Modifizierte Betriebsweise

Eure eigenen Weiterentwicklungen und guten Ideen!
mahagugu
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon mahagugu » So 15. Jul 2012, 08:21



Ob da fingerdicke Löcher in den Zargen , die man ganz einfach mit Papier stopfen kann
und Spanplatten bzw. Styrodurplatten nicht den selben Zweck erfüllen könnten ?

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » So 15. Jul 2012, 08:57

Kurze Erklärung (auf Deutsch :wink:) zur Verwendung des Snelgrove-Zwischenbodens. Er wird für die Bildung von Fluglingen verwendet. Entweder zur Schwarmverhinderung, zur Steigerung der Sammelleistung während der Tracht (durch Bruteinschränkung) oder zur Schwarmverwertung.

Es gibt anscheinend viele Spielarten bei der Bildung des Fluglings. Sehr früh im Jahr, wenn noch keine Weiselzellen angesetzt wurden. Später, wenn die ersten Weiselzellen angesetzt wurden oder nach dem Einfangen des Schwarms. Entweder mit oder ohne Königin im Flugling.

Der Zwischenboden besteht aus zwei aufeinander geschraubten Holzrahmen und einem Boden dazwischen. In den Rahmen oben und unten werden auf zwei/drei Seiten verschließbare Fluglöcher geschnitten. Der Boden hat ein 10x10 cm großes Riechgitter.

Die (modifizierte) Verwendung wird in diesem Bild ganz gut erklärt.
Bild
aus: http://www.sbai.org.uk/sbai_forum/showthread.php?761-Artificial-swarm-(Ian-Craig)/page3

Von links nach rechts. Ganz links sind die überwinterten Bruträume zu sehen. Ende April/Anfang Mai werden Brut und Honigzargen nebeneinander gestellt. Auf den alten Boden kommt dann eine Leerzarge die mit Leerwaben, Mittelwänden, zwei Waben Brut und der alten Königin ausgestattet wird. Darauf kommt das Absperrgitter und die Honigräume. Ganz oben kommt der Zwischenboden drauf und darauf die Brutzarge(n). (Mit oder ohne Schwarmzellen.) Wer will, kann hier in diesen (kurzfristig weisellosen) Teil ja auch Zuchtstoff geben. Das Flugloch auf der vorderen oberen Seite wird geöffnet. (Das führt in den Brutableger.)

Nach zehn Tagen, wenn die meiste Brut im Brutabeger geschlüpft ist, wird das vordere obere Flugloch des Zwischenbodens geschlossen, das vordere, untere, zum Honigraum führende Flugloch wird geöffnet. Die Flugbienen des Ablegers werden so zum Nektarsammeln und zur Honigpflege (!) mit dem Flugling unten vereint.

Von da ab gibt es verschiedene Optionen. Oben im Bild wird der Brutableger mit den Weiselzellen in Begattungseinheiten aufgelöst. Eine andere Option ist, nochmal Brut hochzuhängen oder den Ableger mit dem Flugling wiedervereinen. Anscheinend werden über den Snelgrove-Zwischenboden auch Reservevölkchen/-königinnen überwintert.

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 24. Jul 2012, 11:02

Hier ein paar zu Papier gebrachte Gedanken zum Snelgrove-Zwischenboden:

http://immenfreunde.de/docs/Snelgrove.pdf

Gruß
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Sa 28. Jul 2012, 08:08

apiarius hat geschrieben:Irgendwie haben manchen Imker, egal ob räumlich oder zeitlich getrennt, ähnliche Ideen.


Ja, das ist schon sehr auffällig. :lol: Ebenso interessant ist es, daß vor hundert/zweihundert Jahren die Imker die gleichen "Probleme" beschäftigten. Ich lese den Newsletter hier: http://www.socionomics.net/socionomist-announcement/, der sich mit gesellschaftlichen Strömungen und deren Wiederholung beschäftigt. Nach der Elliottwellen-Theorie. Ganz spannend.

Na schau mal, hier habe ich die Idee her: auch: http://ruchewarre.net/viewtopic.php?f=49&t=1701


apiarius hat geschrieben:Wer hat's erfunden?


Snelgrove.


apiarius hat geschrieben:Wer braucht's?


Ich - und zwar ab nächstes Jahr. Vielleicht auch schon in diesem Jahr zur Überwinterung von Extraköniginnen im Honigraum.

Viele Grüße

Bernhard
Cogito ergo summ.
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Manfred

Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Manfred » Sa 28. Jul 2012, 13:06

Grüß Euch,

Da lobe ich mir wieder einmal mein in jeder Zarge obligates Bohrloch. Das erspart im praktischen Betrieb eine Menge Kramuri.

HG Manfred

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Sa 28. Jul 2012, 19:20

Ob Du mir glaubst oder nicht - ich mußte bei dem Snelgroveboden an deine Konstruktion mit dem Schlauch denken! :!:

Viele Grüße
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » So 29. Jul 2012, 08:22

apiarius hat geschrieben:Naja Bernhard, ich steh da jetzt auf keiner Seite, befinde mich selber in manchen Versuchen sozusagen mittendrin.
Mittendrin statt nur dabei- das hat mich schon immer angesprochen.


Ganz toll wäre dann noch, wenn Du auch mal teilen würdest und zwar mitteilen. :!:

Bilder und Text wäre ganz nett.

Grüßle
Bernhard
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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 31. Jul 2012, 11:37

Sowohl Marc Gatineau (pensionierter Berufsimker mit Warrébeuten, 800 Völker, 30 Jahre Erfahrung) als auch Giles Dennis, beide aus Frankreich, verwenden im aufgesetzten Honigraum nur 7 oder gar nur 6 Oberträger.

Die Bienen ziehen dann Dickwaben aus. Die Vorteile sind, daß solche Waben nicht mit Brut belegt werden - das erspart unter Umständen das Absperrgitter - und das pro Zarge etliche Kilogramm Honig mehr eingelagert werden. Die Waben lassen sich so auch besser ausschneiden.

Viele Grüße
Bernhard
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Friedrich

Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon Friedrich » Do 30. Aug 2012, 18:36

Hallo miteinander,

bei meinem Recherchen durchs Internet bin ich auf ein interessantes Experiment im Feldversuch von Imkern aus ganz Europa und Bieneninstituten zu einer neuen modifizierten Betriebsweise gestoßen.
Unter der Bezeichnung „20/30 Minuten Betriebsweise“ hat ein Herr v.Schumacher aus Scheideeg im Allgäu (Schweiz) in einem Vortrag vor dem Magazin-Imker e.V. darüber referiert. In der Hauptsache handelt es sich dabei um ein Umschichten ganzer Völker (Umschichten nur ganzer Zargen) auf den jeweiligen Nachbarstandplatz. Im darauf folgenden „Eingriff“ werden sie im wesentlichen mit geringfügigen Modifikationen wieder auf ihren ursprünglichen Standplatz zurück geschichtet. Zur Schwarmunterdrückung wird ein Flugling gebildet. Kein Transport von Zargen vom und an den Stand mit der Ausnahme vom Abtransport der Honigzargen und der Anlieferung der Fluglingzargen (= letztjährige Honigzargen). Der Ersatz aller mehr als 2 Jahre alten Waben und Königinnen erfolgt ohne wesentliche Eingriffe in die Zargen am Stand und ohne mühsames Suchen nach der Königin durch Bildung von Doppelvölkern. In alle Zargen müssen dafür aber verschließbare Fluglöcher gebohrt werden.
Und das alles mit dem Ziel durch jeweils 4 bzw. optional 6 „Eingriffe“ während des gesamten Bienenjahres die Arbeitzeit auf 20-30 Minuten je Volk und Jahr zu reduzieren. Dabei wird allerdings der Aufwand für Varroa-Behandlung und Auffütterung unberück-sichtigt gelassen.

http://www.magazinimker.de/plaintext/do ... assung.pdf
http://www.magazinimker.de/downloads/fe ... mm2006.pdf
http://www.jogllandhonig.at/feldversuch.htm
http://www.jogllandhonig.at/fedversuch1.htm


Im ersten Moment hat mich das alles sehr an Warré erinnert.
Meine Anfängerimker-Frage an Bernhard ist nun:
Kann man nicht Elemente dieser Betriebsweise, wie die Bildung und Auflösung von Doppelvölkern oder auch ähnliche Methoden zur Schwarmunterdrückung oder Honiggewinnung über einem Absperrgitter in eine modifizierte Warré-Betriebsweise übernehmenoder einfügen, bzw. lassen sich einige der recht bemerkenswerten Grundgedanken dieser Betriebsweise mit deiner modifizierten Warré-Betriebsweise verbinden ?

Mit besten Grüßen

Friedrich

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Re: Modifizierte Betriebsweise

Beitragvon zaunreiter » Di 11. Sep 2012, 20:50

Der Vollständigkeit halber: viewtopic.php?f=29&t=16&p=5237#p5237
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