Kondensation, Futtersaft und Varroa

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zaunreiter
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Mo 21. Jan 2013, 00:53

Der Stockgeruch.

Jedes Volk besitzt seine spezifische Geruchsausströmung; denn wo durch Reibung der gegensätzlichen Elemente von Innen- und Außennatur Wärme produziert wird, macht sich die Ausdünstung gasförmiger, verbrauchter Stoffe bemerkbar. Hierbei ist der Charakter und Zusammensetzung der Ausdünstung oder der entströmenden Gasarten von der jeweiligen Anlage des betreffenden Organismus Bedingung. Es gibt deshalb so viele Stockgerüche als Bienenvölker existieren. Der Gesamtstockgeruch eines Biens verteilt natürlich die Zusammensetzung der Ausdünstungsprodukte der gesamten ausdünstenden Bienenstockteile. Demgemäß setzt sich der Stockgeruch aus folgenden Gerüchen zusammen:

1.Dem Königingeruche.
2.Dem Bienengeruche.
3.Dem Familiengeruche.
4.Dem Brutgeruch.
5.Dem Futtersaftgeruch.
6.Dem Drohnengeruch.
7.Dem Honiggeruch.
8.Dem Wachsgeruch.

Allseitig erfasst, repräsentiert der Stockgeruch infolge seiner Zusammensetzung eine Art Verbindungsglied innerhalb des Biens als Einheit. Um die Einheit zu vervollständigen, besitzen die Bienen scharfausgeprägte und empfindliche Geruchsorgane. Vererbt kann aber der Stockgeruch an und für sich nicht werden, weil er nicht bloß Familiengeruch, sondern auch das Produkt der gesamten Bienenteile ist und bei der Fortpflanzung des Biens durch Teilung naturnotwendig eine andere Zusammensetzung erhalten muß.

Überhaupt veranlassen von außen einwirkende Reize, wie gute Tracht, Fütterung, langes Innensitzen infolge kühler Temperatur oder Revisionen, stete Trennungen und Veränderungen am Stockgeruche, da in solchen Fällen neue Teile oder Gasarten eingefügt und alte ausgeführt werden. Um Reize dieser Art zu überwinden oder, was dasselbe ist, zum Nutzen des Ganzen zu verwerten, besitzen die Bienen ein höchstoriginelles Mittel; es ist die Lebensäußerung des Fächelns oder Sterzelns.

Wir haben oben bemerkt, daß der Stockgeruch das Verbindungsglied der Bienenstockteile darstelle, denn das Erkennen der Bienen eines Volkes untereinander ist hauptsächlich vom Anpassen des Geruchssinns an das Einheits- bzw. Ruhegefühl abhängig. Weil aber der Stockgeruch den Einzelwesen nur soweit anhaftet, als sie selbst den Teil dazu liefern, so reagiert die Biene nur dann auf fremde Eindringlinge, wenn sie ihre Zugehörigkeit zum Ganzen fühlt, was nur daheim im Stocke möglich ist. In genügender Entfernung von dem Heim sticht auch daher die Biene nicht.
Das Erkennen der Bienen eines Stockes untereinander spielt in der Pflege der Bienen eine wichtige Rolle. Beim Vereinigen von Völkern, Königinnen zusetzen, repräsentieren die Sinnesaktionen des Geruchs wie überhaupt im ganzen Bienenleben ein wichtiges Bindeglied der ununterbrochenen Kette der Erscheinungen.

Während der lüsterne Räuber heftig angegriffen wird, wenn sich der Stock bei trachtloser Zeit in Ruhe befindet und die Bienen dann Stockfremde rasch erkennen, gewähren sie dagegen bei guter Tracht oder einem Vorspiele selbst fremden Bienen Einlaß, insofern dieselben einen gefüllten Honigränzel haben. Eine Vereinigung gelingt daher am besten, wenn die Bienen satt sind und mit Fächeln eine Veränderung des Stockgeruches herbeiführen.

aus: http://www.immenfreunde.de/docs/ImkLebens.pdf (Extra für euch abgetippt. ;) )
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Do 7. Feb 2013, 15:47

Studie über den Wasserhaushalt der Honigbiene
http://jeb.biologists.org/content/212/3/429.full.pdf
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon KMP » Do 7. Feb 2013, 17:35

Interessanter Artikel.

"Note that uncapped honey is hygroscopic and absorbs water, so can be both a sink and source of water in the nest."

Ob die Bienen im Winter Honigzellen entdeckeln, um Wasser aus der feuchten Luft im Bienenstock heraus zu holen (und wiederverwenden)?
-K
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Di 11. Jun 2013, 10:13

Benötige Unterstützung bei der Suche nach diesem Artikel:

Die Eindickung des Nektars bei der Honigbiene
Dr. Brünnich

Hier gibt es nur die erste Seite:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... x/abstract

Kann den jemand von euch ausfindig machen?
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Di 11. Jun 2013, 10:55

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon foobar » Di 11. Jun 2013, 11:06

Hallo Bernhard,

ja der Text ist wohl nirgends online frei verfügbar.
Die Staatsbibliothek Berlin hat die Zeitschrift, habe aber keinen gültigen Ausweis zur Zeit,
müsste mir einen Monatsausweis für 10 Euro holen. Aber vielleicht haben wir ja hier Studenten,
welche Dir den Artikel mal ab fotographieren können.

Gruß Jan

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon kaibee » Di 11. Jun 2013, 11:19

Hast ne mail, Bernhard...

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Di 11. Jun 2013, 12:02

Also meine Lieblingshypothese ist, daß die Ammenbienen den Nektar dadurch verdicken, indem sie das Wasser entziehen und dasselbe für die Produktion von Gelée Royal und Futtersaft verwenden.

(Weswegen zu wenig offene, junge Brut = zu viel überschüssiges Wasser = auch zum Schwarm führt?)

Danke Kai! Die Bilder der sezierten Drüsen - einmal mit Zuckerfütterung im Vergleich zu Honig+Pollenfütterung - sprechen mehr als tausend Worte!

Gruß
Bernhard
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Di 11. Jun 2013, 13:42

Hier mal als Auszug der obigen Arbeit.

Kein Unterschied bei der Hinterkopfdrüse.
Bild

Deutliche Unterschiede bei der Pharynxdrüse!
Bild

Negative Effekte der Zuckerfütterung bei Pollenmangel sind daher über die Pharynxdrüse zu erwarten. Und die hat welche Funktion?! ;). (Futtersaftdrüse.)
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon sleipnir » Do 13. Jun 2013, 08:43

Ok, die Bilder sind eindeutig.

gruß

bernhard
Die kleinste Tat ist besser
als der größte Vorsatz.


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