festgebaut. Sackgassen bildend, um die lebenswichtige keimfreie Nestduftwärme gassenweise festzuhalten, sie zu binden. Über der Bienentraube nie eine leere, Wärmeverschluckende Zelle. Das so wollgeschützte Wintervolk bewegt sich, der Zehrung folgend, von unten nach oben. Und oben, in der wärmsten Zone, beginnt dann die Bruttätigkeit. Anfänglich kleine Kreise umfassend, der höher steigenden Sonne folgend immer größer werdend, eine Kugelgestalt bildend, um schließlich alle

futterfreien Zelle mit Brut zu füllen. Die Tracht setzt ein und alle Überschüsse an Honig werden oberhalb der Brut gelagert, jede fei werdende Zelle wird damit gefüllt. Die Brut wird in das leere untergesetzte Magazin hinabgedrängt, auf frisch aufgeführten Bau. Dabei findet der Bautrieb seine Erfüllung in trachbestimmten, entwicklungsmäßigen Grenzen, frei von imkerlichem Zwang oder Beschränkung, wodurch jede Ertragsschmälerung vermieden bleibt und dabei den Bau automatisch erneuert. Ein Absperrgitter findet keine Verwendung.

Die im Herbst zuletzt auslaufende Brut geben der sich bildenden Wintertraube den nötigen Raum und die Aufwärtsbewegung , nimmt wieder ihren gedeihlichen Anfang. Die mit dem Naturbau herbeigeführte Bindung der keimfreien Nestduftwärme unterbindet das schädliche Bakterienleben, verhindert das Entstehen von Krankheiten, hält die Vorräte bekömmlich und die Heizzehrung in engsten Grenzen, erspart damit die Fütterung und den unnatürlichen betriebsverteuernden Zuckeraufwand. - Kunstwaben finden keine Verwendung, dafür wird Wachs geerntet. Leitwachs oder Vorbau sind zulässig.

Der Bien bleibt normal von imkerlichen Störungen und Eingriffen verschont; sind solche einmal nötig, so ist die Einsichtnahme durch die Schichtenbeweglichkeit und auch durch eine beschränkte Wabenbeweglichkeit an jeder beliebigen Stelle leicht möglich. Die Entfernung der gefüllten Honigmagazine unterstützt die Natur, weil dieser Überfluß nicht miterwärmt werden muß.

Das zeigerechte Untersetzen des leeren Magazins verhindert die Raumbeschränkung, die bei einer Naturbienenwohnung eintreten muß und der Anlaß zum unerwünschten Schwärmen ist. Der Vorratsspeicherung, der Volksausdehnung und dem Bautriebe sind keine Grenzen gesetzt.

Das Untersetzen weiterer Magazine vermag Ernten jeden Umfanges aufzunehmen. Die einhergehende automatische Bauerneuerung verhindert das Überaltern der Waben, Bau und Bien bleiben jung. Unbegrenzte Harmonie steigert die Erträge. Durch die Vorteile der Schichtenbeweglichkeit mit unbegrenzter Raumgebung und automatischer Bauerneuerung ist diese neue Naturbau-Magazinsbeute jeder Naturbauwohnung überlegen.

Dabei ist die Betreuung so einfach, daß, unbeschwert um fachliches Wissen, ohne besonderen Arbeitsaufwand und Kosten, Siedler und Bauern als berufendste Bienenzüchter damit eine naturgemäße, einfache und wirklich erfolgreiche Bienenzucht betreiben können. Jeder Anfänger, der einige Bretteln zu dieser leicht selbst herstellbaren, durch keine Patente geschützten Beute nach einem Vorbild zusammengezimmert, falls er nicht den Ankauf vorzieht und sich in den Besitz eines guten Schwarmes setzt, kann mit geringsten Kenntnissen Bienenzucht betreiben und hilft damit die Ernährungslage bessern.

Ihre zeitgemäße Gestaltung und ihr Aussehen erfüllt weitgehend alle Ansprüche, die man an eine naturgerechte Bienenwohnung überhaupt stellen darf und die weitgehende Ertragssicherung erhebt diese seit Jahrhunderten bewährte und nunmehr verbesserte Naturbau-Magazinsbeute zu einer Bienenwohnung, die Bien und Imker vollauf befriedigen kann und die den Erfordernissen der Zeit Rechnung trägt.

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