Ameisensäure mittels Schwammtuch

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
Benutzeravatar
Rumpel
Beiträge: 2396
Registriert: So 10. Feb 2013, 15:08
Wohnort: 707 m ü. NN

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Do 11. Dez 2014, 06:08

Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.
Johann Wolfgang von Goethe

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4838
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon zaunreiter » Do 11. Dez 2014, 09:48

Es gibt die grundsätzliche Entscheidung, behandele ich oder nicht. Wenn die Behandlung entschieden ist, bleibt die Wahl des Mittels. Hierbei ist die Wirksamkeit des Mittels maßgeblich. Behandlungen, die in der Summe nur 50-60 Prozent der Milben erwischen, sind als wirkungslos zu betrachten. Auf Spielereien ist besser zu verzichten. Für mich ist als Nächstes maßgeblich, daß keine Rückstände entstehen und daß das Mittel kein synthetischer Stoff ist. Vor allem soll es kein Nervengift sein. (Ich denke da an Coumaphos, Flumethrin,...).

Da bleiben nicht viele Wahlmöglichkeiten übrig: Thymol, Oxalsäure oder Ameisensäure. (Milchsäure ist nicht wirksam genug.)

Ameisensäure ist hochwirksam - auch auf Bienen. Da ist die Frage, was besser ist: ein kurzes Ende mit Schrecken durch Ameisensäure oder ein langes Siechen durch hohen Varroabefall?! Die gängige Beschreibung der Ameisensäure als Handgranate ist zutreffend. Entsprechend ihrer hohen Kollateralschäden sollte sie mit Bedacht eingesetzt werden. Sozusagen, wenn es bereits zu einem sehr hohen Befall gekommen ist. Ameisensäure kann hier die Notbremse sein. Das kleinere Übel. Ein Spiel mit dem Feuer bleibt es allemal.

Auf der positiven Seite ist es ein Stoff, der auch natürlicherweise im Bienenstock vorkommt. Und es wird von Imkern schon seit mindestens einhundert Jahren bei Bienenvölker zur Bienenstockhygiene eingesetzt. Vergleiche hier zum Beispiel Ferdinand Gerstung (Der Bien und seine Zucht), der die aus Torf bestehenden Wãnde seiner Bienenstöcke mit Ameisensäure tränkte. Im kürzlich verlinkten Rezeptbuch von 1900 geht man dort auch davon aus, daß Bienengift Ameisensäure enthält - und das Bienengift (und damit Ameisensäure) im Honig vorhanden ist. Und das ist ja auch richtig, von Natur aus.

Außerhalb der Erntesaison eingesetzt, gibt es keine lange überdauernden Rückstände, da sich die Ameisensäure zu Wasser und Kohlendioxid verflüchtigt. Einzige Ausnahme: offene Futterwaben und offene Honigwaben nehmen Ameisensäure auf und dort im Honig ist es lange stabil. Daher verbietet es sich, gleichzeitig zu füttern und zu behandeln. Und natürlich während der Tracht.

Daß es im Schockmoment eine Bienenquälerei ist - wer hält sich gern in diesen Dämpfen auf? -, das ist ohne Zweifel so. Im Falle der Schwammtuchbehandlung ist der Moment des Keuchens aber auf jeweils maximal 24 Stunden begrenzt. Wenn es hilft, über die Runden zu kommen.

In diesem Jahr (2014) war das Schwammtuch aufgrund der Witterung im Spätsommer (kühle Temperaturen, Luftfeuchtigkeit) aber nur begrenzt wirksam, da hat die Langzeitverdunstung mit Ameisensäure oder Thymol besser und gründlicher gewirkt.

Fazit: Ameisensäure ist hochwirksam, bildet keine Rückstände und ist unter bestimmten Umständen als Notbremse gut geeignet. Ameisensäure quält Bienen und sollte mit Bedacht eingesetzt werden.

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
Rumpel
Beiträge: 2396
Registriert: So 10. Feb 2013, 15:08
Wohnort: 707 m ü. NN

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Do 11. Dez 2014, 11:26

Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.
Johann Wolfgang von Goethe

stefanzo
Beiträge: 324
Registriert: So 5. Feb 2012, 20:20
Wohnort: Frankenburg

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon stefanzo » Fr 12. Dez 2014, 01:20

Lamentieren über die Ameisensäure hilft nichts. AS ist derzeit eines der besten uns bekannten Mittel gegen die Varroa. Viele Imker suchen nach anderen und besseren Lösungen. Schlecht reden einer guten Lösung hilft nichts, eine bessere finden hingegen sehr.
mfg stefanzo

Benutzeravatar
Rumpel
Beiträge: 2396
Registriert: So 10. Feb 2013, 15:08
Wohnort: 707 m ü. NN

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Fr 12. Dez 2014, 07:48

Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.
Johann Wolfgang von Goethe

Benutzeravatar
Rumpel
Beiträge: 2396
Registriert: So 10. Feb 2013, 15:08
Wohnort: 707 m ü. NN

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Fr 12. Dez 2014, 08:51

Schlecht reden einer guten Lösung tue ich nicht.
Das ist eben wie der Einsatz von Antibiotika in der Vet-medizin, es wird vielfach einfach eingesetzt.
Rein gehauen damit der Bestand nicht schon nach ein paar Tagen aus den Latschen kippt.
Wie Bernhard es geschrieben hat mit bedacht.
Wenn man aber meint, es ist das beste Mittel um so weiter machen zu können wie eh und je.
Dann kann man sich auch nicht über das kleine Bäuerlein aufregen, der seine Kartoffelkäfer von den Pflanzen spritzt, der kennt dann auch nichts besseres.
Also alles ist in der Imkerei nun auch nicht Heile Welt, einige Kunststückchen sind da auch, NaJa....hüstel.
Gruss Jörn
Um zu begreifen, dass der Himmel überall blau ist, braucht man nicht um die Welt zu reisen.
Johann Wolfgang von Goethe

Benutzeravatar
edlBeefit
Beiträge: 393
Registriert: Di 11. Dez 2012, 09:59

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon edlBeefit » Fr 12. Dez 2014, 12:01

AS beste Lösung??? in meinen Augen sicher nicht
Gruss Kurt Edlinger

Lieber ein Hund als Freund als ein Freund der ein Hund ist

lilie
Beiträge: 215
Registriert: Di 11. Feb 2014, 16:43
Wohnort: Aargau Schweiz
Kontaktdaten:

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon lilie » Mo 20. Jul 2015, 10:13


Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4838
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon zaunreiter » Mo 20. Jul 2015, 11:21

Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

lilie
Beiträge: 215
Registriert: Di 11. Feb 2014, 16:43
Wohnort: Aargau Schweiz
Kontaktdaten:

Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon lilie » Mo 20. Jul 2015, 21:41



Zurück zu „Warré-Varroabehandlung“