Ameisensäure mittels Schwammtuch

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
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Rumpel
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Do 11. Dez 2014, 06:08

Die AS hat in der Praxis ihre gute Verträglichkeit für die Bienen nun schon über viele Jahre bewiesen. Außerdem werden die Bienen ja nicht das ganze Jahr hindurch behandelt.

Für mich nicht, sieht wohl eher nach Wachkoma aus.
Wenn Teile vom Organismus bei der Behandlung Tot von der Wabe fallen :?:
Das ganze Jahr hindurch werden sie nicht behandelt, nö nur in der Zeit wo man Honig ernten will nicht. :lol:
Gruss Jörn
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zaunreiter
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon zaunreiter » Do 11. Dez 2014, 09:48

Es gibt die grundsätzliche Entscheidung, behandele ich oder nicht. Wenn die Behandlung entschieden ist, bleibt die Wahl des Mittels. Hierbei ist die Wirksamkeit des Mittels maßgeblich. Behandlungen, die in der Summe nur 50-60 Prozent der Milben erwischen, sind als wirkungslos zu betrachten. Auf Spielereien ist besser zu verzichten. Für mich ist als Nächstes maßgeblich, daß keine Rückstände entstehen und daß das Mittel kein synthetischer Stoff ist. Vor allem soll es kein Nervengift sein. (Ich denke da an Coumaphos, Flumethrin,...).

Da bleiben nicht viele Wahlmöglichkeiten übrig: Thymol, Oxalsäure oder Ameisensäure. (Milchsäure ist nicht wirksam genug.)

Ameisensäure ist hochwirksam - auch auf Bienen. Da ist die Frage, was besser ist: ein kurzes Ende mit Schrecken durch Ameisensäure oder ein langes Siechen durch hohen Varroabefall?! Die gängige Beschreibung der Ameisensäure als Handgranate ist zutreffend. Entsprechend ihrer hohen Kollateralschäden sollte sie mit Bedacht eingesetzt werden. Sozusagen, wenn es bereits zu einem sehr hohen Befall gekommen ist. Ameisensäure kann hier die Notbremse sein. Das kleinere Übel. Ein Spiel mit dem Feuer bleibt es allemal.

Auf der positiven Seite ist es ein Stoff, der auch natürlicherweise im Bienenstock vorkommt. Und es wird von Imkern schon seit mindestens einhundert Jahren bei Bienenvölker zur Bienenstockhygiene eingesetzt. Vergleiche hier zum Beispiel Ferdinand Gerstung (Der Bien und seine Zucht), der die aus Torf bestehenden Wãnde seiner Bienenstöcke mit Ameisensäure tränkte. Im kürzlich verlinkten Rezeptbuch von 1900 geht man dort auch davon aus, daß Bienengift Ameisensäure enthält - und das Bienengift (und damit Ameisensäure) im Honig vorhanden ist. Und das ist ja auch richtig, von Natur aus.

Außerhalb der Erntesaison eingesetzt, gibt es keine lange überdauernden Rückstände, da sich die Ameisensäure zu Wasser und Kohlendioxid verflüchtigt. Einzige Ausnahme: offene Futterwaben und offene Honigwaben nehmen Ameisensäure auf und dort im Honig ist es lange stabil. Daher verbietet es sich, gleichzeitig zu füttern und zu behandeln. Und natürlich während der Tracht.

Daß es im Schockmoment eine Bienenquälerei ist - wer hält sich gern in diesen Dämpfen auf? -, das ist ohne Zweifel so. Im Falle der Schwammtuchbehandlung ist der Moment des Keuchens aber auf jeweils maximal 24 Stunden begrenzt. Wenn es hilft, über die Runden zu kommen.

In diesem Jahr (2014) war das Schwammtuch aufgrund der Witterung im Spätsommer (kühle Temperaturen, Luftfeuchtigkeit) aber nur begrenzt wirksam, da hat die Langzeitverdunstung mit Ameisensäure oder Thymol besser und gründlicher gewirkt.

Fazit: Ameisensäure ist hochwirksam, bildet keine Rückstände und ist unter bestimmten Umständen als Notbremse gut geeignet. Ameisensäure quält Bienen und sollte mit Bedacht eingesetzt werden.

Gruß
Bernhard
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Rumpel
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Do 11. Dez 2014, 11:26

Ameisensäure quält Bienen und sollte mit Bedacht eingesetzt werden.

Ja dem soll so sein.
Es geht da Erstmal vielleicht in die Richtung, was im Vorfeld läuft, wie eben Vergiftungen, sowie auch hier und da die Betriebsweise.
Darüber braucht es sicher vieles was man Diskutieren sollte. Nur im Sinne von modern und nachhaltig, finde ich auch nicht viel.
Wie eben in anderen Bereichen der Lebensmittelherstellung auch nicht, und da gibt es auch Tausendfaches leiden.
Es geht auch nicht darum den oder die Imker an den Pranger zu stellen.
Was mich manchmal stört, ist wenn man so tut als wenn es zum Leben gehört anderen Lebewesen die Nahrungsgrundlage zu entziehen, oder auch den Lebensraum.
Also bleibt Masshalten übrig, wenn man genauso Prahlen würde mit der geringsten Menge an Behandlungen, als ob der erzielten Honigernte, da würde ich weniger herum maulen.
Das Problem ist eher das ich mich mit Hammelherden auskenne, wenn der grösste anfängt zu Blärren tun die anderen es auch.
Rennt er los, dann entweder der Hund, oder alles geht über die Klippe, auch Herr Prof. Dr. Dr. Oberhammel.
Also was ich nicht will das man mir antut, tue ich auch keinem anderen an.
In diesem Sinn, allet wird jut, die Hoffnung stirbt zuletzt.
LG. Jörn
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon stefanzo » Fr 12. Dez 2014, 01:20

Lamentieren über die Ameisensäure hilft nichts. AS ist derzeit eines der besten uns bekannten Mittel gegen die Varroa. Viele Imker suchen nach anderen und besseren Lösungen. Schlecht reden einer guten Lösung hilft nichts, eine bessere finden hingegen sehr.
mfg stefanzo

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Fr 12. Dez 2014, 07:48

Schlecht reden einer guten Lösung hilft nichts, eine bessere finden hingegen sehr.

Das kann nur ein Scherz sein, hoffe ich jedenfalls.
Gibt es Imker die nicht Behandeln?
Gruss Jörn
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Rumpel » Fr 12. Dez 2014, 08:51

Schlecht reden einer guten Lösung tue ich nicht.
Das ist eben wie der Einsatz von Antibiotika in der Vet-medizin, es wird vielfach einfach eingesetzt.
Rein gehauen damit der Bestand nicht schon nach ein paar Tagen aus den Latschen kippt.
Wie Bernhard es geschrieben hat mit bedacht.
Wenn man aber meint, es ist das beste Mittel um so weiter machen zu können wie eh und je.
Dann kann man sich auch nicht über das kleine Bäuerlein aufregen, der seine Kartoffelkäfer von den Pflanzen spritzt, der kennt dann auch nichts besseres.
Also alles ist in der Imkerei nun auch nicht Heile Welt, einige Kunststückchen sind da auch, NaJa....hüstel.
Gruss Jörn
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon edlBeefit » Fr 12. Dez 2014, 12:01

AS beste Lösung??? in meinen Augen sicher nicht
Gruss Kurt Edlinger

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon lilie » Mo 20. Jul 2015, 10:13

zaunreiter hat geschrieben: Einzige Ausnahme: offene Futterwaben und offene Honigwaben nehmen Ameisensäure auf und dort im Honig ist es lange stabil. Daher verbietet es sich, gleichzeitig zu füttern und zu behandeln.


Warum lehrt man uns denn im Kurs vor Behandlung zuerst mal einen Schub zu fütter,resp.dass offenes Futter vorhanden sein muss?

Was ich auch nicht verstehe,warum 3-4x in Abstand von 7Tg. wenn Ameisensäure doch bis in die verdeckelte Brut wirkt!?!?
Da würde doch 1x reichen? Oder wirkt nur die 70-80%ige AS so?
Lg
Susanne

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon zaunreiter » Mo 20. Jul 2015, 11:21

Hallo Susanne!

lilie hat geschrieben:Warum lehrt man uns denn im Kurs vor Behandlung zuerst mal einen Schub zu fütter,resp.dass offenes Futter vorhanden sein muss?


Mit vollem Magen vertragen die Bienen die Behandlung besser. Offenes Futter könnte die Wirkung herabsetzen, ein kleiner Futterschub vor der Behandlung - und nicht währenddessen - sollte jedoch nicht stören. Denn zu dieser jetzigen Zeit verbrauchen die Bienen durchaus einige Kilogramm pro Monat für sich selbst. Ein Futterstoß von 1 kg ist daher schnell verputzt.

lilie hat geschrieben:wenn Ameisensäure doch bis in die verdeckelte Brut wirkt!?!?


Die Ameisensäure wirkt zwar bis in die Brut, aber eben nicht vollständig durchdringend sondern nur in Teilen. Einige und nicht alle der Milben in der Brut sind dann geschwächt und sterben innerhalb der nächsten Wochen. Oder auch nicht. Außerdem muß immer mit wieder eingetragenen Milben gerechnet werden und deswegen ist eine Wiederholung einfach sicherer.

Bei einer einmaligen Anwendung des Schwammtuches hatte ich sogar den Eindruck, daß diese Behandlung die Milbenpopulation hat explodieren lassen. Nach dem Motto: Wenn die Milben unter Streß geraten, vermehren sie sich erst recht! In der Not vermehren sich fast alle Lebewesen mit einer schnelleren Rate. So auch bei den Milben. Und deswegen die Behandlungen im Abstand wiederholen und auf Nummer sicher gehen.
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Ich summe, also bien ich.

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon lilie » Mo 20. Jul 2015, 21:41

Hallo Bernhard,

zaunreiter hat geschrieben:Die Ameisensäure wirkt zwar bis in die Brut, aber eben nicht vollständig durchdringend sondern nur in Teilen. Einige und nicht alle der Milben in der Brut sind dann geschwächt und sterben innerhalb der nächsten Wochen. Oder auch nicht. Außerdem muß immer mit wieder eingetragenen Milben gerechnet werden und deswegen ist eine Wiederholung einfach sicherer. Bei einer einmaligen Anwendung des Schwammtuches hatte ich sogar den Eindruck, daß diese Behandlung die Milbenpopulation hat explodieren lassen. Nach dem Motto: Wenn die Milben unter Streß geraten, vermehren sie sich erst recht! In der Not vermehren sich fast alle Lebewesen mit einer schnelleren Rate. So auch bei den Milben. Und deswegen die Behandlungen im Abstand wiederholen und auf Nummer sicher gehen.


Würde das nicht dafür sprechen,doch 80%ige Lösung zu benutzen? Ich meine,diese Explosion,wie Du sie erwähnst,wenn es nur ein Streifschuss war...das tönt gar nicht gut...
Lg
Susanne


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