Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4651
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Beitragvon zaunreiter » Do 7. Apr 2011, 15:36

Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun haben

Ein Überblick:
PKB.pdf
(123.77 KiB) 4073-mal heruntergeladen



In Englisch:
PKB_engl.pdf
(119.09 KiB) 1159-mal heruntergeladen
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Bienlars
Beiträge: 11
Registriert: Di 21. Sep 2010, 17:50
Wohnort: Dübener Heide

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon Bienlars » Do 7. Apr 2011, 22:02

Vielen Dank Bernhard, für die anschauliche Darstellung des Themas. Das lässt sich so ja auch für die Imkerversammlung oder andere Kurse gut verwenden!
Das alles und noch viel mehr bedroht neben der Bienennahrung auch unsere Ernährung.
Was kann man dagegen tun? Selber Land ökologisch bewirtschaften oder bewirtschaften lassen.Viele unserer Vorfahren waren sogenannte Ackerbürger. Neben der Ausübung eines Berufes bzw. Handwerkes bestellten sie ihr Land.
Wir dürfen auch nicht müde werden, diese Themen immer wieder anzusprechen, denn die Gleichgültigkeit und Unwissenheit ist, wie wir alle täglich erleben unbeschreiblich groß.
Wenn wir das Thema der Bodenvergiftung wachhalten, dann kann auch das Interesse der Menschen daran wachsen und ein Umdenken einsetzen, wie bei der Atomenergie.
Viele Grüße!Lars
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. (Vaclav Havel)

obi11
Beiträge: 194
Registriert: Mi 23. Feb 2011, 14:09
Wohnort: Berlin

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon obi11 » Do 7. Apr 2011, 23:43

Hallo Lars,
interessante Frage was wir dagegen tun können und noch viel interessanter ist der Umstand das ja eigentlich alle was dagegen tun ;).
Ich glaube nicht das wir den Rückschritt tun müssen das jeder seine eigene kleine Scholle beackert und ich glaube wir sind uns unserer Macht als Verbraucher manchmal gar nicht bewusst sind. Sicher kosten demeterprodukte auf den ersten Blick etwas mehr, aber auf den zweiten Blick sind die Preisunterschiede zwischen Demeter und dem Neuseelandapfel marginal, denn früher oder später zahlt man beim Neusseelandapfel doppelt drauf. Zum einen bei den Arbeitsplätzen, die in der Landwirtschaft verloren gehen und zum zweiten bei den Korrekturmaßnahmen für den unökologischen Landbau mit all seinen Folgen für die Natur.
Du hast das beste Beispiel schon genannt, die Atomenergie… jahrelang habe ich bei der Stromrechnung vielleicht 2,50€ gespart und heute zahl ich für die Sanierung der Asse und ähnliches.
Ich komm nun aus Berlin, da wärs mit dem Acker eh schlecht ;) und der Schrebergarten kann nur Ergänzung sein. Wochenmarkt, wo der Bauer seine Produkte vermarktet Fehlanzeige. Importobst zu überhöhten Preisen ist eher die Regel. Als Alternative bietet sich aber der Lieferservice eines Ökodorfs an.

Liebe Grüße
Andreas

Bienlars
Beiträge: 11
Registriert: Di 21. Sep 2010, 17:50
Wohnort: Dübener Heide

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon Bienlars » Fr 8. Apr 2011, 22:46

Hallo Andreas,

schon möglich, dass nicht jeder sein eigenes Feld beackern kann. Ich sitze auch nicht selber auf dem Traktor ;), hatte aber das Glück Land bezahlbar pachten zu können und organisiere die Bestellung und Vermarktung. So verbindet sich vieles mit vielem. Ich baue alte Sorten an, solche die eigentlich schon ausgestorben sind oder auf roten Listen stehen, das alles in Bioland-Qualität und ganz nebenbei halte ich meinen Bienen damit die Giftspritze vom Leibe. Jedenfalls in der unmittelbaren Umgebung. Seit ich selber Landwirtschaft betreibe, kann ich auch mit den konventionellen Nachbarn ganz anders reden.
Schön, wenn du in der Großstadt Regional-Bio kaufst, denn damit erreichst du auch den Erhalt von Boden.
In Brandenburg gibt es übrigens eine Initiative, wo sich Biobetriebe mit Ihren Kunden zusammengeschlossen haben und
mit Hilfe der GLS Bank einen Bodenfinanzierungsfond aufgelegt haben, um so Land ankaufen zu können und es vor dem Zugriff von Finanzspekulanten ( Heuschrecken) zu entziehen. Wenn diese nämlich massenhaft Land aufkaufen, verschärft sich alles noch weiter, denn denen sind Bodengesundheit und Bienen erst recht egal.
So kann jeder an seinem Fleck mit Interesse eine Menge tun.

Viele Grüße!
Lars
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht. (Vaclav Havel)

bernhart
Beiträge: 64
Registriert: Fr 6. Aug 2010, 15:01
Wohnort: wein4tel
Kontaktdaten:

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon bernhart » Sa 9. Apr 2011, 10:28

Servus Bernhard,
danke für die gute Darstellung des Problems.
bernhart

Manfred

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon Manfred » Mo 11. Jul 2011, 15:47

Grüß Euch,

Ich hab' diese, meiner Meinung ausgezeichnete, Darstellung erst heute gefunden.

Zum Thema Bio möcht ich heute ein wenig polemisieren.

Wenn nach Bio-Trank und - Speis
in den Kanal ich brunz und scheiß
hab mitnichten ich kapiert,
wie Humus-Ausgleich funktioniert.

http://www.hundert-wasser.org/files/Hundertwasser_text.pdf

Herzliche Grüße Manfred

willi
Beiträge: 2
Registriert: Mo 12. Sep 2011, 11:58

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon willi » Mo 12. Sep 2011, 12:19

Manfred hat geschrieben:Wenn nach Bio-Trank und - Speis
in den Kanal ich brunz und scheiß
hab mitnichten ich kapiert,
wie Humus-Ausgleich funktioniert.


Wahrlich poetische Worte, die einen nachdenklich stimmen und zum innehalten anregen :)

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4651
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon zaunreiter » Mi 23. Nov 2011, 16:15

Diese Studie zeigt, daß Pestizide zur Verkürzung der Lebensdauer der Bienen um bis zu vier Tage führt - und gleichzeitig die Dauer der Verdeckelung erhöht.

Zitat:
"Worker bees reared in relatively uncontaminated brood comb lived an average of 4 days longer than bees reared in comb containing high levels of pesticide residues (Fig. 5, p = 0.005). Emergence time was also affected by contamination of control comb after multiple brood cycles, resulting in a shift in the proportion of worker bees that emerged on days 20, 21 and 22 (Fig. 6A–C). During the first brood cycle (Rep 1), a significantly higher proportion of bees emerged from control combs on days 20 and 21 of development compared to emergence on day 22. Of worker brood reared in control combs, 42% and 53% emerged as adults on days 20 and 21, respectively, while only 5% emerged on day 22 (p<0.0007). In contrast, by the third brood cycle (Rep 3) adult emergence from control comb on day 22 was much higher (18%) than emergence on day 22 during the first brood cycle (Rep 1) (5%). In addition, only 2% of worker brood reared in control comb on the third replicate emerged as adults on day 20 compared to 42% of brood that emerged on day 20 during the first brood cycle. The majority (80%) of brood from replicate 3 emerged on day 21 of development (Fig. 6A–C). These data suggest a shift in the occurrence of adult emergence from day 20–21 to 21–22 and delayed emergence for developing worker bees as a result of pesticide residue exposure to contaminated brood comb."

Genau wie im Dokument "Varroa außer Kontrolle" beschrieben.

Siehe:
Sub-Lethal Effects of Pesticide Residues in Brood Comb on Worker Honey Bee (Apis mellifera) Development and Longevity
Wu JY, Anelli CM, Sheppard WS, 2011 Sub-Lethal Effects of Pesticide Residues in Brood Comb on Worker Honey Bee (Apis mellifera) Development and Longevity. PLoS ONE 6(2): e14720. doi:10.1371/journal.pone.0014720

Online: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0014720
PDF: http://www.plosone.org/article/fetchObjectAttachment.action;jsessionid=0E375F98CEE8C512D76667680E14019E?uri=info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0014720&representation=PDF


Vergleiche auch: http://www.immenfreunde.de/smcell.pdf - dort die Tabellen und Grafiken zur Varroavermehrung bei veränderter Dauer der Verdeckelung.

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4651
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon zaunreiter » Do 8. Dez 2011, 17:48

Hier ein Übersichtsartikel zum Thema Humus, Bodenfruchtbarkeit und die Wichtigkeit für die menschliche Ernährung, sowie Ausführungen zum Wald(lichtungs)garten:

http://www.selbstversorgerforum.de/perma/HumMed.pdf

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4651
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Varroa außer Kontrolle - was Pestizide damit zu tun habe

Beitragvon zaunreiter » Do 19. Jan 2012, 20:31

Neue Studie belegt den Zusammenhang zwischen Pestiziden und Immunsystemschwäche.

http://www.springerlink.com/content/p10 ... ltext.html

Pesticide exposure in honey bees results in increased levels of the gut pathogen Nosema
Jeffery S. Pettis1 , Dennis vanEngelsdorp2, Josephine Johnson3 and Galen Dively4

(1)  USDA-ARS Bee Research Laboratory, Beltsville, MD, USA
(2)  Department of Entomology, University of Maryland, College Park, MD, USA
(3)  Department of Toxicology, University of Maryland Baltimore, Baltimore, MD, USA
(4)  Department of Entomology, University of Maryland, College Park, MD, USA

Jeffery S. Pettis
Email: jeff.pettis@ars.usda.gov
Received: 1 May 2011  Revised: 25 December 2011  Accepted: 31 December 2011  Published online: 13 January 2012

Communicated by: Sven Thatje
Abstract  
Global pollinator declines have been attributed to habitat destruction, pesticide use, and climate change or some combination of these factors, and managed honey bees, Apis mellifera, are part of worldwide pollinator declines. Here we exposed honey bee colonies during three brood generations to sub-lethal doses of a widely used pesticide, imidacloprid, and then subsequently challenged newly emerged bees with the gut parasite, Nosema spp. The pesticide dosages used were below levels demonstrated to cause effects on longevity or foraging in adult honey bees. Nosema infections increased significantly in the bees from pesticide-treated hives when compared to bees from control hives demonstrating an indirect effect of pesticides on pathogen growth in honey bees. We clearly demonstrate an increase in pathogen growth within individual bees reared in colonies exposed to one of the most widely used pesticides worldwide, imidacloprid, at below levels considered harmful to bees. The finding that individual bees with undetectable levels of the target pesticide, after being reared in a sub-lethal pesticide environment within the colony, had higher Nosema is significant. Interactions between pesticides and pathogens could be a major contributor to increased mortality of honey bee colonies, including colony collapse disorder, and other pollinator declines worldwide.

Es wurde Imidacloprid in so kleinen Dosierungen gefüttert, daß es nicht mehr nachzuweisen war! Und die Bienen erkrankten danach SIGNIFIKANT häufiger, wenn sie NOSEMA ausgesetzt waren!

Damit sind die SUBLETALEN Wirkungen auf Honigbienen von Imidacloprid bewiesen.

Bitte jemand übersetzen, wenn er Zeit findet.

Elevated levels of the fungicide chlorothalonil in honey bees have been associated with “entombed pollen” which is linked with increased risk of colony mortality (vanEngelsdorp et al. 2009b). The call for a reevaluation of pesticide test protocols required for the registration of products is not new (Colin et al. 2004; Halm et al. 2006). These proposed new standards utilize the Predicated No Effect Concentration which is determined using chronic and acute toxicity data and not potentially indirect effects of pesticide exposure, such as increased susceptibility to pathogens. With the wide variety of pesticides that have been documented in failing beehives (Mullen et al. 2010), it is imperative that we understand both the synergistic effects these compound may have and the interactions with other variables, like pathogens, involved in bee health. We suggest new pesticide testing standards be devised that incorporate increased pathogen susceptibility into the test protocols. Lastly, we believe that subtle interactions between pesticides and pathogens, such as demonstrated here, could be a major contributor to increased mortality of honey bee colonies worldwide.


Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.


Zurück zu „Sonstiges“