Wintervorbereitungen

Alle Arbeiten rund um die Einwinterung der Bienen im Warréstock. Einfüttern, vereinigen, usw.
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zaunreiter
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Mi 31. Dez 2014, 22:15

Solche "Nichtwinter" sind schwieriger zu meistern, als normale Winter mit Schnee und Eis. Und gerade in solchen milden Wintern kommt die richtige Mischung der Bienen, wie bei Gerstung beschrieben, zum Tragen.

Guten Rutsch! Ein gutes Bienenjahr 2015 wünsche euch allen!
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon isartaler44 » Mi 29. Jul 2015, 18:19

Frage an Warre-Experten zum Thema überwintern auf 2 Zargen:

Habe jetzt seit einem Jahr zwei Völker, für die ich mich nach gründlicher Lektüre von Bernhard Heuvels Exzerpt und Emilie Warrés Schrift "Bienenhaltung für alle" von vorneherein für Warrebeuten und die entsprechende Betriebsweise entschieden habe.
Beide Völker sind in je zwei Zargen gut über den Winter gekommen.
Im April habe ich dann "nach Vorschrift" jeweils zwei leere Zargen untergesetzt.
Ein Volk hat Ende Mai geschwärmt, den Schwarm konnte ich leider nicht einfangen, vom anderen habe ich dann einen etwas schwachen Ableger gebildet, der sich aber dank guter Trachtverhältnisse (und wohl weil ich alles in Ruhe gelassen habe,) gut entwickelt hat
Außer häufiger und freudvoller Beobachtung von Flugloch und Flugverkehr habe ich dann nichts mehr unternommen bis Anfang Juli. wo ich (wie beschrieben) am 4.Juli von jedem Stock die oberste Zarge mit Honig ohne Brut abgenommen und geschleudert habe, zusammen rund 18 kg, also 9 kg pro Volk. Die zweitoberste Zarge enhielt zwar viel Honig an den Seiten, aber etwa 30 - 50 % Brut. Diese Zargen sind draufgeblieben.

Jetzt zur Kardinalfrage: "Überwintern auf zwei Zargen - IMMER" schreibt Bernhard in seinem Exzerpt. Aber wie kriege ich die beiden Völker, die jeweils in 3 Zargen sitzen, in nur 2 Zargen rein?
Kann mir jemand weiterhelfen ? Ich würde mich freuen
Da bei es mir im Imkerverein nur Mobilbau-Anhänger gibt, ist von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten.

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Rumpel
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon Rumpel » Mi 29. Jul 2015, 19:34

Aber wie kriege ich die beiden Völker, die jeweils in 3 Zargen sitzen, in nur 2 Zargen rein?

Warten bis die unterste leer ist. :)
LG. Jörn
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon wonderfool » Do 30. Jul 2015, 08:33

isartaler44 hat geschrieben:Jetzt zur Kardinalfrage: "Überwintern auf zwei Zargen - IMMER" schreibt Bernhard in seinem Exzerpt. Aber wie kriege ich die beiden Völker, die jeweils in 3 Zargen sitzen, in nur 2 Zargen rein?


Oder eben doch verbotenerweise auf drei Zargen überwintern... :oops:

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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Do 30. Jul 2015, 08:51

Klar kannst Du auf drei Zargen überwintern. Dann kannst Du im Frühjahr die Fragen zu den selbst verursachten Problemen stellen. :)

Je nach Ausbauzustand ist das Verbringen von zwei auf drei Zargen gar nicht so schwer. Ist die Zarge halb ausgebaut aber keine Brut drin, werden sie zum Herbst hin diese Zarge verlassen. Die Ungeduldigen unter uns, können die Bienen auch vorher schon raustreiben.

Ist die dritte unterste Zarge voll ausgebaut und mit Brut belegt - dann ist die oberste Zarge meist voll mit Honig. Und kann geerntet werden.

Ist die unterste Zarge nur halbherzig ausgebaut, aber schon bebrütet: dann bis zum Herbst warten und dann wegnehmen.

Die Franzosen setzen im Winter eine komplett leere Zarge unter. Sie nennen diese Gesundheitszarge. Und wie bei Kuntzsch beschrieben, dient dieser Raum als Verwirbelungsraum für die einströmende kalte Winterluft, als Puffer gegenüber dem Winterwetter. Wer einen hohen Boden hat, was ich geneerell eine gute Idee finde, braucht diese Zarge nicht. Wer einen geschlossenen Boden hat, auch nicht. Ich habe immer den Eindruck, daß die Bienen, gerade wenn sie im Frühjahr wieder anfangen zu brüten, gerne frische Frühlingsluft schnuppern und mit der Brut und der Nase nah am Flugloch sitzen. (Außer bei Gitterboden, da halten sie Abstand und krabbeln bis unter den gedämmten Deckel.

Wie man es auch macht: die Arbeiten sollten jetzt beginnen, damit der Bien seinen Wintersitz vorbereiten kann. Der Wintersitz bestimmt auch den Ort der ersten Brut im Winter und da ist es vorteilhaft, wenn die Bienen dafür alles vorbereiten können. Je eher die Arbeiten beginnen und abgeschlossen sind, desto länger können sich die Bienen auf den Winter vorbereiten. Und desto besser.
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon wonderfool » Fr 31. Jul 2015, 08:41

zaunreiter hat geschrieben:Klar kannst Du auf drei Zargen überwintern. Dann kannst Du im Frühjahr die Fragen zu den selbst verursachten Problemen stellen. :)


Selbst verursachte Probleme sind mir die liebsten, da weiss ich wenigstens woher sie kommen :-)

Ernsthafterweise frage ich mich aber schon nach dem System dahinter. Ich habe so ein Volk, das eine halb ausgebaute Zarge unten stehen hat. Die müsste ich dann zum Herbst wegnehmen. Ich könnte sie allerdings auch durch eine leere Zarge ersetzen als Verwirbelugsraum. Das wäre auch sinnvoll: Die Beute steht bei uns auf der Dachterasse, da bläst im Winter manchmal ganz schön ordentlich der Wind.

Also ersetze ich eine halb ausgebaute Zarge durch eine leere Zarge und frage mich, was an dem Wabenwerk im Winter so schädlich ist?

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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Fr 31. Jul 2015, 08:56

Im Winter gar nicht. Erst im Frühjahr wird es die Bienen am Weiterbauen hindern, wodurch das Brutnest vorzeitig verpollt und verhonigt. Dadurch kommt kein vernünftiges Brutnest zustande und das Volk startet mickernd ins Jahr hinein. (Zur Erklärung: Über den Winter verlassenes Wabenwerk ist erstmal unattraktiv für die Bienen, da brüten sie nicht hinein. Und sie bauen lieber am Brutnest weiter, also im frühesten Frühjahr, auch schon wegen der erforderlichen Wärme.)

Mickern hat aber zur Folge, daß die neuen Königinnen unter ungünstigen Bedingungen aufwachsen. Dadurch sind sie schlecht genährt, dadurch körperlich unterentwickelt, geringe Eierstöcke, geringe Anzahl der Begattungen durch zu kurze Begattungsflüge (für mehr reicht die Kraft nicht). Die beginnt dann zwar zu legen, wird aber im nächsten Jahr auch nur wieder ein mickerndes Volk hervorbringen.

Die Philosophen und Grünschnäbel unter uns argumentieren zwar, daß in der Natur auch keiner Zargen wegnimmt oder hinzufügt - da aber dauert es fünf Jahre bis sich ein Bienenstock etabliert hat. Und zwar mit Wabenwerk. Die haben in der Natur Waben im Wert von fünf Zargen zur Verfügung, wenn sie sich etabliert haben. Da ist genug Puffer vorhanden und das Brutnest kann sich ungestört entwickeln.

Da wir Menschen Honig ernten - und das ist auch gut so, wenn wir sind ja Teil des Biens - setzen wir den Bien jedes Jahr auf (fast) Null zurück. Es ist so, als ob die Bienen jedes Jahr aufs Neue anfangen müssen. Und das ist anstrengend. Wenn wir da unterstützen und helfen, dann ist das nur recht und billig. Und wenn es nur ein Hinzufügen oder Wegnehmen einer Zarge ist, ist das auch kein riesen Ding. (Es sei denn, man hat Angst vor Bienen.)
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Fr 31. Jul 2015, 11:41

Kap Horn hat geschrieben:Ich will in erster Linie Bienenhalter sein und nicht Honigproduzent.


Was das Eine mit dem Anderen zu tun hat, wird Dir nach einer Zeit auch noch aufgehen. Hoffe ich zumindest, im Sinne deiner Bienen.

Kap Horn hat geschrieben:Allderdings, wohl keiner hat je besseren Honig geschmeckt als der erste Löffel von den "eigenen" Bienen!


Du solltest Honig, nicht Bienen essen. ;) Prickelt weniger auf der Zunge.
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Fr 31. Jul 2015, 13:35

Kap Horn hat geschrieben:Honigproduzenten sind sie allerdings.


Und das trifft jetzt auf alle honigproduzierenden Imker zu? Oder wie? :roll:

Hauptsachte, es festigt dein "Weltbild".
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon wonderfool » Fr 31. Jul 2015, 14:15

zaunreiter hat geschrieben:Im Winter gar nicht. Erst im Frühjahr wird es die Bienen am Weiterbauen hindern, wodurch das Brutnest vorzeitig verpollt und verhonigt. Dadurch kommt kein vernünftiges Brutnest zustande und das Volk startet mickernd ins Jahr hinein. (Zur Erklärung: Über den Winter verlassenes Wabenwerk ist erstmal unattraktiv für die Bienen, da brüten sie nicht hinein. Und sie bauen lieber am Brutnest weiter, also im frühesten Frühjahr, auch schon wegen der erforderlichen Wärme.)


Super Erklärung. Das macht Sinn! Schmilzt du solche Waben ein oder benutzt du sie anderweitig?

Mit Rähmchen kannst du sie ja wahrscheinlich beim Aufsetzen als Honigwaben verwerten lassen, nehme ich an...


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