Kondensatordach

Rund um das Dach des Warré-Bienenstocks, sowie dem Kissen.
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zaunreiter
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Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Mo 27. Feb 2012, 13:48

Status: Experimentell.

Nach der Anregung durch die Diskussion über Kondensation und Luftfeuchte, siehe hier: viewtopic.php?f=31&t=325


...und der Konstruktion nach John M. aus Kanada hier: viewtopic.php?f=6&t=345&start=0


...habe ich folgendes multifunktionales Kondensatordachkissen für Warrébeuten (mKDKfWb :P ) gebaut.

Der Grundaufbau ist wie ein Warrékissen - vier Brettchen, zwei mit Außenlänge in Abhängigkeit von der Brettstärke der Beute und zwei mit 30 cm. Die Brettchen sind etwa 10 cm hoch.
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Mit 1 cm Abstand (bee space, Bienenabstand) vom unteren Rand wird ein Schlitz angezeichnet - etwa 1 cm breit. Der Bienenabstand soll dafür sorgen, daß das Kissen nicht verbaut wird. Außerdem ist so überkopf etwas Platz, so daß die Luft später in das Kondensatorkissen einziehen kann.
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Schlitze reinsägen:
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Und ausstemmen:
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Das waren die kurzen Seiten (30cm). Bei den langen Seiten ist der Schlitz nicht durchgehend:
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In diese Schlitze kommt später das Bodenbrett - hier angedeutet mit einem abgeschnittenen Stück.
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Die Bodenplatte (etwas größer als 30 x 30 cm) bekommt in der Mitte einen 1 cm breiten Schlitz. Dadurch sollen später Luft und Bienen in den "Kondensator" aufsteigen können.
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So liegt der Schlitz über den Oberträgern auf - die Luft kann aus allen Wabengassen nach oben steigen.
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Die Bodenplatte wird in die Schlitze eingelassen und wird dadurch mit allen vier Seitenteilen eingerahmt:
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Der Schlitz in der Mitte wird eingerahmt mit zwei weiteren, eingepaßten Brettchen. Die Brettchen sind oben angeflacht, damit heruntertropfendes Wasser in das Sammelbecken rechts und links tropft - und nicht ins Volk.
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So sieht das fertige Kondensatordachkissen aus. So ist es korrekt aufgelegt. Es fehlt nur noch der Anstrich mit Propolis oder Harz zur Abdichtung.
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Hier das KDK von unten - zu sehen der Bienenabstand:
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Multifunktionalität: Nicht nur, daß das KDK als Futterzarge zu verwenden ist, es kann sogar als Bienenflucht verwendet werden - einfach umgedreht zwischen die Zargen stellen. Eventuell muß der Schlitz noch eingeengt werden. Ich versuche es erstmal so.
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Hintergrund
Die Klima-Eigenschaften wurden hier theoretisch betrachtet:
viewtopic.php?f=6&t=345#p3027

Die Prinzipien des originalen Warrédaches+Kissen sind bewahrt: räumliche Trennung von Dachhaut und Beutenkörper zur Vermeidung von Resonanz bei Trommelregen/Hitzestau, Einfachheit, Pufferung des Beutenklimas durch Aufnahme überschüssiger Feuchte, Einfachheit der Konstruktion, kostengünstig.

Vorteile gegenüber Originaldach:
1) Sehr viel einfacher zu konstruieren. In 15-20 Minuten ist das KDK gebaut.
2) Stapelbar (Wichtig für Wanderung oder Lagerung.)
3) Leichter (Besser zu handhaben.)
4) Erfüllt Pufferfunktion sicherer unter einer größeren Temperaturspanne. Vor allem im Winter bei Temperaturen unter -10°C. (siehe: viewtopic.php?f=6&t=345&start=0)
5) Der Bau der Futterzarge und der Bienenflucht ist damit erledigt. => Zeit- und Kostenersparnis. Keine Lagerung von Bienenflucht und Futterzarge.

Nachteile: ? Noch herauszufinden. ?

Sommerbetrieb
Das KDK wird im Sommer mit einem Blechdach abgedeckt. Am Blech bildet sich sicher Kondenswasser aus der Raumluft heraus. Die Raumluft wird dadurch trockener, das Kondenswasser steht im Kondensatorkissen als Bienentränke den Bienen zur Verfügung. (Zur Herstellung von Futtersaft, Kühlung, oder ähnlich.) Eventuell kann oben noch eine Steinplatte aufgelegt werden, zur Kühlung des Bleches und dadurch zur besseren Kondensatbildung. (Standort im Schatten.)

Winterbetrieb
Im Winter ab Temperaturen unter 0°C wird eine Weichfaserholzdämmplatte in der Stärke von 4 cm aufgelegt, am besten mit Alufolie an der unteren Seite beklebt. So wird gerade bei Temperaturen unter -10°C die Beutenluft sicher entfeuchtet.

Das KDK gefällt mir vom ersten Eindruck her gut.

Gruß
Bernhard
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Re: Kondensatordach

Beitragvon kaibee » Mo 27. Feb 2012, 14:28

Interssant! Gute Bauanleitung.
Wird das KDK im Sommer nicht mit Waben zugebaut? Oder kommt Dämmmaterial rein?

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Mo 27. Feb 2012, 14:49

Da bin ich noch etwas unschlüssig. Die Bienen sollen ja Zugang haben, aber nicht reinbauen.

Ich habe mir überlegt, daß ich ein Propolisgitter auflege, darauf das KDK. Im Gitter dann ein Schlupfloch für die Bienen. Das habe ich schon mit der originalen Futterzarge so in Anwendung gehabt. Allerdings nur gegen Herbst, da bauen die aber sowieso nicht.

Ob sie darin Waben bauen, muß noch getestet werden.

Gruß
Bernhard
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Re: Kondensatordach

Beitragvon Manuel » Mo 27. Feb 2012, 16:46

Würde vielleicht durch zwei Schlitze, jeweils an den Ränder eher eine Zirkulation entstehen ? Die Abdeckplatte mit einer leichten Neigung nach Norden?

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Mo 27. Feb 2012, 17:27

Eine Zirkulation bestimmt - die ist aber nicht unbedingt gewollt. Sondern lediglich, daß die mit Wasser gesättigte Luft nach oben steigt und das Wasser dort am Blech kondensiert. Normalerweise müßte dazu die Stockwärme ausreichend sein, um die Luft dort einströmen zu lassen.

Erste theoretische Bedenken: Zwei Schlitze verkomplizieren den Bau. Außerdem besteht bei seitlichen Schlitze die Gefahr, daß der Wasserdampf schon vor den Schlitzen kondensiert, da die Luft nahe der Außenwand entlang geführt wird. Da ist es standesgemäß kühler, als in der Beutenmitte, wo die Bienentraube sitzt.

Versuch macht kluch! :P

Bernhard
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Re: Kondensatordach

Beitragvon tino » Mi 29. Feb 2012, 22:08

Es ist immer wieder interessant, Bernhard, deine Gedanken mitverfolgen zu dürfen !
Ich könnte mir aber vorstellen, das die mit dem Wasserdampf aufsteigende (von den Bienen erzeugte...)Wärme nicht so gut
für die Bienen ist (Nestduftwärmebindung),ich denke diesen Wärmeverlust müssen die Bienen ja wieder ersetzen?
Habe auch eine Idee dazu , falls sich kein anderer experimentierfreudiger Imker findet, werde ich es selbst mal probieren.
Es gibt doch jetzt die wunderbaren Lehmbauplatten......
Und die ( baubiologischen-physikalischen ) Eigenschaften des Lehms sind eigentlich sehr überdenkenswert für die Verwendung im Beutenbau. Besonders hinsichtlich Feuchteregulation, Holzkonservation und nicht zuletzt seiner Schadstoffbindefähigkeit !
Also Bernhard, kennst du nicht einen erfahrenen ,experimentierfreudigen Imker..... ;) ?
Ein Link zumThemahttp://www.baunetz-naturbaustoffe.de/Lehmbaustoffe/1167.php. Falls ich das mit dem Link nicht richtig hinbekommen habe, einfach mal nach "Lehm und seine Eigenschaften" und "baunetz- naturbaustoffe suchen.

Gruß
Tino

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Re: Kondensatordach

Beitragvon reichswaldimker » Mi 29. Feb 2012, 23:29

tino
Das mit den Lehmbauplatten, probiere ich mal. Der Stoffbezug beim Kissen macht mich nicht unbedingt glücklich.

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Re: Kondensatordach

Beitragvon tino » Di 20. Mär 2012, 22:36

@reichswaldimker
Ich werde mir auch was dazu einfallen lassen. Warre selbst bestärkt mich hierzu noch.Zitat:"...Die besten Wände sind die des alten Strohkorbes oder der Korbweide, die mit einem Lehmputz bedeckt ist."...)usw. (Seite 57.)Nun, ich denke wenn er damals Lehmbauplatten gekannt hätte... Aber diese haben natürlich ihren Preis und nicht zuletzt-ihr Gewicht. Das muß man bedenken.
Tino

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Re: Kondensatordach

Beitragvon kaibee » Fr 6. Jul 2012, 14:14

Bitte um Statusbericht!
Was ist nun oben im Kondensatordach? Kissenfüllung oder leer? Gehen Bienen regelmäßig hoch? Bauen sie oben im Dach Waben?

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Re: Kondensatordach

Beitragvon zaunreiter » Fr 6. Jul 2012, 14:45

Das Dach ist leer - soll ja auch so sein, damit ausfallende Feuchtigkeit von den Bienen aufgenommen werden kann - Stocktränke.

Ein paar einzelne Bienen sind immer drin.

Keine Waben.

Wassertropfen bilden sich am Blechdach, zu einer Überschwemmung ist es nicht gekommen. (Winter abwarten.)

Es bildete sich Feuchtigkeit zwischen Deckel und Holz, also dem Rand des Kissens. Ich habe dann auch die oberen Seiten der Ränder mit Schellack bestrichen. Seither ist es dort trocken. Mir gefällt dieser Innendeckel gut. Zumal er so vielseitig einzusetzen ist. Gefüttert habe ich schon damit - geht. Als Bienenflucht werde ich ihn am Wochenende das erste Mal einsetzen, aber ich sehe keinen Grund, weshalb das nicht funktionieren sollte. Dazu werde ich den Innendeckel einfach umdrehen und den Spalt bis auf ein Schlupfloch abdecken. Die Bienen können sich dann in dem darunter gebildeten Raum versammeln und die obere Zarge verlassen.

Viele Grüße
Bernhard
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