Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

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zaunreiter
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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon zaunreiter » Fr 12. Jun 2020, 12:07

Wechselwirkung von Varroa-Destruktor- und subletalen Clothianidin-Dosen während des Larvenstadiums auf nachfolgende Gesundheit erwachsener Honigbienen (Apis mellifera L.), zelluläre Immunität, deformierte Flügelvirus-Spiegel und differentielle Genexpression

Zusammenfassung: Honigbienen (Apis mellifera L.) sind vielen Parasiten ausgesetzt, über gesundheitliche Wechselwirkungen mit abiotischen Stressfaktoren ist jedoch wenig bekannt, insbesondere wenn sie als Larven betroffen sind. Die Larven wurden einzeln und in Kombination dem parasitären Milben-Varroa-Destruktor und drei subletalen Dosen des Neonicotinoid-Insektizids Clothianidin ausgesetzt, um ihre Auswirkungen auf das Überleben, das Gewicht, die Hämozytenzahl, die Werte des deformierten Flügelvirus (DWV) und die Genexpression der erwachsenen Bienen zu bewerten entwickelt. Clothianidin reduzierte das Bienengewicht bei der höchsten Dosis signifikant und war mit einer Erhöhung der Hämozytenzahl bei der niedrigsten Dosis verbunden, während der V. destructor-Parasitismus die DWV-Spiegel erhöhte, das Auftreten von Bienen verringerte, das Gewicht verringerte und die Hämozytenzahl verringerte. Eine Wechselwirkung zwischen den beiden Stressoren wurde hinsichtlich des Gewichts beim Auftreten beobachtet. Unter den differentiell exprimierten Genen (DEGs) führte der Befall mit V. destructor zu breiteren herunterregulierenden Effekten im Zusammenhang mit der Immunität, die häufig mit den kombinierten Stressoren geteilt wurden, während Clothianidin zu einem breiteren hochregulatorischen Effekt führte, der eher mit zentralen Stoffwechselwegen zusammenhängt oft mit den kombinierten Stressoren geteilt. Parasiten und abiotische Stressoren können komplexe Wechselwirkungen haben, einschließlich additiver Effekte auf das reduzierte Gewicht, die Anzahl der hochregulierten DEGs und die mit dem Stoffwechsel verbundenen biologischen Pfade.

[...]
Die Kombination von V. destructor mit Clothianidin hatte jedoch zusätzliche Auswirkungen auf das Bienengewicht und die Anzahl der DEGs im Vergleich zu den Stressoren allein. Es scheint also, dass die kombinierten Stressoren langfristige Auswirkungen auf die Genregulation haben können, die möglicherweise eine breite Palette von biologischen Pfaden beeinflussen, die die Fähigkeit der Bienen beeinträchtigen könnten, das Neurotoxin zu metabolisieren und zu entgiften, Gewebeschäden zu reparieren oder abzuwehren Infektionen wie DWV, die für die Entwicklung und das Überleben unerlässlich sind.

Morfin, N.; Goodwin, P.H.; Guzman-Novoa, E. Interaction of Varroa destructor and Sublethal Clothianidin Doses during the Larval Stage on Subsequent Adult Honey Bee (Apis mellifera L.) Health, Cellular Immunity, Deformed Wing Virus Levels and Differential Gene Expression. Microorganisms 2020, 8, 858. https://doi.org/10.3390/microorganisms8060858

https://www.mdpi.com/2076-2607/8/6/858
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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon stefanzo » Fr 12. Jun 2020, 23:11

Man braucht nicht zu studieren um zu Erkennen das Gifte lebenden Wesen schaden, ist ja auch der Sinn dieser Gifte. Bei all diesen Studien beweisen sie doch nur was selbst der Hausverstand sagt. Mit diesen Giften schlagen wir uns nun seit vielleicht hundert Jahren rum, mit vielen noch viel wenigere Jahre. Pflanzenbau gibt es jedoch schon seit Menschengedenken. Gesunder Menschenverstand braucht diese Gifte nicht, nur maschinelle großflächige Agrarwirtschaft, und diese wertet unseren Honig von einem Elixier aus tausend Blüten zu einem reinem Sortenhonig ab. Wer den Mut hat der erhebe seine Stimme
mfg stefanzo

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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon biene0.1 » Sa 13. Jun 2020, 19:36

Manfred,
wer sollte dagegen seine Stimme erheben?
All das ist unnötig! Alle sind aber der Meinung: Ohne geht das nicht! Was haben die Generationen vor dieser PSM-Zeit gemacht?
Ich kenne noch diese Zeit. Mitte der 50er Jahre habe ich als Landwirt gelernt.
Doch heute denkt jeder nur, möglichst wenig für Lebensmittel auszugeben. Dann gehts auch in der Landwirtschaft nur BILLIG.
Aber, was solls?
Gruß
Harald
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zaunreiter
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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon zaunreiter » So 14. Jun 2020, 22:26

Die Preise in den Läden sind eigentlich in Ordnung. Das Problem liegt weniger beim Konsumenten, als bei den Händlern.

Im Laden steht deutscher Honig für 6,99 € – das 500 g Glas. Also 13,98 € pro kg Honig.

Der Großhandel zahlt dem Imker zurzeit 3,40 € pro kg Honig...

Die Differenz von 10,58 € versickert im Handel.

Dieses Problem ist bei allen landwirtschaftlichen Produkten ähnlich. Im Durchschnitt bekommt der Landwirt nur 20 % des Ladenpreises für sein Produkt – manche noch weniger. Bei fast allen Produkten ist es so, daß die Großhandelspreise unterhalb der Produktionskosten liegen. Einen Kilogramm Honig zu erzeugen kostet 6,90 €. Bei Milch und Fleisch ist die Situation ganz genau so.

Der Fehler liegt also vor allem im Handel.

Daß der Handel die Produzenten hierzulande so drücken kann, liegt ausschließlich daran, daß die Produkte billiger und effizienter in Übersee produziert werden. Und weil die Produkte auch gut gepanscht werden, also verfälscht. Olivenöl ist weltweit das am häufigsten gefälschte Lebensmittel. Gefolgt von Milch, daß an zweiter Stelle steht. Direkt gefolgt von Honig auf Platz 3. Ein absoluter Missstand.

Wir von den Verbänden arbeiten mit Interpol daran, den Fälscherbanden das Handwerk zu legen. Aber das dauert.

Bis dahin werden Verbraucher getäuscht und Landwirte in den Ruin getrieben.
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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon Rolf » Do 18. Jun 2020, 08:26

Vollkommen richtig - der (Groß)-Handel und die Discounter sahnen ab.
Die Ursache liegt aber nach meiner Meinung nicht im Billig-Ausland.
Die Ursache sind für mich trotzdem die Konsumenten.
Sie entscheiden was, wie, wo und zu welchem Preis gekauft wird.
Sie wissen auch mit welchen Mitteln und Methoden im Ausland produziert wird.
Natürlich auch wieder von deutschen Unternehmen ...

Rolf
[b]Mitglied im Bundesverband Dunkle Biene e.V.[/b] http://www.bv-dunkle-biene.de/
Eine Mitgliedschaft in unserem Verein ist ein guter Beitrag zum Erhalt unserer einheimischen Dunklen Biene.

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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon Sid » Do 18. Jun 2020, 17:47

Sind die 6,90 € / kg Produktionskosten die du anführest incl. Lohnkosten und allem was so anfällt? Gläser/Etiketten/ Werkzeuge / Futter / Behandlung etc? Ne reale Berechnung würde mich schon mal interessieren... ich hab keine 10 € die Stunde und wenn ich km / Fahrzeit und all das noch mitberechne sind’s wahrscheinlich keine 5...naja, ich mach s aus Spaß an der Sache aber ne Kalkulation von nem Berufsimker würde mich mal interessieren...

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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon Deichkind » Do 18. Jun 2020, 18:00

Die hat Bernhard in seinen Monatsbetrachtungen mal veröffentlicht:


https://www.bienenundnatur.de/wp-conten ... -natur.pdf
Volk 1.1.Schwarmzellableger 3
Volk 2 Schwarm 05/19, F1 Belegstelle Friedrichskoog 07/20
Volk3.1 Schwarmzellenableger 05/2020 aus 3 (Schwarm 6/19)
Volk 4 Flugling aus 2 + 2020er Jungkönigin aus 3
Volk 5 Schwarm 30.5.20
Volk 7 Schwarmzellableger aus 3,5/20

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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon Sid » Do 18. Jun 2020, 18:23

Cool, danke, dann bewege ich mich mit meinen 6.-€ Glas zumindest nicht arg unter der verlustgrenze... allerdings verkaufen wahrlich viele hier in der Gegend noch für 5 und darunter ... werd immer erstmal dumm angeguckt wenn ich meinen Preis nenne ...

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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon biene0.1 » Do 18. Jun 2020, 22:42

Hallo zusammen,
das ist sehr schön, dass sich Bernhard zu den Honigpreisen äußert. Große Anerkennung!
Auch wenn meine "Imkerei" nicht so auf wändig betrieben wird, ist ein Preis unter 12,-€ / kg für mich nicht akzeptabel.
Ich bin (passiver) Landwirt und weiß auf welchem Niveau Lebensmittel vermarktet werden. Das ist nicht nur ein politischer Skantal, sondern auch der Ausverkauf unserer Produktionskultur zugunsten von(oftmals zweifelhaften) Billigimporten.
Gruß
Harald
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Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon zaunreiter » Mo 6. Jul 2020, 10:36

Bestimmung der akuten tödlichen Dosen von Acetamiprid und Cypermethrin für die einheimische Biene Apis mellifera (Hymenoptera: Apidae) in Kamerun

ABSTRAKT
Honigbienen sind wichtige Bestäuber und in der Landwirtschaft unverzichtbar. Als solche werden sie bei der Nahrungssuche auf kontaminierten Feldern oder beim Sprühen von Chemikalien auf Nutzpflanzen einer Vielzahl von Pestiziden ausgesetzt. Es ist daher wichtig, die Toxizität zu kennen und die Auswirkungen der Exposition der Bienen gegenüber diesen Molekülen zu bewerten. Acetamiprid und Cypermethrin sind zwei Pestizide, die in Kamerun und anderen Ländern weit verbreitet sind. Das Ziel dieser Studie war es, die Toxizität von Acetamiprid und Cypermethrin für die einheimische Unterart von Apis mellifera L. in landwirtschaftlichen Gebieten in Adamaoua-Kamerun zu bestimmen und die Auswirkungen auf Honigbienenfresser zu bewerten, die tödlichen und subletalen Dosen dieser beiden Insektizide ausgesetzt sind. Die unter Laborbedingungen erhaltenen Ergebnisse zeigen, dass Acetamiprid und Cypermethrin für A. mellifera toxisch sind. Die Symptome der Neurotoxizität und der ersten Mortalität treten 15 Minuten nach der Einnahme der hohen Konzentrationen und etwa 30 bis 45 Minuten nach der Inokulation der Pestizide über den Kontaktweg auf, und die Mortalität steigt mit der Konzentration und Zeit. Die nach 24 h erhaltenen LC50 von Acetamiprid betragen 5,26 ng / μl für die topische Anwendung bzw. 4,70 μg / μl auf oralem Weg. Gleichzeitig beträgt die LC50 von Cypermethrin 2,27 ng / μl für die topische Anwendung bzw. 2,68 ng / μl für die orale Toxizität. Für eine nachhaltige Landwirtschaft und Bienenzucht ist es daher wichtig, Qualitätsmaßnahmen für diese Insektizide im Ökosystem festzulegen und ein Phyto-Pharmakovigilanz- und Sensibilisierungssystem für die Bevölkerung einzurichten.

Mazi, S., Vroumsia, T., Yahangar, M.-N., Malla, M. and Zroumba, D. (2020) Determination of Acute Lethal Doses of Acetamiprid and Cypermethrin for the Native Bee Apis mellifera (Hymenoptera: Apidae) in Cameroon. Open Journal of Ecology, 10, 404-417. https://doi.org/10.4236/oje.2020.107026

https://www.scirp.org/html/2-1381132_101165.htm
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