Kondensatordach

Rund um das Dach des Warré-Bienenstocks, sowie dem Kissen.
Friedrich

Re: Kondensatordach

Beitragvon Friedrich » Do 31. Okt 2013, 15:00

Hallo Bernhard,
Deine Berechnung finde ich sehr überzeugend, vor allem die Beschaffung der Parameter !

Wenn schon 308 Bienen die Heizleistung von 20 W aufbringen können, dann können ca. 10.000 bzw. 20.000 Bienen das ca. 30-fache bis 60-fache dieser erforderlichen Heizleistung zumindest theoretisch -und sicher nur sehr kurzzeitig- aufbringen !!!!
Daraus lässt sich die enorme Regulierungs- bzw. Regelungspotenz des Biens erkennen.

Eine Schwäche der Berechnung ist allerdings, dass für den Transmissionswärmestrom eine durchschnittliche Beuten-Innentemperatur von 35°C angesetzt wurde ( analog zu Säugetierställen - aber Insekten in der Wintertraube ? ).
In Wahrheit ist ja nur im Inneren der Wintertraube die Temperatur so hoch. In der Beute besteht vom Zentrum zu den Außenwänden in Wahrheit ein erheblicher Temperaturgradient, wegen der Wabenflächen sogar je nach Winter- oder Sommeraufstellung sehr stark richtungsabhängig. Eine annähernde Temperaturgleichverteilung ist sicher nur während des Brutzeitraumes wegen der erhöhten Bienenaktivität und der damit verbundenen höheren Konvektionsströmung in der Beute anzunehmen. Das bedeutet, dass der Transmissionswärmestrom mit dieser Berechnung deutlich zu hoch bemessen wird.
Warré schreibt im Kapitel „Entstehung der Volksbeute“ auf Seite 58:
"Zu meinem großen Erstaunen habe ich in Folge festgestellt, dass die Bienen in den Beuten mit einfachen Wänden weniger Vorräte verbrauchten, wo sie allerdings stärker die Kälte des Winters verspürten. Das ist dennoch plausibel. In den Beuten mit einfachen Wänden werden die Bienen in Starre versetzt, sie sind wie in einem beständigen Schlaf. Nun, Schlaf ersetzt das Essen [franz. Sprichwort]. In den doppelwandigen Beuten sind die Bienen länger aktiv; sie benötigen Unterstützung. Die einfache Wand spart also Holz sowie Vorräte, bis zu 2 kg von November bis Februar. Ich habe auch schnell festgestellt, dass in dem mit Deckbrettchen oder Wachstuch abgedeckten Brutraum, das Wachs der Randwaben sich unter der Einwirkung der Feuchtigkeit schnell schwarz färbte und sogar verschimmelte. In den mit einfachem Tuch abgedeckten Bruträumen war es nicht so.“
Warré entdeckt offensichtlich, dass der Lüftungswärmestrom die größere Bedeutung hat. Das heißt: zuvörderst Wasser und Kohlendioxid müssen aus der Beute geschleust werden !!! weil sie zwangsweise mit der Heizleistung frei werden. Der ausreichende Luftwechsel ist entscheidend !!! Diesen regeln die Bienen je nach Bedarf durch Verpropolisierung des Deckktuches und im Sommer auch durch Ventilation.

Deine Berechnung bildet meines Erachtens die Verhältnisse des Biens im Brutzustand bei –10°C Außentemperatur ab.

Besten Gruß
Friedrich

Friedrich

Re: Kondensatordach

Beitragvon Friedrich » Do 31. Okt 2013, 15:31

PS.:
Wegen des günstigen Feuchte- und Lüftungswärmestromes und natürlich auch der geringen Wärmetransmission haben sich in der Vergangenheit die Stülper
(mit Lehm bzw. Kuhmist verstrichenes Strohgeflecht ermöglicht Diffusion des Wasserdampfes) außerordentlich und zeitüberdauernd bewährt.

Mit bestem Gruß
Friedrich

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Fr 1. Nov 2013, 01:35

Friedrich hat geschrieben:...eine durchschnittliche Beuten-Innentemperatur von 35°C angesetzt wurde


Ja, auch im Winter. Siehe: http://mietz.imkerforum.de/Bienen_im_Winter.html

Kerntemperatur ist Kerntemperatur. Auch schön zu sehen ist in dem Video die Auswirkungen eines offenen Gitterbodens. Die Bienen flüchten unter die Decke!

Friedrich hat geschrieben:...Deine Berechnung bildet meines Erachtens die Verhältnisse des Biens im Brutzustand bei –10°C Außentemperatur ab.


Also den März/April 2013! :lol:

In der Zwischenzeit habe ich mal ausgeholt, wegen der richtigen Belüftung und hier mal meine Gedanken bis hierher zusammengefasst. Ohne konkretes Ergebnis allerdings.

Siehe: http://www.immenfreunde.de/docs/Stockluft.pdf

Viele Grüße

Bernhard
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Rumpel » Fr 1. Nov 2013, 13:17

Hallo Bernhard,
Viel Arbeit hast du dir gemacht, meine Bewunderung ist dir sicher, wirklich ganz grosse klasse.
Wenn du jetzt noch Symbiose und Verschiebung der jahreszeitlich bedingten Dichte mit einbeziehst (Membrane)
Im Statischen Raum denke ich ist alles schon sehr aufschlussreich.
Spechthöhle stimmt schon ist nur falsch kommuniziert.
LG. Jörn
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Rumpel » Fr 1. Nov 2013, 15:12

Ja Kap Horn, es ist oft nicht so einfach.
Nehme einen noch lebenden Baum schau wie er in deiner Region funktioniert.
Vergleiche das was die Bienen tun mit dem Veränderungen der Jahreszeiten,
Ist eigentlich gar nicht so Schwer.
Ist aber nur auf noch lebende Bäume bezogen.
Gruss Jörn
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Rumpel » Fr 1. Nov 2013, 15:31

letztendlich geht es dann wohl um das Gewicht...

Nee alter Seebär um Bienen.
Gruss Jörn
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Re: Kondensatordach

Beitragvon stefanzo » Sa 2. Nov 2013, 01:29

Schlußendlich finden die Bienen in der Natur auch nicht immer die optimale Unterkunft, sondern wählen die beste vorhandene Möglichgkeit. Sie nutzen eben ihre Anpassungsfähigkeit. Vielleicht ist es gar nicht so optimal den Bienen sämtliche Probleme abzunehmen.
mfg stefanzo

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Re: Kondensatordach

Beitragvon Rumpel » Sa 2. Nov 2013, 05:09

Schlußendlich finden die Bienen in der Natur auch nicht immer die optimale Unterkunft, sondern wählen die beste vorhandene Möglichgkeit.

Warum ist das so?
Viele Grüsse Jörn
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Rumpel » Sa 2. Nov 2013, 06:17

Wer möchte? Stichwort: capillaris
Gruss Jörn
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Rumpel » Sa 2. Nov 2013, 09:06

Der Transpirationssog ist abgeschnitten, Tote Materie kann ihn nicht ersetzen. ( Symbiose )
Der Bien Muss sich anpassen.
Über dem Strohkorb, Wächst dann ein Zeidlerbaum.
Gruss Jörn
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