Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Alle Arbeiten rund um die Einwinterung der Bienen im Warréstock. Einfüttern, vereinigen, usw.
Beorn
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Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon Beorn » Fr 10. Jun 2011, 09:47

Hallo,

ich frage mich, ob das Füttern der Bienen mit Zucker bei Warrébeuten nicht dazu führen kann, dass die Ernte bei nächster Gelegenheit mit Zucker "verunreinigt" ist. Besonders ungünstig dürfte ein frühes Füttern wie zum Beispiel beim Füttern von Ablegern und Schwärmen sein. Das Futter wird oben eingelagert, wo die Bienen es auch als letztes oder garnicht verbrauchen. Darum meine Überlegung, wenn man im Sommer Füttern muß, dann nur mit Bedacht und der kleine Fütter sollte reichen, kritische Tage zu überbrücken.
Besser schaut's mit dem Füttern im Herbst aus, da eine Honigkappe vorhanden sein sollte und zugefütterter Zucker relativ weit unten eingelagert wird, wo er auch als erstes verbraucht wird.

Einfacher ist die Sache mit dem Zucker bei allen Systemen mit Brut- und Honigraum. Es wird nur Honig aus dem Honigraum geerntet, welcher nur dann aufgesetzt werden sollte, wenn das Volk stark und wohlversorgt im Brutraum sitzt. In dieser Zeit wird nicht gefüttert. Nach der Ernte wird der Honigraum abgenommen oder verschlossen und es kann gefüttert werden. Einmal im Brutraum verdeckelt sollte eingefütterter Zucker nicht in den Honigraum gelangen.

Und wenn's mal im Sommer länger regnet und der Urlaub steht vor der Tür oder wenn ein Ableger gepusht werden muß - dann würde ich für meine Warrébeuten Futterteig verwenden, welcher eine kontinuierliche Notversorgung über mehrere Tage sichert und auch keine Räuber anlocken sollte. Ein flachgelegter aufgeschnittener Tetrapack könnte reichlich ein Kilo Futter aufnehmen, beim kleinen Fütterer ist es wahrscheinlich die Hälfte. So würden die Bienen weiter brüten und bauen, ohne gleich groß für den Winter einzulagern.

Grüsse,
Micha

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zaunreiter
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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon zaunreiter » Fr 10. Jun 2011, 10:15

Die Schwärme werden mit Flüssigfutter gefüttert und setzen das Futter eher in Waben um, als in Vorräte. Selbst wenn das Futter als Vorrat angelegt werden sollte, so kann man diese Zarge im Folgejahr einem kleinen Schwarm geben, damit dieser damit bauen kann.

Auch in anderen Systemen ist davon auszugehen, daß der Zucker auch im Honigraum landet. Im Bienenstock verteilt sich alles, was reinkommt.

Eine andere Problemstellung sehe ich eher in der Mikrobiologie. Das Füttern mit Zucker verändert vermutlich den pH-Wert im Bienenstock mit den entsprechenden Folgen für Mikroben. Einige Mikrobenarten profitieren von den Veränderungen, andere wiederum werden gehemmt. Die eher eintönigen Zuckerarten der Zuckerfütterung sind ebenfalls bedenklich, da sie hauptsächlich schnellwachsende Mikrobenarten fördern. Das kann durchaus nachteilig für die Bienen sein.

Auf der anderen Seite ist zu beobachten, daß gefütterte Bienen auch viel mehr Aktivität zeigen und mehr Flugmannschaft bereitstellen können, die auch bei schlechterem Wetter Pollen und Nektar hereinholen. Und so im Endeffekt mehr Nährstoffe erlangen, als die nicht gefütterten, die aus Energiemangel zuhause bleiben müssen.

Ergo: Alles hat Vor- und Nachteile!

Die Zuckerfütterung sollte vermieden werden, meiner Meinung nach. Weitestgehend. Besser ist es, wenn man Rückgriff auf den Honig zwei- oder mehrjähriger Völker hat und dort Waben oder Zargen entnehmen kann. Bis es jedoch soweit ist, ist die Zuckerfütterung durchaus eine Option.

Daß Zucker den Honig "verunreinigt", halte ich für übertrieben. Spätestens im Frühjahr werden die Vorräte aufgebraucht, gerade bei dem doch beengten Warréstock. Und wenn dann noch eine Zarge mit Zucker übrig bleibt, dann wird diese eben für einen Schwarm wiederverwertet. Jedenfalls mischt sich da meiner Beobachtung nach nichts mit neu hereinkommender Tracht!

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Beorn
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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon Beorn » Fr 10. Jun 2011, 10:41

zaunreiter hat geschrieben:Daß Zucker den Honig "verunreinigt", halte ich für übertrieben. Spätestens im Frühjahr werden die Vorräte aufgebraucht, gerade bei dem doch beengten Warréstock. Und wenn dann noch eine Zarge mit Zucker übrig bleibt, dann wird diese eben für einen Schwarm wiederverwertet.



Ich hatte mal ein Volk, dass habe ich im Frühjahr "heroisiert", sprich a la Warré leergeräumt. Am Ende hatte ich drei Kilo "Honig". Da man die heroische Methode zu einer Zeit anwendet, in der Tracht vorhanden ist, bezweifle ich, dass der "Honig" noch aufgebraucht worden wäre. In der Regel arbeitet man ja mit seinem Volk nicht am Futterlimit.
Ich hatte nach dem letzten Winter "Honig" aus dem Brutraum von Hinterbehandlungsbeuten übrig, welchen ich jetzt zum Füttern verwende. Aber wie gesagt, ganz wohl ist mir bei der Sache nicht, der Zucker ist dann ersteinmal im System drin. Am besten ist wirklich, auf Zuckerlösung zu verzichten oder sie nur sehr vorsichtig einzusetzen, vor allem bei Warré.

immenfreund_20
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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon immenfreund_20 » So 26. Jun 2011, 22:23

Ist es auch möglich mit Honig und einer Futterzarge zu füttern oder nehmen die Bienen das nicht an?
Warre schrieb in seinem Buch das er alle Zargen die Brut anhalten komplett für die Überwinterung lässt und gelegentlich ergänzt. Macht ihr das auch so oder schaut ihr nach dem Gewicht ob es genügend Vorräte gibt oder nicht?

Vielen Dank

Lasse

Beorn
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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon Beorn » Mo 27. Jun 2011, 07:55

Füttern mit Honig ist prima, wenn man welchen hat. Im Sommer sollte man von unten mit dem kleinen Fütterer abends füttern, dann ist am Morgen alles aufgebraucht und man lockt keine Räuber an. Ausserdem "zieht" man die Bienen nach unten, was dem Ausbau nach unten dient. Honig sollte verdünnt werden, sonst dauert die Aufnahme länger. Aber wenn ich die Beute in der Nähe stehen hätte, würde ich den Honig auch weniger verdünnt, dafür in kleineren Mengen geben, da er langsamer aufgenommen wird.
Im Herbst wiege ich die Beute (zwei Zargen mit Boden und Tuch oben drauf, ohne Dach) mit einer Sackwaage und schaue, ob Vorräte von ca. 10 kg da sind. Wenn nicht, wird von oben mit dem großen Fütterer zugefüttert. Invertierter Zucker sollte ok sein, wenn man nicht gerade viel Honig übrig hat. Normaler Zucker ... nicht so optimal, die Bienen haben mehr Arbeit und können sich nicht für den Winter schonen.
Großer Fütterer von oben im Sommer - hat Warré nicht empfohlen und würde ich nicht machen.

Für den Winter reicht es, wenn man den Bienen die untersten zwei ausgebauten Zargen läßt, sie auf zwei Zargen überwintern. Wenn die unterste nur wenig ausgebaut ist, würde ich vorsichtig sein und drei Zargen für den Winter lassen. Wenn das Volk sehr klein ist und nur etwa eine Zarge plus ein paar Wabenansätze in der zweiten Zarge hat, dann kannst Du das Volk mit einem anderen vereinigen oder es doch mit dem kleinen Volk versuchen. So ein Minivolk ist hier schon gut durch den Winter gekommen und hat dabei nur wenig verbraucht. Aber an Minivölker hat man nicht viel Freude, es wird im nächsten Jahr kein Wirtschaftsvolk sein.

Vorsicht mit Räuberei, die kann Dich Dein Volk kosten. Also nicht um die Beute kleckern, nur abends die Beute mit Futter bestücken und das Flugloch verkleinern. Bei schwachen Völkern reicht ein Flugloch in der Größe, so dass nur eine Biene durchschlüpfen kann. Aber auch Vorsicht, die Beute sollte sich mit dem kleinen Flugloch in der Mittagszeit nicht überhitzen, der Standort sollte im Hochsommer Mittags lieber etwas schattig sein oder das Flugloch muß doch etwas größer sein.

Grüsse,
Micha

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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon immenfreund_20 » Mo 27. Jun 2011, 12:40

ALles klar.
Das hat schonmal einige Fragen zum Füttern beantwortet.
Ist es denn schon im Sommer nötig zu füttern oder eher gegen Spätsommer nach der Ernte um den Bienen auf den Winter vorzubereiten?

Vielen Dank schonmal

Lasse

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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon Beorn » Mo 27. Jun 2011, 13:15

Ich würde im Sommer nur Füttern, wenn Not herrscht - (a) der komplette Honig ist von Räubern geholt oder (b) extreme Trachtlücke. Fall (a) erkennt man an Räubern, leeren Waben und/oder wenn alles weg ist, auch durch ein Blick von oben unters Tuch, wenn da keine verdeckelten Zellen mehr zu sehen sind. Extreme Trachtlücken kenne ich als Stadtrandimker zum Glück nicht, aber laut einem alten Imkerbuch soll eine Dauerreizfütterung mit Trockenzucker (Futterpaste oder Honig:Zucker 1:10 bis 1:20) helfen. Keine Ahnung, ob konventionelle Imker nach dem Abschleudern schon im Juli die Wintereinfütterung durchführen, aber ich glaube im August ist dies schon der Fall.

Da Warréaner eigentlich nur den Überschuss ernten, dürfte das Volk schon mal nicht verhungern. So zeitig im Jahr würde ich höchstens etwas Futterpaste geben, wenn sie wirklich nichts mehr finden. Bei Ablegern, die trotz geringer Tracht noch bauen sollen, ist eine Dauerreizfütterung wahrscheinlich schon nicht schlecht.

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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon obi11 » Mo 27. Jun 2011, 15:15

Hallo,
wie Beon schon schrieb würde ich erst zum Trachtende bzw in Trachtlücken füttern. Da dies regional unterschiedlich ist würde ich da kein pauschales Datum nennen. Berlin summt... hier bei mir momentan massiv die Linden und wenn ich jetzt noch füttern würde, dann würden die Mädels vemutlich depressiv :roll: .
Was ich noch zu bedenken geben möchte ist, das zu Warrés Zeiten die Varoa kein Thema war und er somit auf die Behandlung verzichten konnte. Wir können dies heute leider nicht mehr und die erste Behandlung steht eigentlich bald ins Haus :roll: . Somit ist das Thema Honigernte im Spätsommer, wie es Warré praktizierte glaub ich nicht mehr ganz aktuell

LG
Andreas

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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon specht » Di 1. Apr 2014, 07:45

zaunreiter hat geschrieben:Daß Zucker den Honig "verunreinigt", halte ich für übertrieben. Spätestens im Frühjahr werden die Vorräte aufgebraucht, gerade bei dem doch beengten Warréstock. Jedenfalls mischt sich da meiner Beobachtung nach nichts mit neu hereinkommender Tracht!


Hallo Bernhard,

heißt verunreinigt geschmacklich verfälscht?
Würde man das überhaupt schmecken, wenn ein klein bisschen Zucker im Honig ist?

Grüße, Marcus

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Re: Warré und Füttern - das Problem mit dem Zucker

Beitragvon zaunreiter » Di 1. Apr 2014, 09:47

Mit einem gut geschulten Geschmackssinn schmeckst Du das heraus, ja. Du mußt einfach regelmäßig deine Finger in die Honigwaben popeln und daran lecken. Das Gleiche mit Futterwaben. Dann schmeckst Du den Unterschied irgendwann. Ein Otto-Normalmensch wird den Unterschied nicht schmecken.

Wer das Problem umschiffen will, der überwintert auf Honig und füttert nur den Rest mit Zucker auf. Das nachgereichte Futter wird zuerst aufgebraucht. Last in - first out würden die Programmierer unter uns sagen.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.


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