Kondensation, Futtersaft und Varroa

obi11
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon obi11 » Fr 20. Jan 2012, 12:08

Hallo Michael,
in der Regel wird der Feuchteaustausch über das Holz gering sein bzw. die Größe haben, die der Bien bestimmt. Denn die Wände sind oft propolisiert und großflächig werden die Holzflächen egal ob im Baumstamm oder in der Beute nicht mehr vorhanden sein. Das hat wohl auch damit zu tu das Bienen Meister in der Nutzung von Ressourcen sind und neben der Regelung der Luftfeuchte im Stock die Oberfläche klein halten um die Flächen für den Wärmeaustausch zu verringern( so jedenfalls die Theorie für unsere Beuten im hohlen Baumstamm sind die Wärmeverluste durch die vergrößerten Oberfläche wohl noch extremer und da gilt es obendrein den Fäulnisprozess zu stoppen).
Ich hab den Satz von Bernhard nicht ohne Grund zitiert, denn zu Beginn meiner Entscheidungsfindung mit welcher Form der Bienenhaltung ich in die Zukunft sehen will hab ich neben dem Buch von Warré auch den bericht von Bernhard gelesen und wie immer les ich nicht ohne mir eigene Gedanken zu dem Thema zu machen. Das Geschriebene muss schlüssig sein und für mich nachvollziehbar sein und einen Sinn ergeben.
Es gibt sie die freilebenden oder auch die verwilderten Völker, die ohne imkerliches Zutun trotz der Varroa überleben und da gilt es zu ergründen warum diese überleben können.
Ich bin da bei Dir wenn Du sagst die Beute und die Zellengröße können kein entscheidener Faktor sein, weil mehrfach Berichte über verlassene Stöcke zu finden sind und ich glaube nicht das das alles kleinzellige Versuchsstöcke waren. Auch las ich einmal einen Bericht über einen künstlichen Bienenwald, sprich jemand stellte hohle Baumstämme auf ohne diese zu beimkern. Das soll über Jahre erfolgreich gewesen sein. Gescheitert ist es vermutlich aus den hier schon genannten Gründen. Die Bienendichte hat irgendwann eine Schwelle überschritten an der die Völker kapitulieren mussten. Vielleicht müssen wir aufhören den einzelnen Bien als autonom anzusehen und die Anzahl der Völker an einem Standort in die Schadwellenberechnung mit einzubeziehen.

LG
Andreas

m4fish
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon m4fish » Fr 20. Jan 2012, 14:49

Hallo Andreas,
ich glaube auch, dass eine zu hohe Bienendichte (schon aus dem Grund der Übertragung von Krankheiten und Parasiten) problematisch ist.
In meiner Gegend wird der Rückgang von Krankheiten mit der Selektion in Verbindung gebracht. Aber vielleicht ist der Grund auch darin zu suchen, dass in in den letzten Jahren die Völkerdichte extrem zurückgegangen ist, die Imker zu alt zum Wander geworden sind.
Viele Völker können zwar auf einem großen Rapsfeld stehen, aber was passiert in den Zeiten zwischen oder nach einer großen Tracht? Reicht dann das Angebot an natürlichem Futter?
Pollen und Futterangebot muss an die Anzahl der Bienen angepasst sein, bzw. wilde Bienenvölker würden sich an diese Bedingungen anpassen. Bei nicht domestizierten Tieren kann man beobachten was passiert, wenn zu viele Individuen um eine Futterquelle konkurrieren. Vielleicht ist dann nicht das Wasser sondern Pollen/Nektarmangel das Problem.
Prof. Tautz beschreibt wie viel Energie allein die Heizerbienen verbrauchen, die sehr wichtig für die Brutpflege sind. Woher sollen die, die Energie nehmen wenn nach der Tracht der komplette Honig abgeerntet wird? Ich denke, dass das wesentliche Ursache für den Stress der Völker ist, die dann auch anfälliger für Parasiten und Krankheiten sind. Auch an diesem Komplex können wir sehen, wie wenig wir über die Funktion in einem Superorganismus wie dem Bien wissen.
LG Michael

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zaunreiter
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » So 22. Jan 2012, 02:09

Dissertation über Luftfeuchtigkeit im Bienenstock:
http://upetd.up.ac.za/thesis/submitted/ ... tation.pdf

Ellis hat hier eine saubere Arbeit geliefert, wenn auch nicht unter dem Gesichtspunkt der Kondesation. Er hat jedoch beobachtet, daß Bienen Kondensationswasser im Bienenstock nutzen.

Spannend: Bei einem wilden Bienenvolk (Baumhöhle) fand er eine relative Luftfeuchtigkeit von 75 % bei unter 20mB.

Dazu: Varroa überlebt eine rel. Luftfeuchtigkeit über 80 % nicht, bzw. pflanzt sich nicht fort. (!)

Eine hohe Luftfeuchte ist notwendig, damit die Bienenbrut sich überhaupt entwickeln kann. Siehe Inkubator.


Alte schwarze Waben halten 11 % ihres Gewichtes in Wasser! Neue Waben (einmal bebrütet) halten dagegen nur 3 %. Da die alten Waben das Wasser auch wieder abgeben, funktionieren sie wie ein Pufferspeicher und wirken regulierend auf die Luftfeuchte im Bienenstock.

Ich frage mich gerade, wie es innerhalb der Zellen aussieht. Wenn ich es richtig verstanden habe, herrscht hier andere Luftfeuchtigkeit in den Zellen als außerhalb.

Ob es Unterschiede in der Luftfeuchte in kleinen und großen Zellen gibt?

Gruß
Bernhard
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon viennapis » So 22. Jan 2012, 10:46

zaunreiter hat geschrieben:
Spannend: Bei einem wilden Bienenvolk (Baumhöhle) fand er eine relative Luftfeuchtigkeit von 75 % bei unter 20mB.

Dazu: Varroa überlebt eine rel. Luftfeuchtigkeit über 80 % nicht, bzw. pflanzt sich nicht fort. (!)


HAllo Bernhard!
Was würde eine zeitweilig künstliche Erhöhung der Luftfeuchtigkeit im Bienenstöck bewirken, wie lange müsste man das durchführen bis die Varroa zugrunde geht oder unfruchtbar wird?

Ganz neu für mich ist Aufnahmefähigkeit dunkler Waben, sie sind hernach besser als ihr Ruf.
Gruß Geri

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon kaibee » Sa 28. Jan 2012, 13:59

Zum Thema Luftfeuchtigkeit in Beuten:
Bee cool ventilators

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Mo 6. Feb 2012, 16:38

Siehe auch: viewtopic.php?f=6&t=345

Gruß
Bernhard
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Mo 6. Feb 2012, 16:48

Kleine Informationssammlung zum Wasser im Bienenstock: http://immenfreunde.de/BienenWasser.pdf

Gruß
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Mo 6. Feb 2012, 23:49

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon viennapis » Di 7. Feb 2012, 11:11

Hallo Bernhard, das liest sich echt gut!
Hast du das schon mal im Winter in Einsatz gesehen oder verwendest du die Kondensathaube selber? Dass sich der Schlauch außerhalb des Bienenstockes nicht mit gefrierendem Wasser verlegt kann ich mir zwar nicht so richtig vorstellen, aber es wird schon stimmen, das wurde sicher getestet.

Mein Englisch ist nicht besonders gut, habe mir die Seite übersetzt.
Worauf ich keine Antwort fand, Produzieren die diese Hauben für alle Zargengrößen?
Falls dort mehrere von euch bestellen wollen, sagt mir Bescheid, ich mache sicher mit!
Gruß Geri

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Di 7. Feb 2012, 17:46

Also ich habe diese Haube noch nicht im Einsatz gesehen und werde sie wohl auch nicht einsetzen. (Zu umständlich?) Ich neige eher zu einer Modifikation der von John aus Kanada vorgestellten Zarge als Vielzweckzarge. Futterzarge + Bienenflucht + Bienentränke/Luftentfeuchter in einem. Zumal die Prinzipien von Warré bewahrt bleiben, was die Trennung von Dach und Beutenkörper (Isolierung von Wärme, Schall und Feuchtigkeit) betrifft.

Gruß
Bernhard
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