Ameisensäure mittels Schwammtuch

Alles rund um die Varroabehandlung im Warré-Bienenstock.
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zaunreiter
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Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon zaunreiter » Mo 18. Aug 2014, 09:30

Hier ein Video zur Anwendung von Ameisensäure 60 % ad. us. vet. bei der Warrébeute.



Benötigt werden: Ameisensäure 60 % zur veterninärmedizinischen Verwendung (ad. us. vet.), haushaltsübliche Schwammtücher (die dickeren; auswaschen und trocknen beim erster Verwendung), eine 30 ml-Spritze, ein Behälter zum Aufziehen der Ameisensäure, Smoker und Stockmeißel.
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Es werden pro Warré (auf zwei Zargen) ein Schwammtuch und 25 ml Ameisensäure verwendet.
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Wenn man den Kasten aufmacht, ist der Kasten proppevoll mit Bienen.
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Die Oberträger sind bedeckt mit Bienen. Die müssen erstmal da runter, weil die Bienen, die mit der Ameisensäure in direkter Berührung kommen, davon sterben würden. Also den Smoker gebrauchen und die Bienen (mit Geduld...) runtertreiben.
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Freie Bahn.
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Das Schwammtuch auflegen und die Beute wieder verschließen.
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Wenn die Beute genügend Bienen hat, gibt es auch eine gute Wärme im Bienenstock, so daß die Ameisensäure innerhalb von 24 Stunden sicher verdunstet.
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Das Verfahren hat den Vorteil, daß nicht mehr Ameisensäure verdunsten kann pro Tag als man auf das Tuch draufgibt. Eine versehentliche Überdosierung ist daher ausgeschlossen. (Bei anderen Verdunstern kann schon mal zu viel verdunsten.) Außerdem ist es recht schnell. Da die Anwendungsdauer nur 24 Stunden beträgt, ist es eine kurzfristige aber schockende Behandlung. Es geht ja darum, eine Dosierung zu erreichen, die der Milbe schadet, aber den Bienen eben nicht. Die Milben können nicht so viel ab wie die Bienen. Bei Langzeitverdunstern sehe ich das Problem, daß die Bienen zwar nur geringen Dosen ausgesetzt werden - aber die Schäden dürften sich über die Zeit aufkumulieren. Denn nicht nur die Dosis macht das Gift sondern auch die Dauer der Kontamination. Da ist mir ein kurzer Schock lieber, danach kann der Bien wieder auf- und durchatmen. Die Behandlung wird drei bis vier Mal wiederholt mit einem Abstand von einer Woche/sieben Tagen.

Ameisensäure ist ein sehr schlagkräftiges Mittel und sollte mit Bedacht eingesetzt werden. Außerdem wirkt es desinfizierend, so daß auch einige Mikroben der Bienen in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn die Mikroben pathogen sind, ist das gut. Wenn sie zu den Nützlingen gehören, dann ist das nicht so gut.

Viele Grüße

Bernhard
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Distelbauer
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Distelbauer » Mo 18. Aug 2014, 22:18

Hallo Bernhard,
super Anleitung die du da gemacht hast. Ich hab mal bei einer Vorführung zugaschaut, da hat der Imker noch zusätzlich ein weißes DIN A4 Blatt unter das Schwammtuch gelegt. Erstens tropft dann nicht so schnell was durch und die Verdunstung soll sich wohl auch etwas verzögern. Nimmst du auch gekühlte AS?

Grüße von Georg

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zaunreiter
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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon zaunreiter » Do 4. Sep 2014, 15:53

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon stefanzo » Do 4. Sep 2014, 21:23

Hallo Bernhard!
Deine 2 Diagrame regen zum Nachdenken an. Mit welcher Häufigkeit der Anwendung hast du die bessere Erfahrung gemacht?
mfg stefanzo

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon 2weiund2wanzig » Di 9. Sep 2014, 14:22

Kannst du deine GEdanken zu den Bildern mal erklären?

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon zaunreiter » Di 9. Sep 2014, 14:52

Die Diagramme zeigen die Abstände der einzelnen Behandlungen mit dem Schwammtuch in Relation zur verdeckelten Brut. Sprich: es ist bei der ersten Behandlung noch eintägig-verdeckelte Brut vorhanden, die Milben beherbergt und die dort weitestgehend geschützt sind. Die Verdeckelungsdauer beträgt 13 Tage.

Nun gibt es die Empfehlung, im Abstand von 4-7 Tagen und insgesamt drei bis vier Mal zu behandeln. Die Unterschiede der zeitlichen Abstände werden in den Diagrammen deutlich. Ziel ist es, auch die zuletzt mit den jungen Bienen auslaufenden Milben zu erwischen.

Nach ingesamt 14 Tagen oder zwei Wochen ist der Spuk (die Behandlung) vorbei. Die erste Variante mit einem Abstand von 7 Tagen und dreimaliger Wiederholung ist die sanftere Variante und ist zu empfehlen, wenn der Befall relativ gering ist. Sobald aber erhöhter Befall mit Milben festgestellt wurde, greifst Du eher zur Behandlung vier Mal hintereinander mit einem Abstand von vier Tagen. Das ist schon brutal zu den Bienen, wirkt aber auch besser.

Der Einsatz des Schwammtuches ist witterungsunabhängig und der zeitliche Abstand sollte genau eingehalten werden. (Nicht mal hier, mal da frei Schnauze behandeln.)
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Ich summe, also bien ich.

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon Caro » Di 9. Sep 2014, 19:41

Wir finden das Thema und die Diskussion sehr spannend insbesondere im Vergleich zur angeblich bienenschonenden Methode mit Nassenheider Professional (Langzeitbehandlung).

Wenn man sich beim Nassenheider Pro an die Bedienungsanleitung hält, dann sind für 2 DNM/Zander 280-350ml AS 60% in 14 Tagen zu verdunsten. Im Vergleich zu den Warrébeuten haben Zanderbeuten das doppelte Volumen pro Zarge. Entsprechend müsste dann die Nassenheider Empfehlung für Warré halbiert werden, was 190-175ml AS ergibt.
Mit der oben beschriebenen Schwammtuchmethode würde aber nur 75-100ml AS ins Volk gegeben werden.

Unsere Frage lautet nun: Ist das Schwammtuch bereits nach einem Tag trocken, d.h. die volle Menge an einem Tag verdunstet? Dann hätte man an diesem Tag die doppelte Konzentration gegenüber dem Nassenheider aber danach 3-6 Tage Pause/Abklingverhalten. Würde die Verdunstung per Schwammtuch in 2 Tagen erfolgen, hätte man die gleiche Konzentration wie beim Nassenheider.

Grüße von Andreas und Caro

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon stefanzo » Di 9. Sep 2014, 20:04

Schwammtuch ist nicht gleich Schwammtuch. Und auch auf die Größe der Verdunstungsfläche kommt es an wie schnell die AS verdunstet. In der Regel ist es bei mir nach einem Tag trocken.
mfg stefanzo

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon stbiene » Sa 4. Okt 2014, 11:19

Hallo liebe Leute,

hat das jemand schon mal mit 85% AS gemacht? Oder ist das zu stark für die Bienchen?
Wieviel würde man da in in ml nehmen?

Danke
LG St
www.bienen-schwarm.at

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Re: Ameisensäure mittels Schwammtuch

Beitragvon stefanzo » Sa 4. Okt 2014, 23:15

Bei 85%iger Ameisensäure ist die Gefahr die Königin zu verlieren zu hoch. 85%ige As kann wende ich mit dem Liebig Dispenser an, da fährt die AS nicht so rasch wie mit dem Schwarmtuch rein. Bei der Schwammtuchmethode, bitte unbedingt vorher die AS verdünnen.
mfg stefanzo


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