Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
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zaunreiter
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Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon zaunreiter » Do 4. Nov 2010, 13:59

Was heißt für euch „Nicht-Behandeln“ ?

A - ohne jegliche Chemie

B - nur mit Hilfe einer Biologischen Betriebsweise z.B. Fangwabe, komplette Brutentnahme usw.

C - striktes Nicht-Behandeln


D = Definitionssache
Ein "echtes" Nichtbehandeln schließt alle imkerlichen und menschlichen Eingriffe jeglicher Art aus, was einer Bienenkolonie in der Wildnis fern der Menschheit entspräche.
Das hört sich nach Wortklauberei an, aber es ist einfach wichtig zu verstehen, daß alleine die Einflüsse unserer Unkulturlandschaft enorm sind, indem sie vor allem die Nahrung negativ beeinflußt. Das alleine hat große Auswirkungen auf den Bien als Gesamtheit des Bienenvolkes. Die Nahrung jedoch ist die Medizin für alle Lebewesen und sie ist es auch, die eine Ausgeglichenheit schafft. Allein diese Tatsache ist es, daß wir bereits zu den Behandlern gehören.

Sobald die Bienen dann auch noch in unserer Obhut sind, nehmen die Beeinflussungen und damit die Behandlungen des Biens weiter zu. Wir bestimmen den Standort, wir bestimmen Material der Beute usw. usf. Auch das ist Behandlung.

Wieder hört sich das nach Wortklauberei an - aber es ist wieder wichtig zu verstehen, daß alles, was wir mit den Bienen anstellen, seine Wirkungen auf den Bien hat. Schon weit bevor wir zu Medikamenten greifen, haben wir die Bienen also behandelt.

Daß wir überhaupt zu Medikamenten greifen müssen - ist das eine Folge aus unseren vorherigen Behandlungen?

Das ist die Kernfrage derjenigen, die sich mit dem Nichtbehandeln beschäftigen, wobei Nichtbehandeln ein falscher Begriff ist und korrekterweise eher Wenig-aber-gut-behandeln heißen müßte.

Um der Kernfrage nachzugehen, welche Wirkungen unsere Handlungen als Imker auf die Bienen haben, sind einige der Imker, die sich damit befassen, hingegangen, und haben Schritt für Schritt die Behandlungen (Eingriffe) reduziert, um herauszufinden, welcher Eingriff oder welche Be-Handlung nun Ursache ist für die schweren gesundheitlichen Störungen.

Soweit ich das verfolgen konnte - und so stellt sich das auch mir selbst dar - gibt es keinen einzelnen Eingriff oder Behandlung, die als alleinige Ursache herangezogen werden kann. Vielmehr zeigt es sich, daß es die Summe aller Eingriffe, Einwirkungen und Maßnahmen ist. Sozusagen Tropfen für Tropfen füllt sich das Faß, bis es mit einem einzigen weiteren Tropfen beginnt überzulaufen.

Mit dieser Einsicht an der Hand fingen also eine ganze Menge Imker daran herauszufinden, wie die Bienen gut behandelt werden. Also zu fragen: Was kann ich den Bienen Gutes tun? Hier orientieren sich einige Imker, die ich kenne, an dem Zustand eines wilden Volkes, wobei vor allem die Arbeiten von Morse und Seeley herangezogen werden, die ihr Leben lang solche wilden Völker beobachteten und sezierten.

Es gibt also schon einiges, was sich da Gutes machen läßt. Allen voran ist der von mir geliebte Stabilbau eine gute Tat den Bienen (doch auch hier nicht allein entscheidend).

Trotzdem erlitten viele Imker, die sich mit Herz und Verstand um ihre Schützlinge kümmerten, immer wieder mal herbe Rückschläge. Dazu unten weiter mehr und konkretes.

Das warf viele Fragezeichen auf.

Weil man den Bienen im Innern des Bienenstockes alles Recht gemacht hat und wieder Probleme auftraten, ist man auf die Idee gekommen, die Einwirkungen von außen zu untersuchen.

Wieder suchte man die einzelne Ursache, die Ursache schlechthin unter vielen Faktoren. Angefangen von Pestiziden, von Klimaveränderungen, von Monokultur und Nahrungsarmut.

Wieder zeigte sich, daß auch hier eher die Summe der Behandlungen ausschlaggebend ist und wieder ein überlaufendes Faß vorzufinden ist.

Um es kurz zu fassen: Kein Lebewesen steht alleine für sich in der Welt da, auch die Bienen sind in ein Netzwerk von Lebewesen eingeflochten.
Da die Menschheit als Ganzes seine Umwelt und die Lebewesen schlecht behandelt, und hier ist vor allem die Landnutzung mit ihrer Bodenveränderung an erster Stelle zu nennen, steuern wir auf einen Kollaps zu. Die Bienen sind nur ein Kanarienvogel, wie sie früher mit in die Minen getragen wurden, denen vor uns der Lebensstoff ausgeht.

Kein Medikament, keine biotechnische Maßnahme wie das Drohnenschneiden oder kleine Zellen - noch nicht mal die gute Behandlung durch den Imker der Bienen wird diese Entwicklung aufhalten können. Auch eine Resistenzzucht wird nicht gegen die schlechte Behandlung der Natur durch den Menschen helfen. Ich verweise hier nur auf die allgemeinen Probleme aller Bestäubungsinsekten und aller Lebewesen, die einem wahnwitzigen Artensterben ausgesetzt sind.

Die Menschheit begeht aber vor allem einen Fehler: sie behandelt (also wirkt ein) den Boden schlecht. Der Boden ist aber die wichtigste Lebensgrundlage schlechthin, denn in ihm wird die Nahrung produziert, von dem sich die Lebewesen nähren. Hierüber schreibe ich zurzeit einen kleinen aber detaillierten Aufsatz im Zusammenhang mit Bienen.

Die Quintessenz ist:

- Es gibt keine Nichtbehandlung. Die Behandlung durch die Menschheit und durch den Imker ist immer gegeben.
- Wenn also immer behandelt wird, dann wenigstens gut. Orientierung an der Natur, so gut wie sie sich in die Gegebenheiten einbinden läßt.
- Die Einflüsse von außen sind zu stark.

Die Hoffnung und der Mut sinken ob solcher Erfahrungen und Einsichten, denn die aufgehäuften Probleme sind gigantisch. Selbst auf Ebene der Geologie der Kontinente hat die Behandlung des Bodens durch den Menschen seine Auswirkungen - gigantisch! Und die Hoffnung sinkt zu Recht.

Meine persönliche Meinung ist, daß da nichts mehr zu retten ist. Ich bin jedoch Pessimist im Geiste und Optimist in der Tat.


* Wie sind eure Erfahrungen auf dem Gebiet?


Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind gut. Gut deswegen, weil ich aktiv bin, jeden Tag etwas Neues hinzulerne und der Ohmacht des Passiven entflohen bin.
Lernen hat immer etwas mit Fehlermachen zu tun und die beste Art zu lernen ist, die Fehler, die bereits Andere gemacht haben, nicht zu wiederholen oder deren Auswirkungen zumindest zu mildern. Ich persönlich habe mich stets mit anderen zusammengetan, wobei mir hier die Englischkenntnisse zu Gute kommen, wodurch ich in regen Kontakt mit vielen Imkern im englischsprachigen Raum stehe, die sehr aktiv die Besserbehandlung betreiben und dabei zu einem großen Teil auf Medikamente jeglicher Art verzichten. Ich konnte viel lernen und übernehmen, was vor allem der Offenheit entsprang, mit der die Erfahrungen dort ausgetauscht werden. Wir sind in Deutschland auf gutem Wege, diese Offenheit zu entwickeln, womit allen Beteiligten, vor allem den Bienen geholfen wäre.


* Wie setzt sich die Betriebsweise zusammen?


Die Betriebsweise ist nebensächlich.
Es kommt darauf an, alle seine Handlungen, Eingriffe und Wirkungen zu optimieren und miteinander in Harmonie zu bringen, so daß sie dem Bien gut tun.
Das Problem mit der Minderwertigkeit der Nahrung, die ja aus der Landschaft/Bioregion gesammelt wird und dessen Bestandteile ein Abbild des Bodenzustandes sind, bleibt aber ungelöst.

* Wie lange macht ihr das schon?


Persönlich gehe ich ins (verflixte?) siebte Jahr der guten Behandlung. Andere Erfahrungsträger machen das schon vier oder auch schon zwanzig Jahre. Im englischsprachigen Raum sind es etwa 500 Imker, die auch schon vier, fünf oder zehn Jahre ohne Medikamente auskommen. Ich selbst ernte nur für meinen eigenen Bedarf etwa 30 Kilogramm pro Jahr, andere jedoch haben ganz normale Ernten. Die Bienen sind mitnichten Mickerlingen, sondern allein wegen der guten Pflege stark.


* und zu guter letzt, wie ist die Überlebensrate?


Die meisten Imker wollen hier Prozente hören. Wenn Du den Schnitt der Erfahrungen aller oben genannten Imker willst: 30 % gehen ein, 70 % überleben.

Prozentwerte sind jedoch nichtssagend. Jemand mit einem Volk wird in einem Winter nicht 30 % Verlust haben und jemand mit hundert Völkern gleicht höhere Verluste schneller aus.

Jemand mit einem einzigen Volk hat höhere Chancen auf 0 % Verlust. Denn er kann sich gut um das Volk kümmern und es beobachten. Und frühzeitig eingreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Dazu ist sicher viel Fingerspitzengefühl notwendig, weswegen gerade Anfänger - aber auch ungeübte Fortgeschrittene - der Imkerei in Schwierigkeiten mit der Nichtbehandlung, besser Gutbehandlung, geraten.

Praktisch bedeutet das, daß Du alle Krankheiten sicher erkennen können mußt. Einer der größten Fehler der Imkerschaft heute ist es, alles auf die Varroa abzuschieben - ich habe die Erfahrung gemacht, daß eben nicht die Varroa, sondern größtenteils die Unaufmerksamkeit des Imkers die Schuld am Zugrundegehen eines Volkes ist. Größtenteils bedeutet größtenteils, nicht mehr und nicht weniger. Die Varroa ist nur in geringen Fällen der wahre Urheber von Problemen eines Volkes. Ich will nicht damit nicht sagen, daß sie keine Probleme bereitet, nur daß allgmein die pauschale Diagnose Varroatose viel zu schnell getroffen wird. Dabei sind viele Anzeichen anderer Krankheiten der Anzeichen der Varroatose sehr ähnlich.

Praktisch bedeutet das auch, daß Du auch die normalen Zeichen eines Volkes deuten lernen mußt, was wiederum Zeit und Muße für Beobachtungen erfordert. In der heute hektischen Zeit und bei einer Vielzahl von Völkern, die alle versorgt werden wollen, kann das schnell zu kurz kommen. Mit den entsprechenden Folgen. Wer hat denn noch einen Klappstuhl vor dem Bienenhaus oder Bienenstand stehen? Wer verbringt denn noch jeden Tag eine halbe Stunde vor dem Flugloch eines Volkes?

Praktisch bedeutet das auch, daß Du bei negativen Anzeichen behandeln mußt. Und hier ist es die Frage, wie Du behandelst. Im Idealfall entdeckst Du eine ungünstige Entwicklung im Frühstadium. Wassermangel. Futtermangel. Brutschäden zum Beispiel durch Unterkühlung. Eine ungünstige Entwicklung des Beutenklimas, allen voran die Feuchtigkeit, welche von den Bienen nicht oder nur wenig reguliert werden kann. Diesen Fehlentwicklungen ist sinnvoll entgegenzuwirken.

Das hört sich wie das kleine Einmaleins des Imkerns an. Ist es auch. Es ist die Grundlage einer guten Behandlung durch den Imker.

Auf diese Weise läßt sich auch den schlechten Einflüssen der Landschaft und des Wetters zum größten Teil entgegenwirken. Auf diese Weise gut behandelte Völker überleben in der Regel ohne Probleme und ohne dauernde medikamentöse Behandlung.

In der Regel bedeutet, daß in einem Intervall von etwa fünf Jahren große Verluste drohen. Das ist ein Durchschnittswert aus der Erfahrung vieler Imker. Die Zahl der natürlich fallenden Varroen schnellen nach oben und die Völker brechen ohne Hilfe zusammen. Da schauen nur wenig untätig zu, sondern unterstützen die Bienen durch Behandlung unterschiedlichster Art. Die Imker mit Rähmchen und Topbarhives gehen vor allem mit Puderzucker vor, indem sie jede Wabe, die mit Bienen besetzt ist einpudern. Und diese Behandlung wird über mehrere Milbenzyklen wiederholt, bis sich der Zustand beruhigt. Andere Imker gehen hin und lösen solche Völker einfach komplett auf. Andere behandeln sehr erfolgreich mit ätherischen Ölen, was durchaus auch mit Zahlen und Werten fallender Milben und von Bienenproben erhaltene Milbenzahlen belegt wird. Die ätherischen Öle werden dabei als Kontaktgifte angewandt, ähnlich wie die anderen herkömmlichen Varroazide.
Einige gehen mit organischen Säuren vor.

Hier sind wir wieder an den Punkt gelangt, wo eine medikamentöse Behandlung vorgenommen wird. Jedoch wird eine dauerhafte medikamentöse Behandlung jedes Jahr vermieden, sondern nur bei tatsächlichen Bedarfsfällen eingesetzt - meist weit bevor es ein Notfall wird! Dazu ist eine gute Beobachtung der Völker notwendig, die über das normale Stockkartensystem und Zählen von Milben hinausgeht.

Die Häufigkeit der medikamentösen Behandlungen ließ sich also stark reduzieren. Die regelmäßig wiederkehrenden Problemjahre, die nicht nur für ein Volk, sondern wie sich zeigt, weltweit (!) auftreten, deuten darauf hin, daß auch die Ursache für diese weltweit auftretenen Problemjahre auf größerer Ebene zu suchen sind.

Dieses Jahr 2010 ist ein solches Problemjahr. Nicht nur hier in Deutschland purzeln die Milben in einer hohen Zahl, auch in England, in den USA, Kanada, Schweden und Spanien. Das ist doch schon sehr bemerkenswert, wenn dies zeitgleich auf der ganzen Welt so vor sich geht.

Entsprechend haben viele der Nichtbehandler/Gutbehandler in diesem Jahr Maßnahmen getroffen. Jeder wählt die Methode, die er am besten beherrscht und auch nachweislich kontrollieren kann.

Das erklärte Ziel ist es, ganz von der Behandlung mit Medikamenten abzukommen. Daher werden jetzt von der losen Nichtbehandler/Gutbehandler-Gemeinschaft zunehmend die Einflüsse von außen untersucht, insbesondere der Einfluß der Nahrung. Hier bin ich nicht der einsame Rufer in der Wüste, wenn ich mich mit den Mikroben im Bienenstock und im Humus des Bodens beschäftige, sondern nur einer von vielen Imkern und auch Wissenschaftlern. Denn Nahrung ist nicht alleinstehend, sondern unterliegt einem Nahrungskreislauf. Der wiederum unterliegt den regionalen Bedingungen, die wieder in globale Prozesse eingebunden sind.

So wie es sich abzeichnet, fehlen der Nahrung (also der Nahrung des Menschen wie der Bienen gleichermaßen, denn Nahrung unterliegt einem Nahrungskreislauf) essentielle Bestandteile, weswegen die Lebewesen, die sich davon ernähren Schritt für Schritt degenerieren, was auch auf die Verbindung der Genetik mit der Nahrung zurückzuführen ist.

Weswegen fehlen aber die Bestandteile? Ganz einfach, weil sie nicht synthetisiert und produziert werden. Warum werden sie nicht produziert? Weil die Lebewesen, die dafür zuständig sind, durch die Bodenbehandlung des Menschen ihrer Arbeit nicht nachgehen können.

Ich hoffe, ich konnte die Situation in Kürze zusammenfassen.

Ich glaube nicht, daß wir die Ereignisse, die jetzt noch folgen werden, aufhalten oder abwenden können. Sie sind folgerichtig und haben bereits eine Eigendynamik entwickelt, wie sie nur in der Natur an Gewaltigkeit entstehen kann. Ich erkenne also die Umrisse der auf uns noch zukommenden Probleme und ... pflanze Bäume. Denn etwas besseres können wir nicht tun.

Es tut mir leid, wenn die Nichtbehandler/Gutbehandler keine bessere Lösung vorlegen können, als oben aufgezeichnet. Es gibt keine Betriebsweise und schon gar keine Beute, welche die Wirkungen der globalen und regionalen Probleme aus der widernatürlichen Bodenbehandlung, der Minderwertigkeit der Nahrung und die fehlenden Zusammenhänge des Nahrungskreislaufes (der damit zur Nahrungsstrecke wird), entgegen wirken kann. Diese Beute und Betriebsweise gibt es nicht.

Was bleibt, ist es eine Kultur zu schaffen, die unseren Bienen gut tut. Diese Kultur gegenüber unseren Bienen auf den Boden auszudehnen, ist ein weiteres erstrebenswertes Ziel. Diese dann auf die Kultur unserer Gesellschaft auszudehnen - das ist Utopie.

Wichtig zu bemerken ist an dieser Stelle, daß Kultur sich dadurch auszeichnet, daß sie die lokalen Begebenheiten berücksichtigt. So ist die Kultur der Gutbehandlung immer eine lokale Lösung. Eine Kultur und dementsprechend Handlungen oder Lösungen für alle Gegebenheiten gibt es nicht. Das liegt einfach daran, daß die Begebenheiten so unterschiedlich sind, daß sie eine lokale Anpassung erfordern.

Zum Schluß noch Anmerkungen für Anfänger und Kulturbegeisterte:

@Anfänger: Wie oben bemerkt, ist Fingerspitzengefühl und Erfahrung notwendig, um das Richtige und Gute den Bienen angedeihen zu lassen. Traut euch eigene Fehler zu machen - aber auch zu erkennen! Und traut euch, den erfahrenen Imkern zu folgen. Oftmals behandeln sie ihre Bienen nicht gut, auch wenn sie es gut meinen. Doch sie sind keine Idioten, sondern besitzen einen reichen Erfahrungsschatz, so daß wir nicht alle Fehler selber durchmachen müssen. Das kleine Einmaleins des Imkerns kannst Du von fast allen alten Imkern erlernen, auch wenn die neue Mode darin besteht, alles der Varroa in die Schuhe zu schieben. Ich selbst habe mir viel selber angeeignet, auch durch intensive Beobachtung und Lektüre. Die Juwelen meiner Erkenntnisse jedoch stammen von alten Imkern, die das "alte Handwerk Imkerei" noch aus eigener Erfahrung kennen. Als Anfänger weiß man es nicht besser als andere Imker. Das hört sich merkwürdig an, doch dem Anfänger steht etwas Zurückhaltung gut zu Gesicht. (Weiß ich jetzt )

@Kulturbegeisterte: Mit Kulturbegeisterte spreche ich die Um- und Einsteiger in die Nicht-/Gutbehandlung an. Wenn ihr tote Völker sehen wollt, dann hört einfach auf zu behandeln. Die Erfahrung vieler Umsteiger zeigt, daß die behandelten Völker bei einem einfachen Unterlassen ohne weiteres Zutun, schon im ersten, spätestens im zweiten Jahr elendig zugrunde gehen. Totalausfall ganzer Stände! Das gilt nicht nur für Vollvölker, sondern auch für Schwärme oder Ableger aus behandelten Völkern.

Es ist daher absolut notwendig, die Völker zu beobachten, was Anzeichen für Krankheiten und Fehlentwicklungen betrifft und je nach Umständen und eigenem Können (!) zu handeln, am liebsten gut zu be-handeln.

Die Erfahrung zeigt, daß Naturschwärme eine signifikant höhere Lebensfreude und entsprechend Überlebensstärke mit sich bringen, wovon die Vorschwärme immer noch am meisten überzeugen. Diese sind also eine gute Grundlage für einen eigenen Um-/Einstieg.

Der Rest ist Handwerk und die Bereitschaft, sich mit den Bienen auseinanderzusetzen. Wieder will ich betonen, daß die Varroa nicht immer die Ursache für Probleme ist - eine genaue Beobachtung bereits vor dem Eintreten von Problemen und eine noch genauere Diagnose von eingetretenen Problemen kann nur von ausgiebigem Nutzen sein.

Persönlich hat es mich ermutigt, aktiv zu sein anstatt passiv. Zu Lernen durch Eigenintiative und dadurch Erfahrung und Sicherheit zu gewinnen. Und kleine Erfolge, die wissenschaftlich bedeutungslos, für mich selbst aber bedeutend sind. Diese Selbstbestimmung wünsche ich jedem.

Ich wünsche allen Lesern hier auch die Erkenntnis, daß die meisten Nichtbehandler eben vielleicht doch Behandler sind, aber Gutbehandler, die ihre Bienen mindestens genauso lieben, wie alle anderen Imker auch. Die sich herantasten und bedächtig vorgehen.

Das von manchen Parolen gezeichnete Bild des Nichtbehandlers, der Anfänger ist und sich über die anderen Imker erhebt, der schlampig arbeitet und ob seiner Verluste eine Völkerdieb ist, hoffe ich hiermit revidiert zu haben. Schwarze Schafe stechen aufgrund ihrer Eigenschaften hervor, sie sind aber nicht stellvertretend für die ganze Herde.

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon bernhart » Do 4. Nov 2010, 15:12

Servus Bernhard,
danke für Deine Ausführungen. Ich bin allerdings etwas verzagt: wie soll ich als Anfänger im 2ten Jahr erkennen, wie es einem Volk geht. Bei dem Volk welches an Varroa eingegangen ist, haben mir zwei Imkerkollegen 8 bzw 3 Wochen vor dem Zusammenbruch noch gesagt, wie vital das Volk nicht aussieht.
lg
Bernhart

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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon zaunreiter » Do 4. Nov 2010, 16:12

Das ist korrekt, es ist schwierig - nicht nur für Anfänger, sondern auch für Fortgeschrittene, wenn es darum geht, von außen ein Volk zu beurteilen.

Letzlich ist es aber kein Hexen- sondern Handwerk. Nicht beeindrucken lassen!

Vielleicht hilft auch die Taschenkarte bei den Beobachtungen. Siehe: http://www.immenfreunde.de/forum/viewtopic.php?f=23&t=67

Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon Ulla S. » Mo 8. Nov 2010, 22:14

Von mir auch vielen Dank für Deine sorgsamen und umfassenden Erklärungen, Bernhard. Danke auch Dir, Markus.
Ja, dem ist von meiner Seite nichts dazuzufügen, als Anfängerin bin ich auf dem Weg. Manchmal ist dieser holperig, führt ins Gebüsch, dann aber auch wieder heraus.
Auch ich lese viel, die Foren im Internet helfen mir sehr. So bilden wir auch eine Gemeinschaft, wie die Bienen, und das ist sehr hilfreich.

Ich habe letztes Jahr mit einer Warré-Beute begonnen, jetzt gehen deren drei in den Winter. Ich begleite sie so gut ich eben kann und versuche, daraus zu lernen.
Ich danke Euch allen für Eure Offenheit und Euren Austausch.
Herzlich, Ulla

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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon zaunreiter » Mi 24. Nov 2010, 12:53

Hier ein Vortrag zum Soft Bond Test:
http://www.apimondia.org/2009/bee-health/symposia/Practical%20varroa%20resistance%20selection%20for%20beekeepers%20-%20KEFUSS%20John.pdf

Eine grobe Übersetzung:
JKefuss_PraktVarrSelektion.pdf
(105.33 KiB) 1152-mal heruntergeladen


Viele Grüße
Bernhard
Cogito ergo summ.
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon fripon77 » So 10. Jul 2011, 11:18

Hallo zusammen,

kleiner Erfahrungs-/Unfallbericht mit ein paar Fragen...

Ich war gestern saumäßig ungeschickt und fühle mich beschissen: beim Aufstellen eines Nassenheider Verdunsters mit Ameisensäure hat sich etwas verhakt und er ist umgekippt, so dass sich geschätzt bis zu 80ml AS von oben über ein Volk ergossen hat. Da blutet einem das Herz und als Anfänger war ich natürlich völlig ratlos. Ich erreichte meinen Imkervater telefonisch, der mitfühlte und Trost spendete. Er meinte, von solchen Pannen erzählt kaum ein Imker, aber fast jedem passieren sie. Ihm z. B. letztes Jahr auch mit zu starker Ameisensäure. Die Bienen wären hart im Nehmen und würden nach seiner Beobachtung die Königin bis aufs Äußerste verteidigen & schützen. Ich könnte jetzt nichts mehr tun außer Hoffen, Beobachten und Warten. Falls im worst case die Königin tot ist, könnte ich in ca. drei Wochen eine neue dazu kaufen, weil es für eigene Nachzucht durch das Volk vermutlich zu spät ist. Stimmt, die Drohnen werden derzeit aus der Beute "gejagt".

Ich saß so lange wie noch nie vor meinen Beuten und Beobachtete... unmittelbar nach dem Unfall war natürlich helle Aufregung/Panik, sehr viele Bienen drängten nach draußen. Es war wirklich schrecklich zu sehen, wie die Bienen gegen den Tod kämpften. Schon nach ca. 90 Minuten waren die Bienen am "Aufräumen": tote und verletzte Bienen wurden übers Flugbrett geschmissen oder auf den darunter liegenden Boden geflogen. Und dort machten sich Wespen über die Armen her. Nach ca. 3 Stunden sah der Eingang schon fast wieder normal aus - es fand schon wieder "normaler" Flugverkehr statt. Und heute morgen war richtig viel Flugbetrieb, aus meiner Sicht auffallend viel/fast ausschließlich Polleneintrag. --> Hat das was mit dem AS-Unfall zu tun?

Aus einem Vortrag von Bernhard habe ich Erinnerung, dass er nicht behandle, weil a) ein gesundes Volk das nicht brauche und b) die Bienen das nicht mögen (= kurz von mir mit eigenen Worten zusammengefasst) Ich kann das jetzt zu 100% nachempfinden. Wieso tut man das den Bienen an? Klar, ich habe mich verdammt dumm angestellt und es tut mir wahnsinnig weh, trotzdem frage ich mich, wieso man die Bienen dieser Gefahr aussetzt? Wenn ich schon mehr als nur zwei Völker hätte, würde ich es vielleicht auch schon ohne Behandlung riskieren.

Meine Fragen:
1) die AS hat sich also von oben ergossen, also zunächst über die Honigwaben. Ich kann aber kaum erkennen, wo genau. Ist der Honigvorrat jetzt quasi verdorben? Sterben weitere Bienen, wenn sie davon fressen - oder die AS auch nur berühren? Sollte ich den Honig vielleicht weitflächig wegschneiden?
2) woran erkenne ich (als Laie), ob die Königin noch lebt? Ich finde die Königinnensuche schon bei der konventionellen Rähmchenimkerei schwierig, aber in der Warrébeute tue ich mir erst recht schwer. Und ich will ja auch nicht ständig stören und gucken. An welchen Signalen/Zeichen kann ich es möglichst zweifelsfrei erkennen, dass sie noch lebt?

Für weitere Hinweise/Tipps bin ich ausgesprochen dankbar. Vielleicht habe ich an weitere Probleme gar nicht gedacht?

Viele Grüße
Daniel

PS: immerhin beim zweiten Volk hat das Aufstellen des Verdunsters gut geklappt.
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon kaibee » Mo 11. Jul 2011, 11:21

Hallo,

ersteinmal dankeschön, dass Du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt!

Ich habe letztes Jahr auch mit dem NH behandeln wollen. Irgendwas stimmte bei mir auch nicht, denn innerhalb eines Tages war die AS ausgelaufen. Anscheinend saß der Docht nicht richtig... keine Ahnung. Ich habe mich ähnlich geärgert und danach grundsätzliche Gedanken zur Behandlung gemacht. Allerdings war es nicht in der Warre, sondern in einer Bienenkiste, daher lief die Säure nicht über die Bienen.

Leider kann ich deine Fragen nicht beantworten. Vielleicht ist es angebracht, die Bienen nun einfach in Ruhe zu lassen. Störung hatten sie nun schon genug, ob Du wirklich helfen kannst, ist ggf. fraglich. Aber warte lieber noch ein paar Antworten ab...

Deinem Volk gute Besserung!

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Distelbauer
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon Distelbauer » Mo 11. Jul 2011, 12:14

Hallo Daniel,

kann dir auch nicht viel helfen, habe aber ein mir bekannter Imker hat mal erzählt, daß ihm sowas ähnliches bei der Behandlung mit der Medizin/Tropfflasche passiert ist. Wieviel da drin war kann ich auch nicht sagen. Aber er sagte die Bienen haben es gut überstanden. Ich hab bei der AS immer noch ein ungutes Gefühl, da es auch in die Brut wirkt. Oder sollte man denken, daß es sie abhärtet :shock: ? Na wie auch immer, ich drück die Daumen, daß es eher geholfen als geschadet hat.

LG Georg

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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon Frank A. aus B. » Mo 11. Jul 2011, 19:59

Hallo Daniel,

wenn Du wissen willst ob das Volk eine Königin hat kannst Du ein mal kurz und laut mit dem Fingerknöchel gegen die Kiste klopfen.
Wenn Du wärend des Klopfens ein Ohr an die Beutenwand hälst solltest Du ein eher kurzes Aufsummen hören, dann ist alles in Ordnung, wenn sie sich länger aufregen ist die Königin hin. Wenn Du dir unsicher bist mach ein Vergleichsklopfen an einer anderen Beute.

Gruß Frank

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fripon77
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Re: Thema Nichtbehandlung - Grundsätzliches

Beitragvon fripon77 » Do 14. Jul 2011, 10:00

cooler Tipp - danke. Werde ich heute ausprobieren.
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