ApiLifeVar und Oxalsäure

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
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zaunreiter
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ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon zaunreiter » Sa 17. Mär 2012, 11:57

Verlauf des Totenfalls der Varroen pro Tag nach Behandlung mit Oxalsäure (rot) und ApiLifeVar (grün).

Hier bei einem Ableger:

Bild

Bei der ersten Blockbehandlung mit Oxalsäure nach Besiedelung fielen beim Ableger 492 Milben in dem Zeitraum bis zum Api Life Var. Während der Langzeitbehandlung mit ApiLifeVar insgesamt 464 und bei der Winterbehandlung in drei Tagen 38 Milben.


Hier bei einem Schwarm:

Bild

Bei der ersten Blockbehandlung mit Oxalsäure nach Besiedelung fielen beim Schwarm 465 Milben in dem Zeitraum bis zum Api Life Var. Während der Langzeitbehandlung mit ApiLifeVar insgesamt 1085 und bei der Winterbehandlung in drei Tagen über 800 Milben.

Zumindest bei diesem Vergleich hatten Schwarm und Ableger fast gleich viele Varroen zu Anfang. Beim Schwarm (junge Königin) vermehrten sich die Varroen schneller als beim Ableger (alte Königin). Der Schwarm hatte auch das größere Brutnest im Herbst, aber nicht unbedingt mehr Bienen. Die Bienenmasse war vergleichbar, zum Herbst besetzten beide hier vorgestellten Völker alle Gassen von zwei Warrezargen..

Viele Grüße
Bernhard
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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon kaibee » Di 8. Mai 2012, 12:43

Danke für die Statistiken, hatte ich wohl übersehen.
Wurde die OS in Form von Bienenwohl gegeben?

Die OS scheint ja immer ein sofortiges Varroen-Fallen auszulösen. ALV wirkt über einen längeren Zeitraum.
Was sind deine Konsequenzen daraus? Lohnt sich die ALV Behandlung? Oder würdest Du nun nur noch mit OS behandeln?

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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon zaunreiter » Di 8. Mai 2012, 13:28

kaibee hat geschrieben:Was sind deine Konsequenzen daraus?


Es hat mich erstaunt zu sehen, daß Schwärme und Ableger einen recht ähnlichen Varroenbefall aufwiesen. Das habe ich mir anders vorgestellt.

Des Weiteren fand ich bei der Thymol-Langzeitbehandlung den Varroenfall sehr verwirrend, da er - vermutlich aufgrund Temperaturschwankungen - doch teilweise schwankte. Und die Wirkung eben zeitlich versetzt eintrat.

kaibee hat geschrieben:Lohnt sich die ALV Behandlung?


Natürlich, sie dämpft (im wahrsten Sinne des Wortes) die Entwicklung der Varroapopulation in den Sommer- und Herbstmonaten.

Thymol schaltet jedoch irgendwelche genetischen Marker an und aus bei den Bienen, ist also mit Vorsicht zu genießen. Auf der anderen Seite unterdrückt es wohl Nosema, was vor allem in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten mit Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein gutes Gegengift sein kann.

kaibee hat geschrieben:Oder würdest Du nun nur noch mit OS behandeln?


Oxalsäure ist ebenfalls nicht ohne, da schädigende Effekte auf die Bienen in mehreren Studien belegt sind. Hier habe ich mal zu den schädigenden Wirkungen eine Sammlung an Studien angelegt: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=18100

Ich würde daher den Einsatz von Oxalsäure eher reduzieren und auf die Winterbehandlung beschränken. (Außer vielleicht Notbehandlung.)

Im Sommer werde ich mal Milchsäure bei einem Schwarm und einem Ableger testen. Ich werde berichten.

Gruß
Bernhard
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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon kaibee » Mi 16. Mai 2012, 09:28

zaunreiter hat geschrieben:Thymol schaltet jedoch irgendwelche genetischen Marker an und aus bei den Bienen

ein Biologe hat mir gesagt, dass es keine genetischen Marker gibt, die man aus- oder anschalten kann. Hast Du ne Quellenangabe für diese Aussage?

Weiß nicht, ob Du das übersehen hast...
Wurde die OS in Form von Bienenwohl gegeben?

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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon zaunreiter » Mi 16. Mai 2012, 12:04

kaibee hat geschrieben:...dass es keine genetischen Marker gibt, die man aus- oder anschalten kann.


Gene werden über Methylierung der entsprechenden Genstücke ein- und ausgeschaltet. Das funktioniert wie eine Art Kapselung der entsprechenden Stellen und dadurch kann die Information nicht "übersetzt" werden. Spielt in der Epigenetik eine Rolle.

kaibee hat geschrieben:...Hast Du ne Quellenangabe


Die Oxalsäure und ihre gen-verändernde Wirkung wurde hier untersucht

article in press as:
Boncristiani, H., et al. Direct effect of acaricides on pathogen loads and gene expression levels in honey bees Apis mellifera. Journal of Insect Physiology (2012), doi:10.1016/j.jinsphys.2011.12.011

kaibee hat geschrieben:...Wurde die OS in Form von Bienenwohl gegeben?


Jepp.

Zu den Wirkungen der Varroaziden auf die Bienen:
http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=18100&page=6

http://galerie.immenwiese.de/main.php?g ... temId=8230

Gruß
Bernhard
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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon kaibee » Mi 16. Mai 2012, 22:48

zaunreiter hat geschrieben:Gene werden über Methylierung der entsprechenden Genstücke ein- und ausgeschaltet. Das funktioniert wie eine Art Kapselung der entsprechenden Stellen und dadurch kann die Information nicht "übersetzt" werden. Spielt in der Epigenetik eine Rolle.

Bist Du vom Fach oder hast du das nur wiedergegeben? Vielleicht kannst Du das auch auf "deutsch" formulieren?

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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon KMP » Di 26. Jun 2012, 08:25

Hallo Bernhard,

es wurde uns vor ein Paar Wochen im Verein erklärt, man darf die Bienen im Volk nur einmal (im Jahr) mit Oxalsäure behandeln. Die Bienen nehmen das Zeug zum Teil auf und 2-mal (in der gleichen Generation) wäre sogar tödlich. Aber genau das machst Du hier oder?

Ich hatte den Eindruck, nachdem ich gestern ein paar Studienzusammenfassungen gesehen hatte, dass ApiLifeVar weniger wirksam (als ein auf AS-basiertes Produkt) gegen Trachealmilben war.

-Kevin
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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon zaunreiter » Di 26. Jun 2012, 13:03

KMP hat geschrieben:... die Bienen im Volk nur einmal (im Jahr) mit Oxalsäure behandeln.


Das gilt nur für die Herbst und Winterbehandlung. Im Sommer kannst Du auch die Blockbehandlung mit Oxalsäure wie dargestellt durchführen, also alle 5 Tage dreimal hintereinander. Im Sommer herrscht eben genügend Durchsatz an Bienen, so daß die Schäden ausgeglichen werden. Das gilt ja auch für die Ameisensäure, die im Herbst oder Winter angewendet wohl eher verheerend wirken würde!

Dabei ist darauf zu achten, daß das Volk nicht anderweitig geschwächt wird. Auf Pollenmangel oder -vergiftung (Maisblüte) sollte geachtet werden. Kommen mehrere Dinge zusammen, dann bricht das Volk zusammen.

Gruß
Bernhard
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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon Hainlaeufer » Mi 27. Feb 2013, 13:43

Hallo ihr Lieben!

Könnte man mir vielleicht erklären, warum man Apilifevar statt Apiguard verwendet? Oder weshalb man eher Apilifevar verwendent? Gibt es da irgendwelche Gründe, von denen ich nix weiß bzw. nie was gelesen habe? Ich hab gestern Abend einiges herum gesucht und eigentlich nie in dieser Richtung etwas gelesen. Oder liegt es einfach an der Anschaffung, ich glaube, man müsste ja das Apiguard aus der Apotheke o.ä. beziehen oder?

Letztes Jahr hab ich mit Apilifevar (Restentmilbung mit Bienenwohl) gearbeitet, bis jetzt sehen die Völker gut aus, ich denke es wirkte sehr gut. Eigentlich wollte ich mich ja dieses Jahr mit dem Puderzucker auseinander setzen (theoretisch schon zu 100%), befürchte aber erst nächstes Jahr mehr Zeitfenster für's einzuckern zu finden, leider. Apiguard erscheint mir sehr einfach in der Anwendung...

Vlt. kann mir ja jemand dazu kurz was sagen! Etwas Erleuchtendes *gg*.

Danke,

lg
Hainlaeufer

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Re: ApiLifeVar und Oxalsäure

Beitragvon zaunreiter » Mi 27. Feb 2013, 17:38

Hainlaeufer hat geschrieben:...warum man Apilifevar statt Apiguard verwendet? ...


Wer ist "man"?

Dürfte beides gleich gut sein. Von der Anwendung her sollte es beides gleich einfach sein.
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