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Imkere naturnah!

Weltweit findest Du sehr viele Imkerinnen und Imker, die naturnah imkern. Jeder hatte für sich einen Grund, naturnah zu imkern - aus romantischen oder idealistischen Gründen, aus ökonomischen Gründen, aus Neugier oder Faulheit, aus wissenschaftlichen Gründen, aus Liebe zur Einfachheit...es gibt sehr viele Gründe. Nicht nur Liebhaber, auch Berufsimker finden Wege zur naturnahen Imkerei unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Du wirst auch deine Gründe haben, weswegen Du dich für die naturnahe Imkerei entscheidest.

So viele Gründe, so viele Namen gibt es auch für die naturnahe, biologische oder anderweitig betitelte Imkerei. Hier auf dieser Seite wählen wir den Begriff "naturnahe Imkerei", um Dogmen vorzubeugen und Offenheit gegenüber den verschiedenen Varianten der Herangehensweisen, Betriebsweisen und Bienenstöcken zu bezeugen.

Was ist naturnah?!

Naturnah zu imkern bedeutet, sich aus seiner Situation, von seinem Startpunkt aus der Natur zu nähern. Dabei gilt es nicht, die Natur möglichst exakt zu kopieren oder zu idealisieren. Sich der Natur zu nähern bedeutet, den Bienen ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmung in den wichtigsten Fragen des Bienenlebens zurückzugeben. Die Bienen sind eine sehr alte Spezies mit über 45 Millionen Jahren Lebenserfahrung - wir können nur von ihnen lernen und ihnen kaum vorschreiben, wie das Leben zu funktionieren hat.

Die allgemeine Industrialisierung brachte auch die Industrialisierung der Landwirtschaft mit sich. Der Umgang mit Tieren wurde mechanisiert und die Tiere selbst zu bloßen Sachgegenständen degradiert. So auch bei den Honigbienen. Die Produktion von Honig wurde als oberstes Ziel erkoren und heiligte die Mittel und Wege. An vielen Stellen ist die Menschheit etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Naturnahe Imkerei relativiert das Ziel der maximalen Honigproduktion: Erst die Biene, dann der Honig. Das Überleben als Spezies und die Gesundheit der Honigbiene stehen nun an erster Stelle. An zweiter Stelle kommen die Bedürfnisse des Menschen.

Was sind deine Bedürfnisse?

Einige naturnahe Imker haben am Anfang innegehalten, und sich gefragt, was ihre ursprünglichen Bedürfnisse waren, weswegen sie mit der Imkerei begannen. Und was heute ihre Bedürfnisse sind. Vielleicht stellst auch Du fest, dass auch deine Bedürfnisse vergleichsweise gering ausfallen? Für einige ist es kein Bedürfnis, massenhaft Honig zu produzieren, um es anschließend vor der riesenhaft erscheinenden Aufgabe zu stehen, den Honig vermarkten oder billig abstoßen zu müssen.

Imkern, ganz einfach weil Du Honig liebst - warum eigentlich nicht? Der Eigenbedarf dürfte pro Person zwischen 10 und 20 Kilogramm Honig im Jahr liegen. Imkern, weil Dich das Summen der Bienen glücklich macht - warum eigentlich nicht? Weil Du deine Obstbäume bestäubt wissen willst - warum nicht? Weil Du mit Apitherapie Dich und deine Familie kurierst? Weil Du eine vielfältige und lehrreiche Beschäftigung suchst, die Dich zudem mit anderen Menschen in Kontakt bringt und verbindet - warum nicht? Doch ist dazu die maximale Honigproduktion notwendig?

Die Wirtschaftlichkeit muss bei der naturnahen Imkerei nicht leiden, was wichtig für erwerbstätige Imker ist. Anstatt der massenhaften Produktion der Industrieware Honig, verleiht die naturnahe Imkerei dem Honig, Wachs, Pollen, Bienenbrot, Bienengift, Propolis, Bienenlarven und weitere Bienengaben wieder einen Wert. Dazu später mehr in der Rubrik Bienengaben. Die naturnahe Imkerei birgt viele interessante Chancen für eine Imkerei unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Gehe in Dich und erkenne deine wahren Bedürfnisse, worauf kommt es Dir wirklich an bei der Imkerei?

Grundsätze und Prinzipien der naturnahen Imkerei

Anstatt fester Regeln und Dogmen, in Form von 'Du darfst' oder 'Du darfst nicht', einigen sich die Immenfreunde lieber auf bestimmte ethische Grundsätze, mit der sie dann weitere Fragen beantworten. Die folgenden Grundsätze für die naturnahe Imkerei stellte Phil Chandler von biobees.com auf:

1.) Die Manipulationen und Eingriffe durch den Imker in das Bienenleben sind bei der naturnahen Imkerei auf ein Minimum reduziert.

2.) Nichts wird in den Bienenstock gegeben, dass die Bienen, den Menschen oder dem Naturhaushalt schädigt oder schädigen könnte. Nichts wird dem Bienenstock entnommen, was die Bienen nicht entbehren können.

3.) Die Bienen wissen, was sie tun. Unsere Aufgabe ist es, von ihnen zu lernen und ihnen die optimalen Lebensbedingungen innerhalb und außerhalb des Bienenstocks zu schaffen, unter denen eine natürliche Gesundheit der Bienen erst möglich wird.

Anhand dieser Grundsätze leiten sich viele Handlungen ab, auch Du kannst sie als Orientierung nutzen. Die folgenden Punkte sind nur einige Beispiele.

Zu 1.)Die Manipulationen und Eingriffe durch den Imker in das Bienenleben sind bei der naturnahen Imkerei auf ein Minimum reduziert.

Durch die Minimierung der Eingriffe in das Leben des Biens können Prozesse ungestört ablaufen. Das können Kommunikationsprozesse sein, Wachstums- und Entwicklungsprozesse, oder Immunsystemprozesse. Auf diese Prozesse gehen wir weiter unten im Abschnitt Ökosystem Bienenstock und Bienengesundheit ein.

Die Minimierung der Eingriffe reduziert die Bearbeitungszeit pro Bienenvolk und Jahr, was ökonomisch betrachtet günstig ist, da Zeitaufwand wegfällt. Die Zeit kann der Imker wiederum für Beobachtungen verwenden, wenn er mag - ein echter Mehrwert für Immenfreunde.

Wichtige Lebensfunktionen erfüllt das Wabenwerk der Honigbienen. Forschungen und Erfahrungen zeigen, dass Wabenabstand, Zellgrößen und Anteil der Drohnenbrut an der Gesamtbrut und die Anordnung der Waben zum Flugloch einen Einfluss auf die Bienengesundheit hat. In der heutigen Imkerei werden einheitliche Wabenabstände, einheitliche Zellgrößen durch die Verwendung von vorgeprägten Mittelwänden und vergleichsweise wenig Drohnenbrut forciert. Dies ist als Wabenmonokultur zu betrachten.

Im Stabilbau, in dem die Bienen ihr Wabenwerk völlig frei in den Raum ausziehen, findet sich keine Monokultur. Die Wabenabstände sind unterschiedlich und die Zellgrößen variieren sogar auf einer einzigen Wabe. Wenn die Bienen in unterschiedlich großen Zellen aufwachsen, entwickeln sie unterschiedliche physikalische Körpereigenschaften und unterschiedliche Verhaltensweisen. Eine Wabenvielfalt erzeugt demnach eine Vielfalt an Bienen, die der Superorganismus Bien benötigt, um anpassungsfähig auf die unterschiedlichsten Einflüsse zu reagieren.

Wabenmonokultur erzeugt eine Spezialisierung des Bien und führt zu ähnlichen Problemen, wie sie sonst bei landwirtschaftlichen Monokulturen zu beobachten sind. Daher ist die Vorgabe des Wabenbaus durch den Imker mit Vorsicht vorzunehmen. Wenn Du mit Rähmchen arbeitest, solltest Du die Wabenabstände von innen nach außen weiter setzen. Das Flugloch sollte nicht zentral, sondern in einer Ecke der Beute liegen, damit die Waben diagonal zum Flugloch stehen. Dieser Aufbau wurde im Stabilbau oft beobachtet und ist als idealisierter Kompromiss bei Verwendung von Rähmchen zu sehen. Arbeite so oft Du kannst mit Naturbau (keine Verwendung von Mittelwänden in den Rähmchen). Wir haben Dir hier unter der Rubrik Bienenstock Erfahrungsberichte zum Naturbau hinterlegt.

Eine andere Alternative ist die Verwendung von Stabilbau, bei dem die Bienen den vorhandenen Raum selbst mit dem Wabenwerk gestalten dürfen. In der Rubrik Bienenstock sind einige bewährte Bienenstöcke aufgeführt, die sich für den Stabilbau eignen.

Das Flugloch ist generell zu verkleinern. Professor Thomas D. Seeley hat unzählige wilde Honigbienennester in Bäumen seziert und Forschungen darüber erstellt, welche Fluglochgrößen von den Bienen bevorzugt werden. Der Durchmesser von 4 cm wurde signifikant vorgefunden, was einer Fläche von etwa 12 cm2 entspricht. Egal ob schlitzförmig oder rund - die Größe des Flugloches sollte in etwa 12 bis 20 cm2 betragen. Dies ist keine Regel für alle, sondern eine Annäherung an gefestigte Beobachtungen. Sollten deine Beobachtungen abweichen, solltest Du diese unbedingt berücksichtigen.

Das Wabenwerk als Klimasystem des Bienenvolks ist ein wichtiger Aspekt, in den der Imker heute eingreift. Ein weiterer, konstruktionsbedingter Aspekt ist das Beutenklima, das durch die Verwendung von Flugloch, Boden und Wabenstellung beeinflusst wird. Dies ist ein Eingriff des Imkers. Ein offener Gitterboden entlüftet ohne Zweifel die Bienenbehausung sehr gründlich - aber eben durchgehend über alle äußeren Klimaschwankungen hinweg, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Biens. Ist diese Art der Belüftung zu viel des Guten?

Dagegen wird den geschlossenen Böden oft nachgesagt, dass eine ordentliche Belüftung verhindert wird und Schimmel die Folge ist. Hier ist aber genauer zu präzisieren, denn nur die Kombination eines geschlossenen Bodens mit einem auf voller Breite der Bienenstock durchgehenden Flugloch und ein nicht den Belüftungsbedürfnissen angepasster Aufbau der Waben sorgt für eine mangelhafte Belüftung. Also die Kombination aus Boden, Fluglochgröße und Anordnung des Wabenwerks bestimmen die Funktionsfähigkeit der Klimatisierung. Wenn Du diese den Bienen gerecht anordnest, wirst Du ihnen eine optimale Kontrolle über das Klima im Bienenstock geben. Noch besser ist es, wenn Du den Boden und das Flugloch bestimmst, jedoch über den Stabilbau den Bienen die Möglichkeit gibst, deine eventuell gemachten Fehler (wer weiß es...) auszugleichen.

Wenn auf diese Weise das Flugloch klein und der Boden geschlossen ist, sowie das Wabenwerk auf die Belüftung ausgerichtet ist, werden sich einzelne Bienen aufstellen und für die nötige Luftumwälzung sorgen. Besonders an warmen Sommertagen können Sie ihre Hand vor das Flugloch halten und einen nach Honig duftenden Luftstrom bemerken. Es ist phantastisch, diese kleinen Ventilatoren bei der Arbeit - der kontrollierten Belüftung des Bienenstocks - zu beobachten. Die Kontrolle über die Belüftung bedeutet auch die Kontrolle des Bienenstockklimas, zumindest aber der Temperatur und der Sauerstoff-/CO2-Sättigung. Die CO2-Sättigung ist ein wichtiges Element des Immunsystems der Bienen, da CO2 abiotisch wirkt und von den Bienen im Bienenstock bewußt zur Kontrolle des Mikrolebewesens eingesetzt wird, wenn Du sie lässt. Die für die Bienen günstigsten Verhältnisse können am besten die Bienen selbst herstellen.

Zu 2.)Nichts wird in den Bienenstock gegeben, dass die Bienen, den Menschen oder dem Naturhaushalt schädigt oder schädigen könnte. Nichts wird dem Bienenstock entnommen, was die Bienen nicht entbehren können.

Synthetische und sogenannte organische Behandlungsmittel gegen Varroamilben (Akarizide) belasten nicht nur Honig und andere Bienengaben, sondern wirken auch immer insektizid und damit toxisch auf den Organismus des Bien. Antibiotika, Fungizide und Akarizide sind daher in der naturnahen Imkerei abzulehnen. Die Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen dieser Stoffe sind weitgehend unbekannt oder werden ignoriert, zumal in der Wechselwirkung mit Pestiziden, welche die Bienen von draußen eintragen.

Medikamente werden nur bei erkrankten Organismen angewandt. Ziel jeder ordnungsgemäßen Imkerei sollte ein gesunder Bienenorganismus sein und Medikation die Ausnahme, nicht die Regel. Anstatt mit Medikamenten die Symptome zu lindern, sollten die Ursachen für die Erkrankung ergründet und abgeschaltet werden.

Wir sollten immer bedenken, alles was wir in den Naturhaushalt und Bienenstock geben, landet früher oder später auf unserem Teller. Auf der letzten Seite des Berichts des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) über Pestizidrückstände in Lebensmitteln (PDF) findest Du, dass selbst heute noch das Insektizid DDT in Babynahrung vorzufinden ist, dass in den Supermärkten angeboten wird. Besser als später mit den Belastungen und unvorhersehbaren Folgen leben zu müssen, ist es, von vorneherein auf solche Vorgehensweisen zu verzichten.

Ökosystem Bienenvolk und Bienengesundheit

Laut Martha A. Gilliam von der amerikanischen United States Departement of Agriculture - Agricultural Research Service gibt es in einem Bienenstock etwa 8.000 verschiedene Mikroben. Diese Vielfalt ist vergleichbar mit der Flora eines menschlichen Darms, wo es ebenfalls eine Vielzahl von Mikroben gibt. Von Viren, Bakterien über Pilzen ist alles vertreten. Gefährlich und ungefährlich sind alle gleichermaßen. Die Mikroben halten sich gegenseitig in Schach und in Balance. Gefährlich wird es (sowohl beim Menschen, als auch beim Bienenvolk) wenn dieses Gleichgewicht der Kräfte aus den Fugen gerät und sich ein Ungleichgewicht einstellt. Das Gleichgewicht ist von der Beständigkeit des Klimas im Bienenstock abhängig.

Dieses besteht unter anderem aus der Temperatur, der relativen Luftfeuchtigkeit, des pH-Werts von Stockluft, Bienenbrot, Honig, zwischengelagertem Nektar, und der Sauerstoffsättigung der Stockluft. Alle diese Klimafaktoren bestimmen das Mikrobenleben im Bienenstock. Wer schon einmal Kulturen in einem Labor angelegt hat, weiß, wie wichtig die richtigen Klimaparameter sind, damit die Kulturen angehen. Eventuell ist Dir das auch bekannt von der Herstellung von Met, Käse oder Sauerkraut – wo die Arbeit von Mikroben gefordert ist, müssen die Umgebungsparameter stimmen. So auch bei den Bienen.

Die Wichtigkeit des Bienenstockklimas hat auch Johann Thür (Bienenzucht. Naturgerecht, einfach und erfolgsicher. 1946) erkannt und mit dem Wort 'Nestduftwärmebindung' beschrieben. Seine Ausführungen sind es wert, gelesen zu werden.

Die minimierten Eingriffe und der bestmögliche Bienenstock ist nicht die Lösung aller Bienensorgen. Nicht nur das Innere des Bienenstockes, auch das Umfeld muss stimmen. Allen äußeren Einflüssen voran, stelle ich den chemischen Pflanzenschutz und die chemische Behandlung der Bienen gegen die Varroamilbe. Gesundheit im Bienenstock ist auf Dauer nicht möglich, wenn die Bienen chronisch (!) vergiftet werden.

Die Nahrung der Bienen, das Bienenbrot, wird mit Hilfe von Mikroben vergoren. Was für eine Wirkung haben chemische und so genannte organische Varroabehandlungsmittel auf die Mikroben, die das Bienenbrot herstellen? Welche Folgen resultieren daraus, wenn sich Futterdrüsen und Futtersaft ändern?

Welche Folgen für das Mikrobenleben hat das Verfüttern von Zuckerprodukten, deren pH-Wert völlig anders als der des Honigs ist? Wirken sich Änderungen von pH-Werten im Bienenstock auf das Mikrobenleben aus? Werden Mikroben zu tödlichen Pathogenen, wenn die Balance kippt?

Das Verfüttern von Zucker ist in der naturnahen Imkerei auf Notfälle zu beschränken oder besser ganz zu unterlassen. Nicht nur, dass es den Bienen langfristig mehr Schaden als Nutzen bringt - in anderen Teilen der Welt werden für den Anbau von Zucker Plantagen in den Urwald geschlagen und ganze Meere mit den pestizidbelasteten Abwässern verseucht. Nur, damit wir Bienen halten? Der Immenfreund sollte erwägen, ob er nicht alternativ weniger Völker aufstellt und dazu einen Obstgarten pachtet. Dort pflanzt Du nicht nur Obstbäume, Beerensträucher und Stauden für die Ernährung der Bienen an, sondern gewinnst auch noch frisches Obst dazu. Pachte einen Acker und baue dort einjährige Blühpflanzen an. Das Geld ist für Saatgut nachhaltiger investiert, als für den Zukauf von Zucker und nebenbei wirkst Du damit auch positiv auf die einheimischen Bestäubungsinsekten, die diese Rückzugsinseln gerne annehmen.

Hier möchte ich auch auf die Möglichkeiten des Netzwerks blühende Landschaft hinweisen.

Zu 3.)Die Bienen wissen, was sie tun. Unsere Aufgabe ist es, von ihnen zu lernen und ihnen die optimalen Lebensbedingungen innerhalb und außerhalb des Bienenstocks zu schaffen, unter denen eine natürliche Gesundheit der Bienen erst möglich wird.

Die Gesundheit von Lebewesen hängt in großem Maße von der Qualität und Quantität der Nahrung ab - vielfältig und reichlich muss sie sein, damit ein Lebewesen sein volles Potential entfaltet. Du kannst als Immenfreund selbst dafür sorgen, dass den Bienen ausreichend Nahrung über das ganze Jahr vorhanden ist. Siehe oben. Eine weitere Maßnahme ist die Verringerung der Völkerzahlen pro Standort, denn damit verringerst Du die indirekte Nahrungskonkurrenz, die sich vor allem zwischen den großen Trachten auswirkt.

Gesundheit im Bienenstock ist nicht möglich, wenn die Bienen chronisch vergiftet werden und dazu wegen unzureichender Qualität und Quantität von Pollen und Nektar mangelhaft ernährt sind. Hier bist Du als Immenfreund gefragt, Dich sowohl für eine vielfältige und ausreichende Tracht, als auch für eine ökologisch vertretbare Landwirtschaft zu engagieren. Damit engagierst Du dich nicht nur für die Bestäubungsinsekten, sondern sicherst damit auch die regionale Ernährungssicherheit der Zukunft, so wie sie im Weltagrarbericht gefordert wird. (Am 15. April 2008 legte der Weltagrarrat (IAASTD) in Paris den von der Unesco und der Weltbank in Auftrag gegebenenen Weltagrarbericht (auch: Weltlandwirtschaftsbericht) vor, der von 2003 bis 2008 vom Weltagrarrat entwickelt, ausgearbeitet und im April 2008 in Johannesburg veröffentlicht wurde. Der von 400 Wissenschaftler aus mehreren Ländern verfasste und von 60 Staaten unterzeichnete Bericht fordert einen Paradigmenwechsel bei der globalen Landwirtschaft. Mehr unter Weltagrarbericht 2008)

Honigbienenvölker sind Superorganismen. Ein Superorganismus bildet aus vielen kleinen Einzellebewesen ein großes Ganzes und verhält sich als Ganzes wie eine eigene Lebensform. Bei den Honigbienen bezieht sich das nicht nur auf das Bienenvolk an sich - wo einzelne Bienen einen Bien bilden, auch die einzelnen Bienenvölker bilden ein verknüpftes Netzwerk über die Landschaft und einen weit gestreckten Superorganismus. Die Kommunikation zwischen den Völkern findet zum Teil über Drohnen statt, die in den Völkern ein- und ausgehen. Die Kommunikation über Arbeiterinnen findet von Muttervolk zu Tochtervolk statt, wenn diese vorher auf natürlichem Wege schwärmten. Daher ist ein Eingriff durch den Imker zur Schwarmverhinderung auch gleichzeitig ein Eingriff in die Bildung von regionalen Bienennetzwerken. Für Dich als Immenfreund gibt es nun mehrere Wege mit dieser Erkenntnis umzugehen. Einige verzichten auf die Schwarmverhinderung und leben mit schwärmenden Bienenvölkern, andere lassen einen Teil des Bienenbestands bewußt schwärmen, den anderen Teil nutzen sie als Wirtschaftsvölker. Wie immer gibt es mehrere Wege mit bestimmten Aspekten des Bienenlebens umzugehen und sich an die natürlichen Vorgänge anzunähern.

Die industrielle Zucht der Honigbienen orientiert sich vor allem an der Vergangenheit, indem sie Vater- und Mutterlinien bildet und von einzelnen Zuchtköniginnen sehr viele Nachkommen bildet. Dabei wird ausschließlich nach bestimmten Eigenschaften selektiert, die in den expressionistischen Genen verankert sind. Die expressionistischen Gene jedoch machen nur etwa fünf bis zehn Prozent der gesamten Gene aus, die anderen Gene sind variabel. Dies ist die Chance für Lebewesen, variabel auf änderungen von äußeren Parametern zu reagieren. Zu Lebzeiten werden die Informationen über die Lebensumstände gesammelt und in die festen expressionistischen Gene niedergeschrieben und über das Erbgut weitergegeben zu werden.

In einer natürlichen Population von Bienen existieren sehr viele Schlösser (das sind die Wirte) und sehr viele Schlüssel (das sind die Pathogene). Bei der industriellen Zucht wird ein Schloss favorisiert und vervielfacht, während alle anderen Schlösser ausgetauscht werden. Die Folge ist, dass ein Pathogen zum Generallschlüssel für alle Schlösser werden kann und den gesamten Bestand der Wirte gefährdet.

In der naturnahen Imkerei ist es also wichtig, dass keine Vater-/Mutterlinien gebildet werden, sondern immer an erster Stelle die aus eigener Kraft überlebensfähigen Völker für die natürliche Vermehrung ausgewählt werden. Erst danach wird nach den gewünschten Eigenschaften wie Ertrag ausgewählt. Nicht einzelne Völker oder sogar einzelne Königinnen, sondern immer ein Spektrum von ganzen Völkern. Wichtig ist es, einen besonders vielfältigen Pool an Schlössern aufzubauen, so dass einzelne Schlüssel (Pathogene) nur vereinzelte Völker knacken können.

Im kommenden Jahr werden dann nicht die Zuchtstammbäume betrachtet, sondern einfach wiederholt die Überlebensfähigkeit und die guten Eigenschaften zur Selektion herangezogen, völlig unabhängig von der Geschichte des jeweiligen Volkes. Geschichte ist Geschichte, wichtig ist, was im Jetzt passiert. Auf diese Weise werden nicht Favoriten geklont, sondern ein Pool an vielfältigen Genen bewahrt. Drohnen statt klonen.

Vielfalt bedeutet nun nicht, dass Du verschiedene Arten von Apis mellifera durcheinander würfelst oder möglichst viele Bienen aus anderen Regionen importierst. Starte mit den Bienen, die bei Dir vor Ort schon da sind. Erweisen diese sich als nicht überlebensfähig, beginne erst dann mit anderen Bienen aus der nächsten Region. Beachte dabei, dass Du mit den Bienen immer auch Pathogene wie Varroen, Viren, Pilze und Bakterien in deine Region holst. Daher ist es besser, wenn Du versuchst in deiner Imkerei mit deinen Bienen zu arbeiten.

Der kanadische Forscher R.A. Robinson hat ein geeignetes Modell für die Zucht im Allgemeinen gefunden, mit dem Ziel völlig auf Pestizide verzichten zu können. Nicht bezogen auf Bienen, trotzdem sehr aufschlußreich. Das Buch Return to Resistance (Rückkehr zur Resistenzzucht, PDF) von Raoul A. Robinson ist frei zum Download erhältlich. (In Suchmaschine suchen&finden.)

Imkere naturnah!

 

 

 
   

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