Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
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Rumpel
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon Rumpel » So 13. Mär 2016, 17:10

Da fragt man sich,

Pyrethroide : https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrethroide
Andre Länder,andere Sitten, oder doch nicht. :)
Gruss Jörn
Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.
Johann Wolfgang von Goethe

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jonas
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon jonas » Mi 4. Mai 2016, 18:05

Ein paar Dokumente aus England:

der Imker Ron Hoskins:
https://www.youtube.com/watch?v=DUFDXl8VGvs
Und eine Studie über DWV als PDF:
usir.salford.ac.uk/36907/1/ismej%20SEI%202015.pdf

Und die Webseite von nicht behandelnden Imkern:
http://www.swindonhoneybeeconservation.org.uk/

Grüße,
Jonas

wonderfool
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon wonderfool » Fr 6. Mai 2016, 08:56



Das finde ich ein sehr interessantes Video. Es gibt ja immer wieder Berichte über Imker die nicht behandeln und damit erfolgreich ihren Bestand halten oder sogar vergrößern. Mich würde an dieser Stelle interessieren ob die alle ebenfalls Variante B des Virus haben.

Abgesehen davon frage ich mich, einerseits, wie viel Zusammenhang besteht mit dem Hygiene-Verhalten der Bienen und andererseits wie könnte man ggf. die Variante B des Virus befördern. Gibt es vielleicht irgendwann B-Varroa zu kaufen, analog einer Impfung? :D

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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon zaunreiter » Sa 7. Mai 2016, 08:43

Distance between honey bee Apis mellifera colonies regulates populations of Varroa destructor at a landscape scale

Maxcy P. NolanIV, Keith S. Delaplane
DOI: 10.1007/s13592-016-0443-9
Apidologie pp 1-9, 2.5.2016
http://link.springer.com/article/10.100 ... 016-0443-9

Grobe Übersetzung des Abstracts

Die Entfernung zwischen den Beuten der Honigbiene Apis mellifera beeinträchtigt signifikant die Populationszahlen der parasitären Milbe Varroa destructor. Wir setzten 15 Bienenstände auf, die jeweils aus zwei Völkern bestanden. Die Völker wurde paarweise angeordnet, mit Abständen von 0, 10 oder 100 m. Die Bienenvölker wurden fast milbenfrei gemacht, dann wurde ein Volk in jedem Paar mit 300 weiblichen Milben geimpft (Milbenspendervolk), während die anderen Völker (Milbenempfängervolk) ungeimpft geblieben. Nach 4 Monaten Überwachung zeigte eine Analyse anhand eines ganzheitlichen Modells, dass Bienenstände, in denen Völker 100 m voneinander entfernt waren, durchschnittlich niedrigere Milbe Zahlen enthalten als Bienenstände mit 0 oder 10 m Abstand. Es gab Interaktionen zwischen der Art des Bienenvolkes, der Entfernung und des Probenahmetermins; jedoch, wenn es erhebliche Unterschiede gab, waren die Milbenzahlen immer niedriger bei Bienenständen mit 100 m Abstand als Bienenstände mit 10 m Abstand. Diese Ergebnisse stellen die Möglichkeit heraus, dass die Varroa-Populationen sich anhand der Ressourcen in der nahen Umgebung reguliert: nah benachbarte Bienenvölker sind eine Ressource für die Fortpflanzung der Milben in Form von zusätzlichen Bienenbrut.
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon Theophanu » Sa 7. Mai 2016, 09:24

Danke, das ist ja mal wieder spannend.
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon jonas » Mi 15. Jun 2016, 10:41

Studie von T. Seeley (ich glaube es wurde noch nicht hier geteilt):
http://journals.plos.org/plosone/articl ... ne.0150362

Bienenvölker in kleine Bienenkästen mit 42 Liter überleben besser als die in großen Kästen (bis zu 168L).

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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon bernjo133 » Mi 15. Jun 2016, 15:33


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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon zaunreiter » Sa 24. Dez 2016, 00:22

Freilebende Bienenvölker im Wald: Genetik u. Selektion (und wie sie ohne Behandlung gegen Varroa überleben)

Vortrag von Professor Thomas D. Seeley bei der Mellifera-Fischermühle. Auf Englisch.


https://www.youtube.com/watch?v=NVj4A6F1D_s
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon zaunreiter » Di 27. Dez 2016, 22:28

Professor Seeley hat in seinem Vortrag bei der Mellifera die Resultate seiner Forschungen vorgestellt, wo es um die Frage geht, warum die wilden Bienenvölker die Varroa ohne Behandlung überleben (beziehungsweise eine Resistenz entwickeln) und von Imkern betreute Bienenvölker nicht. Er konnte zumindest für die Drohnen zeigen, daß es bei wilden Völkern keinerlei Verflug gibt, also 0 %, während der Verflug bei kurzem Abstand von Volk zu Volk 43 % beträgt. Es gäbe zwar auch Räuberei bei den wilden Völkern, aber keinen Verflug. Die Völker sind unter wilden Verhältnissen im Schnitt 850 Meter voneinander entfernt. Ohne Verflug kann sich die Varroa nur von Muttervolk auf die Tochterschwärme übertragen. Deswegen sterben virulente Varroen (und Viren) mit dem Wirtsvolk aus. Während gemäßigtere Milben von Muttervolk auf das Tochtervolk übertragen werden. Die "eng" aneinander gereihten Völker hingegen ermöglichen es den Varroen (und Viren) virulent zu sein, sich also maximal zu vermehren. Weil sie eben bei einem sterbenden Volk ausziehen und in ein benachbartes Volk einziehen können.

Das Schwärmen teilt nicht nur die Bienen in einem Volk, es teilt auch die Varroapopulation des Volkes. Wenn die Völker weit auseinander stehen und es nicht zur Verbreitung über Verflug kommt, ist der Schwarm ein wichtiger Faktor zur Reduzierung der Varroapopulation auf ein gesundes Maß. Dieser Effekt des Schwärmens funktioniert nicht, wenn die Völker alle beieinander stehen.

Professor Seeley konnte des Weiteren zeigen, daß natürliche Nester circa 30-60 Liter Volumen haben. Eine Warrébeute hat 36 Liter mit zwei Magazinen. Oder 54 Liter bei drei Magazinen. In solchen Baumhöhlen ist der Durchmesser meist nur 20 cm. Die Warré ist da schon sehr nah dran. Diese engen Verhältnisse unter natürlichen Bedingungen haben zur Folge, daß die wilden Völker kaum über 10.000 Bienen in der Spitze haben und genauso wenig Brut. Die Varroamilbe hat hier nicht die Möglichkeiten zur Vermehrung wie in anderen herkömmlichen Beuten, wo alleine im Brutnest schon 50.000 Brutzellen zur Verfügung stehen.

Die Bienenvölker in den Warrébeuten bleiben auch etwas kleiner, vor allem im Winter sind die Brutnester und die Bienenmasse kleiner. Durch die Enge, entwickeln sich die Völker im Frühjahr in der Warré aber sehr gut und sehr schnell. Das ist ein Vorteil für die Warré und der wird sich irgendwann auszahlen.

Laut Professor Seeley überlebten 8 von 12 Bienenvölkern, die permanent in kleinen Bienenbeuten gehalten wurden und die nicht weit über 10.000 Bienen hinausgekommen sind. Von den Völkern in den großen Beuten überlebten nur 2 von 12 Völkern. (Alle Bienenvölker wurden nicht gegen die Varroa behandelt.) Das Kleinheit eine Strategie des Bienenvolkes sein kann, hat ja auch schon Martin Dettli aus der Schweiz in seinen Forschungen gezeigt. Allerdings war die Honigernte auch genauso grottig: bei den kleinen Bienenvölkern konnte kaum/kein Honig entnommen werden, während die großen Bienenvölker viel Honig hatten. (Die Trachtstärke eines Bienenvolkes fängt bei 20.000 Bienen an, und ist erst ab 30.000 Bienen wirtschaftlich interessant.)

Professor Seeley berichtet außerdem, daß das Propolis eine Rolle spielt, da es die Überlebensfähigkeit der Völker ohne Behandlung verbessert. Auch hier bietet eine Warrébeute im Stabilbau eine bessere Grundlage, als die mit Rähmchen ausgestattete Beute. Weil die Bienen die Waben zur Wand hin mit Propolis einschmieren.

Bild

Hier im Klotz gut zu sehen:

Bild

Bild

Bei Rähmchen ist aber keine Wand. Da ist nur ein Luftspalt. Während die Bienen also in der Rähmchenbeute wenig propolisieren, ist Propolis in den Warrébeuten doch wesentlich stärker aufgebracht.
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon zaunreiter » So 29. Jan 2017, 09:06

Knapp 17 Jahre der Versuch von Johani Lunden eine varroafeste Biene zu züchten. Zusammenfassung auf Englisch hier: http://www.saunalahti.fi/lunden/varroakertomus.html
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Ich summe, also bien ich.


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