Kondensation, Futtersaft und Varroa

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zaunreiter
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Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Mi 18. Jan 2012, 00:11

Ich habe mich stets gefragt, weshalb die wilden Bienenvölker in den Baumhöhlen in Frankreich, USA, ... die Varroa jahrelang überleben. Und warum sie, sobald sie in Bienenbeuten transferiert werden, dort an der Varroa eingehen.

Das muß ja etwas mit der Beute oder den imkerlichen Eingriffen zu tun haben. (Oder beides.)

Jetzt habe ich das Buch "Constructive Beekeeping" von Clark erneut und immer wieder gelesen.

> http://www.archive.org/details/cu31924003100306

Dort geht es um die Rolle von Kondensation - im Gegensatz zur Verdunstung. Und der Rolle der Kondensation für die Bienen.

Hier wurde ein interessanter Zusammenhang erwähnt: Die Bienen nutzen (kondensiertes) Wasser, um mit Bienenbrot vermengt daraus Futtersaft herzustellen.

Es grenzt an Schwachsinn, das über den Nektar hereingetragene Wasser umständlich zu verdunsten und außer Haus zu schaffen - um dann Wasser von draußen wieder hereinzuholen, um daraus Futtersaft herzustellen.

Es erscheint sinnvoller und effizienter, wenn das Wasser nicht verdunstet, sondern forciert kondensiert wird. Das Wasser wird dann direkt wieder verfügbar für die Futtersaftherstellung.

Hier die Verbindung zur Varroa: In Zeiten hoher Ventilation (durch den Imker/die Beute) und Verdunstungsraten dürfte das Wasser Mangelware werden. Dann müssen mehr Bienen Wasser von draußen holen. Wenn sie aufgrund der Tracht oder der Winterauffütterung (sic!) dazu aber keine Lust haben/abgelenkt werden, kann das zu einer Unterversorgung der Brut mit Futtersaft führen. Mit den beschriebenen Folgen bezüglich der Entwicklung der Varroapopulation! Die Vermehrungsrate der Milbe pro Brutzyklus kann durch den Gewinn eines Tages mehr Zeit (durch wenig Futtersaft) stark ansteigen. In zwei Tagen von 1,7 auf 3 oder sogar 4.

Die (möglichen) Zusammenhänge sind bestechend! Und sollten weiter untersucht werden.

Mehr zum Imkerforumtreffen.

Bernhard
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sleipnir
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon sleipnir » Mi 18. Jan 2012, 16:21

hm dann hätte Warmbau doch seinen Grund.....

gruß

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zaunreiter
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Mi 18. Jan 2012, 17:54

In dem Zusammenhang wohl kaum?

Die Parameter, welche die Kondensation vs. Verdunstung beeinflussen sind:

1. Temperatur.
2. Windrichtung und -stärke.
3. Luftfeuchtigkeit.
4. Verdunstungsrate.
5. Anzahl Sonnenstunden. /Aufstellung in Schatten/Sonne
6. Luftdruck.
7. Anzahl der Bienen/Volksstärke.
8. Fruchtbarkeit der Königin.
9. Brutfläche.
10. Fluglochgröße.
11. Konstruktion der Beute. (Eine, zwei Zargen, undichter Deckel etc.)
13. Tracht. / Zuckerfütterung.
15. Wassergehalt des Nektars.

Ich glaube eher, daß die Dicke der Wand und deren Isolationswirkung, die Dichtigkeit des Deckels, sowie andere Voraussetzungen der Konstruktion eine Rolle spielen.

Das beste Beispiel, wie Kondensat an den Wänden gewonnen werden kann, sind doch unsere modernen Häuser. Dämmung (dickes Holz) plus Wasserdampfsperre innen (entspricht Propolis?) = Kondensat. Im Haus gibt es dann Schimmel, weil es da keine Bienen gibt, die das Wasser für die Futtersaftbereitung sammeln.

Gruß
Bernhard
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon sleipnir » Mi 18. Jan 2012, 18:25

also ich habe das Buch nicht gelesen, ich stimme mit Dir auch völlig überein.
Ich meine mit Warmbau, wenn die Bienenwohungen geschlossene Böden haben und die Waben quer zum Flugloch gebaut sind, wird tendenziell mehr Feuchtigkeit im Bienenhaus auftreten.
Das heißt vom prinzip höhere Temperatur (1.Punkt), weniger Durchlüftung (2.Punkt). Durch höhere Temperatur ist folglich die Luftfeuchtigkeit(3.Punkt) auch höher.
Und durch weniger Durchlüftung wird auch die Verdunstungsrate (4.Punkt) niedriger.

Oder hab ich da was falsch verstanden :?

gruß

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Mi 18. Jan 2012, 20:08

Da stimme ich zu. Korrekt.

Gruß
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon viennapis » Mi 18. Jan 2012, 22:14

Für diesen Zweck scheinen Abdeckfolien vorteilhaft zu sein. Darunter sammeln sich die Wassertropfen. Aber bei der Warre :?:

zaunreiter hat geschrieben:
Dort geht es um die Rolle von Kondensation - im Gegensatz zur Verdunstung. Und der Rolle der Kondensation für die Bienen.

Hier wurde ein interessanter Zusammenhang erwähnt: Die Bienen nutzen (kondensiertes) Wasser, um mit Bienenbrot vermengt daraus Futtersaft herzustellen.
Gruß Geri

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon m4fish » Mi 18. Jan 2012, 22:49

Ich habe mich stets gefragt, weshalb die wilden Bienenvölker in den Baumhöhlen in Frankreich, USA, ... die Varroa jahrelang überleben. Und warum sie, sobald sie in Bienenbeuten transferiert werden, dort an der Varroa eingehen.

Das muß ja etwas mit der Beute oder den imkerlichen Eingriffen zu tun haben. (Oder beides.)

Das Naheliegende, die Abwesenheit eines Imkers. :D
Keiner gibt den Raum vor, nimmt ihnen den Honig weg, schaut ständig in ihr Wohnzimmer, oder macht sich Gedanken über kondensiertes Wasser – sie haben keinen künstlichen Stress. Sie können das tun was sie seit Millionen Jahren tun. Ihre Brut aufziehen und dafür Sorgen das die Art weiterbesteht.
Sehr schön erklärt und bebildert in „Tautz - Phänomen Honigbiene“ dem vielleicht bestem Buch über Bienen.
Beste Grüße Michael

kaibee
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon kaibee » Mi 18. Jan 2012, 22:56

m4fish hat geschrieben:... oder macht sich Gedanken über kondensiertes Wasser...
:lol:

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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon zaunreiter » Do 19. Jan 2012, 00:43

Ich traue den Menschen und Imkern mehr partnerschaftliche Qualitäten zu. Die Honigbienen haben sich mit Hilfe des Menschen verbreitet und er hat ihnen über tausende von Jahren zu Wohnungen und Tracht verholfen. Es klappt doch so richtig erst seit 200 Jahren nicht mehr. So ziemlich genau mit der Einführung von Rähmchen. Erst da wurde angefangen, ständig im Bien herumzuwühlen und ihn neu zusammen zu setzen.

Ich kann mir auch keine Gedanken zu Kondensation machen. Oder überhaupt keine Gedanken. Nur habe ich die Lebenserfahrung, daß nichts von alleine geschieht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ich lerne dadurch und bin auf dem Weg zurück zum Bien. Auch wenn ich zeitweise in die entgegengesetze Richtung zu gehen scheine - das ist manchmal notwendig. So wie ein Hund auf der Fährte die Nase nach links und rechts schwenkt.

Gruß
Bernhard
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Re: Kondensation, Futtersaft und Varroa

Beitragvon kaibee » Do 19. Jan 2012, 00:50

Das machst Du ja auch genau richtig so... so ähnlich gehe ich auch vor. Wir werden nur aus Erfahrung klug!


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