Bienenzucht von Johann Thür

Literatur über den Warréstock
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zaunreiter
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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon zaunreiter » Mi 29. Jan 2014, 13:42

zaunreiter hat geschrieben:Sudarsan et al (2012)
Flow currents and ventilation in Langstroth beehives due to brood thermoregulation efforts of honeybees.
Journal of Theoretical Biology 295 (2012) 168–193
http://www.uoguelph.ca/canpolin/Publica ... l-2011.pdf


Und:

http://www.uoguelph.ca/canpolin/Publica ... edited.pdf
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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon zaunreiter » Mi 29. Jan 2014, 15:15

Daraus:

"The presence of the bottom cavity beneath the level of the hive inlet greatly reduces the volume of air which directly penetrates the hive body. Instead, air exchange occurs slowly as stale hive air is drawn off by a venturi effect and fresh air is slowly drawn up to replace it. Conceivably, this could offer an advantage to honeybees who are constantly under pressure to maintain the temperature of their brood. Having a bottom cavity minimizes direct exposure of the brood to influent air, effectively buffering the internal hive environment from the external world. An implicit advantage afforded by a slow exchange between the hive and ambient environments is the increased control honeybees may exert over that exchange."

Im Prinzip erhöht sich mit einem hohen Boden (wobei hoher Boden meint: das Flugloch liegt höher als der Boden, also die Luft muß nach unten fallen können) der Luftaustausch zwischen Beute und Außenluft, aber der Luftstrom im Inneren ist durch den Venturi-Effekt verlangsamt. Das ermöglicht den Bienen die Kontrolle über die Belüftung im Inneren des Bienenstockes.

Wenn das Flugloch ebenerdig ist, also der Boden auf Höhe des Flugloches liegt, ist der Luftaustausch zwischen Beute und Außenluft langsamer, aber im Innern der Beute stürmischer. Der interessante Nebeneffekt ist, daß bei einem Boden ohne "Senke" bei einem großen Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur der Luftaustausch schneller wird, während er sich stark verlangsamt, wenn die Lufttemperatur außen und innen fast gleich sind. Wenn es im Sommer heiß ist, findet also fast kein Luftaustausch statt, während es im Winter in der Beute zieht.

Im hohen Boden, mit einem Eingang über dem Boden, wo es also hinter dem Flugloch eine Senke gibt, verhält es sich genau anders herum: wenn es draußen heiß wird, wird die Belüftung vergrößert. Je kälter es draußen ist, desto langsamer strömt die Luft durch die Beute. Für die Bienen ist das ideal.

Von den Experimenten abgeleitet, scheint eine Senke hinter dem Flugloch mit einer Tiefe von 7 cm optimal zu sein. Also 7 cm unter dem Fluglochniveau.
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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon edlBeefit » Mi 29. Jan 2014, 18:00

zaunreiter hat geschrieben:
Im hohen Boden, mit einem Eingang über dem Boden, wo es also hinter dem Flugloch eine Senke gibt, verhält es sich genau anders herum: wenn es draußen heiß wird, wird die Belüftung vergrößert. Je kälter es draußen ist, desto langsamer strömt die Luft durch die Beute. Für die Bienen ist das ideal.

Von den Experimenten abgeleitet, scheint eine Senke hinter dem Flugloch mit einer Tiefe von 7 cm optimal zu sein. Also 7 cm unter dem Fluglochniveau.

Danke Bernhard, da bin ich mit meinen Flugloch ob der 2. Zarge genau richtig
Habe fast überall das Flugloch ab der 2 FZ, also 2/3 vom BR

z.B Warré

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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon Gerald » Do 30. Jan 2014, 18:43

Hallo,

zaunreiter hat geschrieben:Wenn das Flugloch ebenerdig ist, also der Boden auf Höhe des Flugloches liegt, ist der Luftaustausch zwischen Beute und Außenluft langsamer, aber im Innern der Beute stürmischer. Der interessante Nebeneffekt ist, daß bei einem Boden ohne "Senke" bei einem großen Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur der Luftaustausch schneller wird, während er sich stark verlangsamt, wenn die Lufttemperatur außen und innen fast gleich sind. Wenn es im Sommer heiß ist, findet also fast kein Luftaustausch statt, während es im Winter in der Beute zieht.


darum hat der gute Warrè kalt und warm-bau verwendet mit Oberträger ( geschlossene Wabengasse ), ist strömungstechnisch sehr interessant, da Waben genaugenommen wie kühler funktionieren ist die Ausrichtung nach Jahreszeit sehr von vorteil, ja geradezu immer wichtiger in Bezug zur Gesundheit.

Danke für die Lehrstunde :D

grüße

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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon Distelbauer » Fr 31. Jan 2014, 10:15

Hallo,

danke fürs Übersetzen Bernhard. Interessante Sache (wäre das nicht fast ein eigenes Thema wert?). Mir ist jetzt sofort der Gitterboden eingefallen. Es müsste ja fast einen positiven Effekt haben, wenn man bei Hitz, besser überhaupt eine Windel eingeschoben hätte. Die Frage wird wohl sein: Zirkuliert die Luft durch das Gitter und ist die Varroawindel dicht genug. Jedenfalls liegt beim Gitter (theoretisch) das Flugloch höher. Aber ich glaub jetzt bin ich doch etwas weit weg von obiger Überschrift, sorry Herr Thür :oops: .

LG Georg

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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon zaunreiter » Do 13. Feb 2014, 11:58

Die Franzosen setzen bei ihren Warrébeuten stets eine leere Zarge unter das Volk beim Überwintern! Und nennen die leere Zarge Gesundheitszarge. "vide sanitaire". Ich hatte das schon ein paar Mal gelesen, aber jetzt habe ich erst gerafft, warum die das machen. Wegen der Luftströmungen. Die leere Zarge bildet eine Pufferzone. Eine Senke ohne Senke, müßte aber trotzdem ganz ähnlich funktionieren, denn der Venturieffekt ist gleich, egal ob das Flugloch oberhalb oder unterhalb der Senke ist?
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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon edlBeefit » Do 13. Feb 2014, 14:06

zaunreiter hat geschrieben:Die Franzosen setzen bei ihren Warrébeuten stets eine leere Zarge unter das Volk beim Überwintern! Und nennen die leere Zarge Gesundheitszarge. "vide sanitaire". I

Ja das ist eine einfache und gute Variante, jedenfalls Nachahmenswert
Gruss Kurt Edlinger

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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon specht » Fr 28. Mär 2014, 15:18

zaunreiter hat geschrieben:Professor Tautz hat herausgefunden, daß leichte Temperaturveränderungen bei der Brutaufzucht reichen, um Verhaltensänderungen hervorzurufen und die Bienen dumm zu machen. Weniger intelligent.


Weil ich auch gerade von dummen Bienen lese.

Seht euch mal die lineare Ertragskurve an, der Honigertrag geht seit 1985 stetig nach oben.

http://www.aca.at/index.php?seitenId=14

Werden Bienen züchterisch gestresst?
Bei anderen Tieren sind Stresshormone längst bewiesen, die durch das Blut auf ihre Nachkommen negative Auswirkungen haben.
Könnte das bei Bienen in ähnlicher Weise vorkommen - gestresst schon im Ei, die Königin legt gestresste Eier?

Friedrich

Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon Friedrich » Fr 28. Mär 2014, 16:14

Das überrascht mich nicht !!!
Alle züchterischen Bemühungen in der Bienezucht korrelieren seit ca. 100 Jahren mit den Zielrichtungen der klassischen Landwirtschaft.
Neuere progressive Reformansätze in der Landwirtschaft werden aber in der Bienenhaltung sicher noch ca. ein Jahrzehnt auf sich warten lassen, wenn mal von einigen Hobbiimkern (Warré, u.a.) absieht. Menschliche Gier scheint oft stärker zu sein als die Vernunft.

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Re: Bienenzucht von Johann Thür

Beitragvon zaunreiter » Fr 28. Mär 2014, 16:18

Das glaube ich weniger. Ich sehe es eher so: um 1900 gab es 2,5 Millionen Bienenvölker in Deutschland. Heute gibt es nur noch ein Fünftel davon: 0,5 Mio Bienenvölker (500.000) Tendenz fallend. Mutmaßlich sieht es in Österreich auch nicht anders aus.

Kein Wunder also, daß der Honigertrag nach oben geht. Die Trachtsituation wird zwar auch nicht besser, aber die Völkerzahl geht schneller runter. Je weniger Völker sich die Gesamtmenge an Nektar teilen, desto mehr kommt auch rum pro Volk. So richtig kann ich daher nicht an Zuchterfolge glauben.
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