Komische Geschichte

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
Homer
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Komische Geschichte

Beitragvon Homer » Di 30. Aug 2016, 14:35

Liebe Warré-Gemeinde,

Gerne möchte ich Euch eine Geschichte erzählen, so bei mir passiert, und Euch um Eure Meinung fragen.
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt beginnt die Geschichte mit dem Verlust meines Warré-Volkes.

Thymolbehandlung:
Und zwar bei der zweiten Charge meiner Thymovar-Varroabehandlung. Die ersten beiden Wochen, mit den ersten beiden Plättchen hatten sie gut überstanden. Begonnen hatte ich am 29.Juli 2016. Nach Rund 14 Tagen ersetzte ich die beiden Plättchen mit zwei Neuen. Dies geschah am 12. August 2016.

Räuberei:
Am 15. August stellte ich starke Unruhe ums Flugloch, eine grosse Bienenmasse an der Stirnseite der Beute und auch vereinzelt Kämpfe zwischen Bienen fest an welchen immer auch eine "schwarze Bienen" beteiligt war. Ich schloss auf Räuberei und verengte das Flugloch auf ca. 1,2 Bienenbreite.
Am 17. August waren nach wie vor vereinzelt Kämpfe festzustellen, aber die allgemein Aufregung hatte deutlich abgenommen. Da das Volk mir gegenüber immer sehr wehrhaft war-, mich oft bei Fluglochbeobachtungen angriff und stach, ging ich davon aus, dass mein Volk die Räuberei abgewehrt hatte.

Am 22. August wollte ich die letzte Charge der Thymolbehandlung durchführen. Zu diesem Zweck nahm ich das Dach ab. Erschrocken musst ich feststellen: Die Beute und die Waben waren leer. Komplett verlassen. Einzelne Hebammen kümmerten sich noch um Brut, Wespen räuberten darin herum. Am Boden unter dem Varroagitter hatten sich Maden von Wachsmotten und "Ohrschlüfer" breit gemacht.

Ich war total geschockt. Alles weg. Aber ich konnte keine Masse an toten Bienen finden, habe keine Ahnung wie ein Volk sterben und dabei vollständig verschwinden kann?

Vom 23. - 24. August räumte ich die Beute und reinigte sie. Schon währendessen durchfuhr mich einmal ein Gedanke wie ein Blitz: Was wenn ich die Beute jetzt leere und die (verschwundenen) Bienen zurückkämen?...dann wäre das der absolute Supergau und das Vok definitiv (mit meiner aktiven Hilfe) dem (Winter-)tod geweiht. Aber ich schob den Gedanken beiseite mit dem Ziel diese Geschichte zu beenden um sie verarbeiten zu können.

Am 28. August dann die Mitteilung: Ein Nachbar hätte am 26. August 2016 einen ziemlich grossen Schwarm am Zwetschgenbaum direkt neben dem ehemaligen Beutestandort gesichtet. Logischerweise war das Volk am 28.8. dann schon weg, als ich gucken ging.

Ein Schwarm Ende August? Ein vermisstes Volk, dass durch Räuberei totgeglaubt war...
Waren das meine Bienen? Ist das Volk evtl. wegen Thymolbehandlung und Räubereiattacke ausgezogen und tatsächlich über eine Woche suchend "umhergezogen"? War es ein "fremder" Schwarm? Was gibt es zu dieser Geschichte für Schlüsse und was muss ich lernen um wenigstens etwas Positives aus der Geschichte ziehen zu können? Ich habe ein schrecklich schlechtes Gewissen und trauere immer noch um mein verlorenes zweites Volk, welches ich im Frühjahr erstmalig eigenhändig eingefangen und einquartiert hatte...

Liebe Grüsse und danke fürs lesen und mitdenken.
Homer
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Caro
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Re: Komische Geschichte

Beitragvon Caro » Mi 31. Aug 2016, 01:13

Hallo Homer,
Deine Geschichte bewegt uns sehr, deshalb möchten wir Dir hier gerne antworten. Andreas & ich haben zwar noch nie mit Thymol behandelt, aber uns ist trotzdem folgendes aufgefallen:

- Die Dosierung war grundsätzlich richtig: 2 Streifen Thymol sind zur Behandlung von 2 Zargen DNM (Deutsch-Normal-Maß) vorgesehen, das entspricht ungefähr 4 Zargen Warré, also auch 3 Zargen Warré + leere Kissenzarge.

- Nach unseren Informationen lässt man die Streifen 3-4 Wochen im Volk, so dass der Wechsel nach 2 Wochen eher zur einer leicht erhöhten Konzentration geführt hat. Wir können nur vermuten, dass das Volk dadurch unruhig und zum Räuberziel wurde.

-Durch das Einengen des Fluglochs stieg aber die Thymol-Konzentration noch einmal erheblich an, weil der Luftaustausch und damit das Entweichen des Thymols erheblich verringert wurde, aber die neuen Plättchen weiterhin eine hohe Dosis abgaben.

Dieses Einengen des Fluglochs während der Varroabehandlung ist ein grundsätzliches Problem bei der Dosierung. Egal ob bei AS oder Thymol.
Bei einem ähnlichen Fall würden wir zu einem Abbruch der Varroabehandlung oder einer erheblichen Reduktion von Thymol raten.

Alternativ müsste man das Flugloch so einengen, dass nur 1 Biene rein oder raus kann, aber trotzdem durch eine bienendichtes Gitter eine ausreichende Belüftung gewährleistet wird.

Grüße Caro&Andreas

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Re: Komische Geschichte

Beitragvon biene1.0 » Mi 31. Aug 2016, 20:07

Hallo Homer,
ich habe aktuell auch den Fall des Räuberns gehabt. Es war ein Beginnen!
Da ich ohne Gitterboden arbeite ist es mit dem Flugloch einengen so eine Sache.Wenn nötig enge ich grundsätzlich mit einem Gitter ein. Da bleibt der Luftaustausch erhalten und die Bienen haben es mit den Räubern leichter.
Meine Beobachtung: Fremde Bienen fliegen das Gitter an und werden dort bereits abgewehrt. Ich denke das ist wirksamer als an einem (eingeengten) Flugloch. Das Gedränge der Flugbienen und der Angreifer macht es möglich, dass diese unbemerkt in den Stock gelangen.
Nach zwei Tagen war der Spuck vorbei.
Muss denn bei der AS-Verdunstung bei geschlossenem Boden trotzdem noch das Flugloch eingeengt werden? Bisher habe ich das nicht gemacht.
Über einen guten Rat freut sich
Harald
"Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."
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Re: Komische Geschichte

Beitragvon Caro » Do 1. Sep 2016, 21:08

Hallo Harald,
bei der AS-Behandlung muss normalerweise der Varroas-Boden/Schublade drin sein, damit die AS nicht einfach komplett unten "ausfällt", aber das Flugloch soll eher groß sein, damit die Konzentration nicht zu hoch wird.
Muss man wegen Räuberei das Flugloch einengen, würde man mit der Standard-Dosierung (großer Docht bei Nassenheider Professional für 2 Zargen DNM oder 4 Zargen Warré) eine Überdosierung erzeugen, aber es ist schwer abzuschätzen, ob dann der kleine Docht bei winzigem Flugloch genügt, da man ohne weitere Hilfsmittel die Konzentration der AS in der Stockluft nicht messen kann. Hier fehlen auch uns die Erfahrungswerte.
Viele Grüße, Caro&Andreas

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Re: Komische Geschichte

Beitragvon biene1.0 » Do 1. Sep 2016, 22:20

Hallo Caro,
danke. Ich habe es nun so gemacht und heute mein 3. Volk behandelt. Bei den ersten beiden muss ich nun den Milbenfall kontrollieren.
Mal sehen wie die Behandlung gewirkt hat.
Gruß
Harald
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Re: Komische Geschichte

Beitragvon Homer » Mo 12. Sep 2016, 14:08

Lieber Harald, Andreas, liebe Caro

Vielen, vielen Dank für Eure Gedanken dazu. Gerade der Zusammenhang (Thymolkonzentration/Fluglocheinengung) hab ich komplett vernachlässigt (vergessen) so offensichtlich er doch eigentlich auch sein mag. Ich werde weiterlesen, weiterlernen und hoffentlich nicht allzuoft weiterleiden. Danke dass ihr Euch Zeit genommen und geantwortet habt!!! Diese Forumsmithilfe ist Gold wert.

Sonnige Grüsse
Homer
Für eine natürliche, wesensnahe Bienenhaltung.

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Re: Komische Geschichte

Beitragvon biene1.0 » Mo 12. Sep 2016, 21:57

Hallo zusammen,
Vorgestern habe ich in der 5. Woche nach der ersten Behandlung meine zwei ersten Völker mit der 2. Behandlung "beglückt".
Die Kontrolle hat nur wenige Milben erbracht. Zwischen 5 und 8 in 4 Tagen. In den letzten 10 Tagen habe ich täglich Milben gesucht. Oft aber keine gefunden. Es sind aber auch keine Ameisen da. Was nun? Doch etwas komisch!
In einem Volk sind in zwei Tagen 60 ml verdunstet (Nassenheider prof.), großer Docht. Das andere Volk will ich morgen ansehen.
Gruß
Harald
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Re: Komische Geschichte

Beitragvon biene1.0 » Di 13. Sep 2016, 21:57

Hallo,
noch ein Nachtrag: Bei meinem 3. Volk (1.9. die erste Behandlung mit AS60) habe ich heute 13 Milben in 2 Tagen gefunden. Bei den anderen zwei Völkern auch heute 1x 2 Milben und 1 x 1 Milbe.
Außerdem relativ viele kleine und größere Kleckse Propolis (auch rotes, sonst eher weißlich /gelblich) auf der Windel. Auffällig ist dass das jetzt stärker auftritt als in anderen Jahreszeiten.
Gruß
Harald
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Albert Schweitzer


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