Wintervorbereitungen

Alle Arbeiten rund um die Einwinterung der Bienen im Warréstock. Einfüttern, vereinigen, usw.
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zaunreiter
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Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Mo 29. Aug 2011, 10:12

Zunächst wird der Bienenstock auseinander genommen, Zarge für Zarge. Mit der obersten Zarge wird naturgemäß begonnen. Dazu setze ich den Stockmeißel an und knacke die Zargen auseinander. Ich lasse es knacken und warte, bis sich das Aufbrausen der Bienen gelegt hat, bevor ich die oberste Zarge abhebe. Die Abdeckung lasse ich drauf.

In der Regel ist die oberste Zarge gefüllt mit Honig.

honeybox.jpg


Diese kann geerntet werden, wenn die Bienen fleißig waren und eine zweite Zarge mit Honig gefüllt haben. Eine volle Zarge Honig benötigen die Bienen für den Winter und sollte ihnen belassen werden. Ist die zweite Zarge von oben halb mit Honig und halb mit Brut gefüllt, dann ernte die erste Zarge und füttere etwas Honig oder Zucker zurück, so daß sich die obere Zarge mit dem Auslaufen der Brut komplett mit Winterfutter füllt.

Die Zargen werden nach und nach abgenommen und auf die Seite gestellt. Ich stelle die Zargen auf das Kissen, wobei ich die Zargen inspiziere, indem ich sie auf die Seite drehe - wie bei einenm Stülper, nur daß die quadratische Zarge nicht wegrollt. ;) Die Waben brechen nicht. Doch: Je frischer die Waben sind, desto vorsichtiger mußt Du beim Umdrehen sein. Und Du mußt am besten über die Stirnseiten der Waben drehen, also so, daß die Waben senkrecht stehen und nicht waagrecht liegen. Wie im Bild.

Irgendwann stößt Du auf die Brutzarge.

broodbox.jpg


Das hier ist die unterste Brutzarge und fast ausgebaut. Dicht gepackt mit Bienen. Und so muß es auch sein.

from_beelow.jpg


Das ist eines der Geheimnisse des Stabilbaues - daß die Wabengassen geschlossen sind und die Bienen die Wabengassen mit ihren Körpern abdichten können. Die Bienen bleiben sehr ruhig bei der zargenweisen Arbeit. Nur wenn die Wabengassen aufgelöst werden (Wabe ziehen) und Du an der Brut rumfummelst, werden sie stinksauer. Selbst das Umdrehen und auf die Seite stellen - kaum Aufregung.

Manchmal stößt Du auf eine Zarge, die nicht ganz ausgebaut ist, in der weniger Bienen zu finden sind und keine Brut. So wie in diesem Fall hier:

halfdrawn_comb.jpg


Aus welchen Gründen auch immer, verweigert die Königin in diese Zarge hinabzusteigen und dort Brutflächen anzulegen. Ob die Zellen zu groß gebaut sind, sie schlecht riechen - oder was sonst auch immer. Die Königin wird diese Zarge erfahrungsgemäß auch im nächsten Jahr nicht annehmen, die Bienen werden eher schwärmen.

In diesem Fall handelt es sich um ein Schwarm aus diesem Jahr, der jetzt auf 1 1/2 Zargen sitzt, wobei die obere Zarge zu 2/3 mit Honig und zu 1/3 mit Brut besetzt ist. Die untere Zarge enthält mehr oder weniger leere Zellen. Diese Zarge habe ich jetzt einfach nach oben getauscht. Zarge mit Brut und Honig nach unten, die Zarge mit den Leerwaben nach oben. Wenn die Königin dorthinein keine Eier legen will, dann taugt das Wabenwerk nur noch für die Lagerung der Wintervorräte. Leere Zellen über Kopf können die Bienen nicht leiden, weswegen sie a) die Waben jetzt mit Winterfutter volltragen und b) die Zarge jetzt komplett ausbauen werden. Ganz nach oben habe ich den großen Fütterer gesetzt. Diesen beschicke ich mit Zuckerwasser 1:1, weil sich dieses besser für den Bau von Waben eignet. Bis Mitte/Ende September, dann füttere ich den Rest auf. (Hier am Niederrhein ist etwas länger warm.)

Der ideale Wintersitz sieht wie folgt aus:

- Die Bienen sitzen auf zwei Zargen.
- Die oberste Zarge ist komplett gefüllt mit Honig. (Circa 12-14 Kilogramm Honig, plus Gewicht der Zarge.)
- Die unterste Zarge besteht idealerweise aus leeren Waben. (Vorher Brut.)
- Mäuseschutz ab den ersten kalten Nächten. (Unter 10°C.)

Die Bienen benötigen in der unteren Zarge leere Waben, damit sich die Heizerbienen hineinlegen können. Außerdem müssen sie so nicht den Honig mitheizen. Die Bienen sitzen idealerweise mit der Traube in den leeren Waben und mit dem Kopf der Traube stecken sie im Honig. Sozusagen eine Honigkappe.

In sehr kalten Gegenden mit sehr langen Wintern werden drei Zargen benötigt, wovon mindestens zwei mit Winterfutter gefüllt sein müssen. Hier gibt es Berichte aus Kanada und Alaska. Ein großes Problem in diesen Breitengraden ist das herabtropfende, vorher gefrorene Kondenswasser. Weswegen die Beuten dort oben ein kleines Lüftungsloch erhalten. Die Beuten werden dort in schwarzer Teerpappe eingewickelt. Das ist aber nur in Gegenden mit sehr kalten und langen Wintern notwendig.

Es ist des Weiteren darauf zu achten, daß Schnee nicht die Fluglöcher verstopfen kann. Entweder durch einen vorgestellten schwarzen Dachziegel, oder eine Art Vordach. Ich selbst setze jetzt vermehrt vertikale Flugbretter ein, wo der Schnee naturgemäß nicht liegen bleiben kann und die Gefahr der Verstopfung nicht gegeben ist.

Bei uns ist es etwas windiger, weshalb ich die Beuten später im Jahr mit Fichtenzweigen bedecke. Auf diese Weise schlägt der Wind nicht so an die Beutenwand und kühlt die Bienen nicht so aus. Das hat sich wunderbar bewährt. (Und hält auch den Schnee vom Flugloch fern.)

Bild

Mit genügend Vorräten bestückt, warm und trocken eingepackt und mit genügend wärmender Bienenmasse geht es in den Winter.

Gruß
Bernhard
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon obi11 » Mo 29. Aug 2011, 13:39

Hallo Bernhard,
zunächst ein Dank für die tolle Zusammenfassung!
Nun war der von mir eingeschlagene diesjährige Schwarm allerdings fleissiger und zimmert grad an der dritten Zarge auch wenn er diese vermutlich nicht mehr fertig stellt.
Normalerweise müsste/sollte ich diese eigentlich entfernen um den "idealen" Wintersitz zu bekommen. Für zwei Zargen erscheint mir allerdings die Bienenmasse zur Zeit noch zu groß und auch hätte ich Bauchweh um die Zeit schon die untere Zarge wegzunehmen ohne zu wissen ob die Weisel nicht da unten nen Kontrollgang macht...
Was spräche eigentlich dagegen die dritte Zarge da zu belassen wo sie ist? Bei schrumpfender Bienenmasse und sinkenden Temperaturen würde sich die Traube ohnehin in der mittleren Zarge bilden. Da weitläufig die Meinung besteht die Bienen würden nicht den Raum sondern die Traube wärmen bin ich versucht dem Volk seine Ruhe zu gönnen und auf 3 Zargen zu überwintern.

Bevor jetzt Neid aufkommt wegen der Bauwut der Immen und dem ereichten Gesamtgewicht > 40 kg. Im nächsten Jahr wirds vermutlich weniger, dann da sind die verlassenen offenen Stöcke in derNähe ausgeräumt und sie werden ihren Honig selber produzieren müssen durch Nektar sammeln. Heuer wussten sie wo der SB Laden geöffnet ist, denn sie kamen ja von dort ;).

LG
Andreas

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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Mo 29. Aug 2011, 14:31

obi11 hat geschrieben:Nun war der von mir eingeschlagene diesjährige Schwarm allerdings fleissiger und zimmert grad an der dritten Zarge auch wenn er diese vermutlich nicht mehr fertig stellt.


Das ist eher normal, zwei bis vier Zargen kann ein normal starker Schwarm schaffen. Je nach Startbedingungen wie alte Königin, Tracht, Wetter usw. usf.

Du wartest einfach noch etwas, bis die unterste Zarge größtenteils von den Bienen verlassen wird. Das kann Anfang Oktober sein. Dann die Zarge wegnehmen und etwas ausräuchern, abdecken und mit Schlupfloch stehen lassen. Die Bienen fliegen dann ab. Gegen Abend geht das meist schneller (17 Uhr).

Du könntest alternativ auch eine Bienenflucht einsetzen - gesetzt der Fall, daß die Zarge zwar Waben, aber keine Brut enthält. Wenn Brut drin ist, werden die Bienen sich nicht mehr rausbewegen.

Jedenfalls sind zwei Zargen sichtbar besser. Ich habe zu Anfang mal Versuche gemacht, die Bienen auf drei und vier Zargen zu überwintern. Die Bienen sind immer schlechter aus dem Winter gekommen, als die Zweizarger. Woran das liegt, kann ich Dir nicht genau sagen. Ich habe das in den letzten Jahren nicht weiter verfolgt, sondern immer auf zwei Zargen runtergebracht.

Die überschüssige Zarge kannst Du dann im Frühjahr wieder untersetzen. Wenn die Zellen jedoch groß erscheinen, oder sogar Drohnenzellen sind, dann setze sie im Frühjahr auf, dann können sie die Frühtracht dort einlagern.

Wegen der Bienenmasse mache Dir keine Sorgen. Die Bienen können bessere ihre Kräfte auf die zwei verbleibenden Zargen konzentrieren: Propolisieren, Aufräumen und Wärmen. Die Wabengassen sind so pickepacke-voll mit Bienen. Bis zur Brutpause hält diese Masse die bis dahin schlüpfende Brut schön warm. Während sie sich in drei Zargen immer verteilen und auch mal in leeren Ecken "abhängen".

Gruß
Bernhard
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon obi11 » Mo 29. Aug 2011, 19:10

Hallo Bernhard,
dann werd ich die wohl doch noch einmal ärgern müssen, auch wenns mir lieber ist die hängen drinnen ab als draußen in Form von Bienenbärten an den Segeberger Magazinbeuten :roll: .
Die Bilder von Dir sind von deinen Dachbodenbienen? Ich musste die Idee leider wieder verwerfen, nicht weil mir der Dachboden fehlt sondern weil ich erfahren habe das an dem Standort schon so um die 50 Völker stehen und ich glaub da wirds dann selbst im Naturpark Frankenwald eng mit der Futterversorgung.

LG
Andreas

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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Mi 26. Okt 2011, 18:46

Dem Gemüll in der Schublade zufolge, der nach Wabengassen aufgereiht zu sehen ist, brüten die Bienen bei mir immer noch fleißig. 3 bis 6 Waben Brut. Pollen sammeln sie auch noch. Ob das allerdings so gut ist?

Wie sieht es bei euch aus?

Gruß
Bernhard
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon obi11 » Do 27. Okt 2011, 10:55

Hallo Bernhard,
bei mir im "Osten" ist die Bienensaison vorbei und Bienenflug ist eher die Ausnahme geworden. Die sitzen vermutlich schon schön warm zusammengekuschelt in der Wintertraube.

LG
Andreas

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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon obi11 » Fr 28. Okt 2011, 16:14

Anmerken möchte ich noch das bislang der Kelch der Herbstverluste, die wie ich vielerorts las stark auftreten, bislang an mir vorüber gegangen ist.
es bleibt nun also wieder die Bange Zeit bis zum Frühjahr um wieder alles zum Leben erwachen zu sehen.
Die Winterbehandlung ist wohl die einzige Amtshandlung die bis dahin noch ins Haus steht...

LG
Andreas

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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Do 18. Okt 2012, 10:56

Siehe auch die Winterbedeckung von Milan:

Bild

Milan Bencúr kommt aus der Slowakei. Sein Blog: http://nasapravda.blogspot.com/
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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon mahagugu » Do 18. Okt 2012, 15:35

zaunreiter hat geschrieben:Siehe auch die Winterbedeckung von Milan:
....


die Abdeckung ist nicht gleichmässig ...

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Re: Wintervorbereitungen

Beitragvon zaunreiter » Do 18. Okt 2012, 19:57

Zumindest die Ritzen und Spalten sind abgedeckt. ;) Es wird aber niemand davon abgehalten, die gesamte Seite abzudecken...

Gruß
Bernhard
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