Kondensatordach

Rund um das Dach des Warré-Bienenstocks, sowie dem Kissen.
Himmel-Hund

Re: Kondensatordach

Beitragvon Himmel-Hund » So 14. Jul 2013, 09:43

Kaptain,

wenn Du im Sommer den Keller dauerlüftest, bekommst Du dann trockene Wände?
OK, der vergleich hinkt, solange Du keine Steinbeute verwenden willst.

Der Punkt ist der:
Die Wärme muß drinnen bleiben. So weit, wie irgend möglich.

Um Kondensation zu erzeugen, muß aber (u.a.) eine Oberfläche vorhanden sein, die kälter ist, als die umgebende Luft.
Dies ist aber nur dann der Fall, wenn an dieser Oberfläche die Wärme schneller (nach außen) abgeführt wird, als sie "nachgeliefert" wird.
Oder dann, wenn das Material dieser Grenzfläche sehr viel Wärme "schluckt", um auf die im Tagesverlauf höhere höhere Lufttemperatur zu kommen (s. Kellermauern). Dieser Fall wird bei Holz und Styropor jedoch kaum auftreten. 8-)
Außer im Winter - wenn die Beute zu groß bzw. die Volksstärke zu klein ist.

Um in einer Beute Kondensation zu erzeugen, muß also erst einmal Wärme verloren gehen. In nennenswerter Menge. :idea:
Und genau das muß verhindert werden...


LG André

P.S. Bei Deiner Murmelfolie tropft das nicht/ noch nicht/ nicht mehr gefrorene Wasser in der Wintertraube auf die Bienen...

Manfred

Re: Kondensatordach

Beitragvon Manfred » So 14. Jul 2013, 11:32

Grüß Euch,


Was die Völker in der Frühjahrsentwicklung entscheidend voran bringt, sind weniger die Temperaturmaxima, sondern die Spanne zwischen Tiefst- und Höchsttemperaturen. Unter günstigen Temperaturbedingungen erobert sich das Volk innen im Stock und außen im Flugkreis Terrain. - Vorratszellen werden entdeckelt, bei sinkenden Temperaturen zieht sich das Volk zusammen, der jetzt offene Vorrat zieht Wasser und wird in den Brutbereich reingetragen.

So gesehen, kann ich den Kondensator-Bastel-Überlegungen keinerlei praktischen Wert abgewinnen.

Herzliche Grüße Manfred

Himmel-Hund

Re: Kondensatordach

Beitragvon Himmel-Hund » So 14. Jul 2013, 12:25

Kap Horn hat geschrieben:...vor allem im Winter sollte erhalten bleiben!


Mindestens genau so wichtig ist das im Frühjahr!

Kap Horn hat geschrieben:Und nein, der Keller trocknet im Winter wenn die Luft wenig Feuchtigkeit enhält ( auf alle Fälle in Schweden). Im Sommer kondensiert sie warme Luft und der Keller wird feuchter.


Das ist nicht nur nur in Schweden so.

Kap Horn hat geschrieben:Rein physikalisch ist es allerdings so dass bei Kondensation Energie, sprich Wärme frei wird!

Es wird aber nur so lange Energie frei, bis die Oberfläche genau so warm ist, wie die umgebende Luft. Dann kondensiert nichts mehr. Unterm Strich bleibt also ein Energieverlust oder bestenfalls eine schwarze "Null", wenn etwas kondensiert.


LG André

Himmel-Hund

Re: Kondensatordach

Beitragvon Himmel-Hund » So 14. Jul 2013, 19:57

Kap Horn hat geschrieben:Es entsteht währenddessen die Kondensationswärme, die dem Gas zwar entzogen, aber auch gleich in die Veränderung investiert wird. Das bedeutet also rein energiemässig weder Gewinn noch Verlust. Oder sehe ich das auch verkehrt?


Die Kondensationswärme wird schon frei. (Beim Verdampfen/ Verdunsten würde sie in die Änderung des Aggregatzustands "investiert".)

Damit erwärmt sich die (kühlere) Kontaktfläche -> keine weitere Kondensation, bis wieder abgekühlt.

Du brauchst ein Wärmeleck, um mittels Kondensation Wärme freizusetzen, die dann wieder nach außen "leckt"...

Und Wärmelecks wollen wir nicht, also gibt's auch keine Kondensation. :lol:


LG André

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Mi 30. Okt 2013, 12:10

Was man für andere Nutztiere kann, muß doch auch für den Bien gehen.

Auf dieser Grundlage:
http://www.ael-online.de/inhalt/fachinf ... heft17.pdf

...sollte es doch möglich sein, eine Kohlendioxid- und Wasserdampfbilanz aufzustellen und daraus folgend das notwendige Belüftungsvolumen und die Dämmung zu errechnen.

Würde mich freuen, wenn wir so eine Berechnung mal aufstellen könnten. Fachkundige vor!

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Friedrich

Re: Kondensatordach

Beitragvon Friedrich » Mi 30. Okt 2013, 15:11

Hallo Bernhard,

Deine Anregung ist hervorragend. Ich fürchte aber, das Projekt wird am Mangel der dafür erforderlichen Stoffwechsel- und Wärmeabgabe-Parameter der Bienen scheitern. Grundsätzlich kann man aber wie in der vorliegenden Berechnungsgrundlage vorgehen, wenn man von folgenden veränderten Prämissen ausgeht:

Grundsätzlich soll die Wärmedämmung der raumumschließenden Beuten-Bauteile bei dem vorhandenen Bienenbesatz sowie bei der vorherrschenden Beutenlufttemperatur und der unterstellten Außenlufttemperatur so bemessen sein, dass die Wärmeabgabe der Bienen den Transmissons- und Lüftungswärmestrom der Beute ausgleicht.

Im Gegensatz zum Tierstall sorgen die Bienen aber selbst (wenn man sie lässt) für die Größe des Lüftungswärmestromes der Beute. In der Regel behindert der Imker sie daran (ein luftdichter Abschluss der Beute nach oben unterbindet weitgehend die Regelungsmöglichkeit des Lüftungswärmestromes – Folge: Kondenswasser wegen Taupunktsunterschreitung)

Die Bienen sorgen in der Beute selbst für eine ausgeglichene Wärmebilanz und Stoffbilanz, so dass stets die Summe des Lüftungswärmestroms und des Transmissionswärmestroms nicht größer wird als der Wärmestrom, der durch die Bienen selbst erzeugt wird.

Der erforderliche Lüftungsmassenstrom, den eine Beute stets gewährleisten sollte, ist mit Hilfe der Wasserdampf- und der Kohlendioxidbilanz zu berechnen. Für diese Berechnungen sind die Wasserdampf-, Kohlendioxid- und Wärmeabgabe der Einzelbiene in Abhängigkeit von der Beutentemperatur ( ausreichende Futtergrundlage wird als konstant gegeben angenommen ) sowie die Gesamtzahl der Bienen zugrunde zu legen (ähnlich der Tabellen für die Stalltiere in den Berechnungsgrundlagen).

Mit bestem Gruß
Friedrich

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Mi 30. Okt 2013, 17:01

Zu spät - hab es schon durchgerechnet! :D Parameter sind bekannt, kein Problem. Kommt sogar ein plausibles Ergebnis raus. Ich stelle die Ergebnisse zusammen.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Do 31. Okt 2013, 02:18

Hier die Berechnungen zur Wärmebilanz im Bienenstock. Ich fand es aufschlußreich.

http://www.immenfreunde.de/docs/Stockklima.pdf
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Hainlaeufer
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Hainlaeufer » Do 31. Okt 2013, 10:49

Wow! Meinen tiefsten Respekt!
Sehr interessant!

Bin schon gespannt wie du das Thema Belüftung angehen wirst ;). Für mich ist es nun klar, dass ein Gitterboden auf jeden Fall im Winter nicht Bienfreundlich ist. Das werde ich nächstes Jahr versuchen zu lindern.

LG

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Re: Kondensatordach

Beitragvon stefanzo » Do 31. Okt 2013, 11:31

Danke Bernhard, tolle Arbeit!
Ich sehe dies als weiteren Beweis für das original Warre Dach mit Kissenzarge. Die Bienen können dank dem Abdecktuch den Luftstrom selbst regeln. Ja unser Warre hat sich wirklich etwas gedacht bei der Klimatisierung seiner Volksbeute.
mfg stefanzo


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