Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Alle im Frühjahr anfallenden Arbeiten, z.B. Erweiterung, Einschätzung der Volksstärke
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Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon wonderfool » Mi 22. Apr 2015, 09:07

Hi,
mal wieder so eine wahrscheinlich etwas dämliche Anfängerfrage, die mich zur Zeit umtreibt.

Nachdem ich jetzt gefühlt 70% des weltweiten Warré Forumsmaterials durchgelesen habe, bin ich immer wieder über die Empfehlung gestolpert zunächst Zargen unter zu setzen und danach drauf zu setzen. Nach meinem noch etwas laienhaften Verständnis würde sich daraus also folgendes Vorgehen ergeben:
  • Erstes Jahr: die Bienen kommen und werden in zwei Zargen einlogiert, die sie ausbauen. Sollte sich ein Überschuss ergeben, setzt man eine dritte Zarge unter.
  • Zweites Jahr: Zu Beginn der Saison werden Zargen untergesetzt.
  • Drittes Jahr: Anders als vorher werden nun Zargen aufgesetzt, mit jeweils ein oder zwei Mittelwänden als Leiter.

Stimmt das so weit? Wie geht es dann weiter?

Was ich auch noch nicht ganz verstehe: Ich dachte gerade durch kontinuierliches Untersetzen vermeidet man die Bildung von "Schwarzen Schinken" in Honig oder Brutraum. Würde ich dann im nächsten Jahr wieder untersetzen oder ab dann nur aufsetzen? Muss ich dann irgendwann Waben ziehen oder irgendwie anders Bauerneuerung betreiben?

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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon zaunreiter » Mi 22. Apr 2015, 09:24

Alles ist möglich. Zu Beginn, wenn die Bienen kommen, solltest Du nur eine Zarge verwenden. Sobald diese ausgebaut wurde, eine weitere untersetzen. Wurde diese ausgebaut, noch eine untersetzen. Im ersten Jahr nur untersetzen.

Ab dem zweiten Jahr stehen Dir alle Möglichkeiten offen. Wenn Du eine Warré mit Stabilbau einsetzt und eine Schwarmimkerei betreiben willst - im Prinzip nach der Originalbetriebsweise vorgehen willst, dann einfach immer eine Zarge nach der anderen untersetzen. Zwei auf einmal ist zuviel des Guten. Also immer eine nach der anderen.

Wenn Du aufsetzt, dann auch immer eine nach der anderen. Das Aufsetzen mindert den Schwarmtrieb, wenn es frühzeitigst gemacht wird. (Mit Steighilfen in Form von zwei Waben oder Mittelwänden.)

Von Mischungen von Auf- und Untersetzen rate ich ab.

Wegen der Wabenhygiene brauchst Du dir keine Sorgen machen, das ergibt sich von alleine.

Gruß
Bernhard
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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon wonderfool » Mi 22. Apr 2015, 10:08

Hey Bernhard,
vielen Dank für die schnelle Antwort. In den meisten Quellen, die ich bis jetzt gesehen habe, wurde immer mit zwei Zargen gestartet. Ist das irgendwie problematisch? Würde mich sehr interessieren, warum du eine Zarge empfiehlst. Nicht das ich dein Vorgehen an der Stelle anzweifeln will, ich würde nur gerne verstehen, welche Überlegung dem zu Grunde liegt.

Die Sache mit der Wabenhygiene verstehe ich auch nicht so ganz. Wenn ich ab dem zweiten Jahr wirklich nur noch aufsetze, dann verbleiben doch immer die gleiche Waben im Brutraum. Renovieren die Bienen da irgendwie selbstständig?

Grüße,
Felix

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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon zaunreiter » Mi 22. Apr 2015, 10:17

Moin Felix,

wenn Du mit zwei Zargen startest, kann es passieren, daß die Königin sich an den Oberträgern in der Mitte aufhält und damit die Bautraube. Dann bauen sie nach oben und unten und das erfordert deinen Eingriff, weil Du die Bautraube dann nach oben verfrachten mußt. Sprich, die untere Zarge nach oben stellen. Alles Käse.

Außerdem beherrscht ein Schwarm eine einzelne Zarge viel besser, sie wird leichter gewärmt und die Zarge wird viel schneller ausgebaut.

Ein weiterer Effekt ist, daß die Waben in einer Zarge bald auf den Boden stoßen. Der Boden wird als solcher von den Bienen erkannt und die unteren Wabenenden werden abgerundet. Sobald die Wabenspitzen abgerundet bzw. geplättet sind, verbauen sie die Waben kaum noch an die neue, untergestellte Zarge. Wenn Du gleich mit zwei Zargen startest, wollen sie in den meisten Fällen auch die Zargen verbauen. Das macht die Handhabung bei der Bearbeitung der Völker ungleich schwieriger.

Wegen der Wabenhygiene mach' Dir keinen Kopf. Fange nicht mit dem Kopfimkern an, sondern laß die Sachen auch mal auf Dich zukommen. In der Praxis lernst Du wirklich, in der Theorie spielst Du nur rum und setzt Dir fixe Ideen in den Kopf, die nachher nur Probleme machen. Selbstgemachte Probleme sind das! Also: Machen kommt von tun.
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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon wonderfool » Mi 22. Apr 2015, 10:22

Hey Bernhard,
super, danke für die ausführliche und aufschlussreiche Antwort. Warte im Moment auf die ersten Bienen. Der perfekte Zeitpunkt also sich schon mal ein paar Probleme in den Kopf zu setzen :-)

Dann versuche ich mal, alles auf mich zukommen zu lassen.

Grüße,
Felix

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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon zaunreiter » Mi 22. Apr 2015, 10:36

Hier mal ein paar Beispiele:

Das sind ausgebaute Waben, die unten abgerundet und geplättet werden, wenn sie auf den Boden stoßen.

Bild

Bild

Bild

Gerade im Bau befindliche Waben haben spitz zulaufende untere Wabenenden.
Bild

Bild
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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon Rumpel » Mi 22. Apr 2015, 10:52

Uhhh... das letzte Bild ist meines. ;)
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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon zaunreiter » Mi 22. Apr 2015, 11:06

Nein, das bist nicht Du, das sind Waben. ;)

Das Bild stammt aus einem Stülper in der Lüneburger Heide - ich hatte berichtet.
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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon Rumpel » Mi 22. Apr 2015, 11:10

Das Bild stammt aus einem Stülper

OK, dann nicht meines sondern will auch haben.
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Re: Unter oder Aufsetzen: Die Sache mit den Erweiterungen

Beitragvon Rumpel » Mi 22. Apr 2015, 12:38

Aus den Sicht der Bienen: un-prima

Nicht wirklich, wenn es jemand probieren möchte, einfach mal an einem Oberträger einen Wabenstreifen dran lassen und diesen schärfen. ( Keilform)
In grösseren Bienenwohnungen ( Höhle) werden die immer so abgeschlossen, die finden sie zum weiter bauen Spitze.
LG. Jörn
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