Honig aus Brutwaben

Alles rund um die Honigernte.
anna
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Honig aus Brutwaben

Beitragvon anna » Do 4. Okt 2012, 17:38

Hallo, liebe Warré-Imker,

seit einiger Zeit träume ich von eigenen Bienen in unserem Garten. Mein Mann hat vor vielen Jahren einmal welche gehabt (Golzbeute), so dass das ganze nicht unvertraut ist. Ich habe mich inzwischen ausführlich mit einer wesensgemäßen Bienenhaltung auseinander gesetzt und nach anfänglicher Begeisterung für die TBH bin ich doch dahin gekommen, die Warré-Beute als die für uns und die Bienen geeignetste Bienenbehausung anzusehen. Bei dieser Entscheidung war die Kurzanleitung von Bernhard eine große Hilfe - danke!
Nun zu meiner Frage: ein uns befreundeter Imker, der seit vierzig Jahren Bienen hat und sich sehr gut auskennt, machte uns darauf aufmerksam, daß sich in dem Honig, der in ehemaligen Brutwaben gesammelt und dann vom Imker durch Zerkleinern und Pressen der Waben gewonnen wird, auch die Nymphenhäutchen und der darunter befindliche Kot der Maden befindet. Offensichtlich wird dies nicht beim Putzen der Zelle von den Bienen entfernt. Ist das wirklich so und wenn ja, ist das gesundheitlich unbedenklich? Wie geht es Euch damit?
Wenn man alte Brutwaben in Rähmchen hat und diese ausschleudert, hat man das Problem ja nicht, weil das Wachs nicht zersört wird.
Ich weiß, daß Bernhard dieses Thema in seiner Broschüre kurz anreißt, aber er geht nicht auf diese spezielle Problematik mit dem Madenkot ein.
Es würde mir sehr schwer fallen, wegen dieser Sache auf die Warré-Beute zu verzichten oder gar mit Absperrgiter zu arbeiten und dann eine Art Magazinimkerei mit Stabilbau zu betreiben....
Ich bin neugierig auf Eure Antworten, vielen Dank im Voraus!
Anna

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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon zaunreiter » Do 4. Okt 2012, 20:57

anna hat geschrieben:...das gesundheitlich unbedenklich? Wie geht es Euch damit?


Völlig unbedenklich. Die Bienen haben vorher ja auch nur bestes Larvenfutter bekommen. Solange die Waben nicht völlig überaltern, also die Beuten regelmäßig beerntet werden, ist eine geschmackliche Beeinflussung auch nicht zu finden. Im Gegenteil: durch die Wachs- und Pollenanteile im Honig kristallisiert der Honig in der Regel sehr feincremig - ganz ohne Rühren. Der durch das Pressen enthaltene Pollen, bzw. das Bienenbrot macht den Honig vollwertiger für die menschliche Ernährung. Siehe: http://www.honig-bieni.de/downloads/langebienenbrot.pdf
In Honig eingerührtes Bienenbrot wird regelmäßig für Therapien in der Apitherapie verwendet.

Alle, die meinen Honig probieren, sind begeistert. Und im Vergleich zu den Profis lag ich bei den Imkerforumstreffen bis auf das letzte Jahr stets im Mittelfeld in der Bewertung als einziger Pressganzjahreshonig unter den Schleudersortenhonigen.

Kann so schlimm also nicht sein. :P

Falls es Dir nicht schmecken sollte, kannst Du immer noch mit Absperrgitter arbeiten. Davon sterben die Bienen auch nicht. Je nachdem, wo Du imkerst, kann das sogar notwendig werden, um überhaupt etwas ernten zu können. Probieren geht über Studieren.

Gruß
Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon zaunreiter » Do 4. Okt 2012, 21:04

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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon anna » Fr 5. Okt 2012, 08:13

Danke für diese schnelle Antwort. Entschuldige aber, wenn ich nochmal nachhaken muß.
Es geht mir ja nicht um Wachs und um Pollen im Honig, sondern um das Nymphenhäutchen und die Ausscheidungen der Larven. Du schreibst, daß die Larven ja auch mit sehr hochwertigem Futter gefüttert werden. Muß man das dann so sehen, daß die Ausscheidungen aufgrund der vielleicht gar nicht so intensiven Stoffwechseltätigkeit der Larven sich kaum vom Futter (Honig und Pollen) unterscheiden? Und daß sie so innig mit dem Wachs zusammenwachsen (weshalb die Putzbienen sie wohl auch nicht entfernen können), daß man sie dann als Bestandteile des (älteren) Wachses betrachten muß?
Herzliche Grüsse
anna

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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon zaunreiter » Fr 5. Okt 2012, 09:56

anna hat geschrieben:das Nymphenhäutchen...


Das Häutchen besteht aus Seide, mit dem sich die Maden einspinnen.

anna hat geschrieben:Ausscheidungen...sich kaum vom Futter (Honig und Pollen) unterscheiden?


Naja, das hört sich so dramatisch an. Genauso kannst Du Honig mit Fug und Recht als Bienenkotze bezeichnen. Weil die Bienen den Nektar im Magen transportieren, hochwürgen und mit Speichel/Spucke versehen. Also: kotzen. Dazu kommt noch, daß ein nicht unerheblicher Teil des Honigs aus den "Ausscheidungen" von Blattläusen aller Arten stammen kann. Es handelt sich also um "Läusekacke", die von den Bienen gefressen und dann wieder ausgekotzt wird... :lol:

Damit mußt Du klarkommen, wenn Du leben willst. Denn Du selbst bestehst ja nur zum geringen Teil aus menschlichen Zellen und zu einem weitaus größeren Teil aus Mikroben. Die scheiden auch den ganzen Tag lang aus: auf der Haut, im Darm. (Zum Glück.)

Die "Mengen" und die Zusammensetzung der Bienenlarvenkacke ist daher im Honig zu vernachlässigen.


anna hat geschrieben:daß sie so innig mit dem Wachs zusammenwachsen


Die Maden strecken sich in der Zelle und legen sich lang hin. Irgendwann drücken sie den gesamten Darminhalt aus, fast vollständig!, und dann beginnen sie, sich selbst in ein Kokon einzuspinnen. Dabei schließen sie die Bienenlarvenkacke, die hinten in der Zelle liegt, zwischen Zellboden und Kokon ein.

Bevor die Bienen aber in bebrüteten Waben aber Honig einlagern, werden diese zuvor hergerichtet, worunter auch das Ausfressen und Säubern der Zellen fällt.

Wenn Du ihnen dabei zusiehst (Warré mit Fenster), wirst Du selbst sehen, daß sie sehr gründlich dabei sind.

Bild

Bild

"Hygienisches", unbebrütetes Wachs:
Bild

Der Propolisanteil wird in dem hygienischen Wachs und Honig geringer sein - auch das kann ein Nachteil sein, denn Propolis steckt voller Heilkräfte. Siehe und verfolge: http://apitherapy.blogspot.com/

Wenn Dir das nicht gefällt, kannst Du immer noch auf das Absperrgitter zurückgreifen.

Gruß
Bernhard
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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon zaunreiter » Fr 5. Okt 2012, 10:15

Nachsatz:
Es ist richtig, daß Honig aus bebrüteten Waben aus Rähmchenbeuten oft ziemlich übel schmeckt. Wirklich übel. Wenn die Waben ein paar Jahre im Rähmchenstall verbracht haben, sind sie ungenießbar. Weniger der darin enthaltene Honig, als das mit allen möglichen Schädikalien angereicherte Wachs. Daher kann ich die Vorbehalte und Einwände mancher Rähmchenimker verstehen.

Wer mit der Warré aber darauf achtet, daß das Wachs regelmäßig erneuert wird, der wird einen feinen Honig daraus ernten können, garantiert ohne Einbußen im Geschmack. Im Gegenteil wird der Geschmack positiv bereichert werden.

Honig aus bebrüteten Waben aus Rähmchenbeuten läßt sich nicht mit dem Honig aus bebrüteten Waben in der Warré vergleichen. Das sind schon verschiedene Welten.

Gruß
Bernhard
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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon mahagugu » Fr 5. Okt 2012, 10:21

Bei meiner ersten Honigernte habe ich auch aus Brutwaben geerntet, weil das Volk , was ich geschenkt bekommen habe , war schon ein Jahr
nicht mehr behandelt worden und das Absperrgitter war draußen.

Keiner hat sich über den Honig beschwert , nur die Waben waren schon recht braun.
Inwieweit man nachdem Abfüllen noch Nachweisen kann, dass der Honig aus Brutwaben kommt, weiß ich nicht.
Schmecken tut man da jedenfalls nichts mehr.

Wachs ist jedenfalls schwerer aus Brutwaben zu ernten. Auch lassen sich bebrütete Waben besser schleudern , weil sie
stabiler sind. Als Wabenhonig kannst die braunen Waben aber niemanden anbieten. Das kommt sicher nicht gut an.

Nach der Ernte auch bitte nicht aufheben, weil die werden gern von Wachsmotten befallen usw.

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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon anna » Sa 6. Okt 2012, 11:03

Nochmal vielen Dank für diese ausführlichen Informationen. Nun habe ich eine etwas fundiertere Entscheidungsgrundlage...
Allerdings möchte ich noch hinzufügen, daß für mich der Vergleich von Madenkot mit Honig nicht stimmig ist. Die Bienen bereiten den Nektar in ihrer Honigblase zu Honig indem sie vielerlei dazugeben, sie speien ihn dann wieder aus, in den Zellen reift er nach. Man kann diesen Prozess meiner Meinung nach nicht vergleichen mit einem Verdauungsvorgang. Die eigentliche Verdauung des zubereiteten Honigs, wenn die Biene ihn als Nahrung für sich selber braucht, beginnt erst in den nach der Honigblase folgenden Darmabschnitten. Das, was sie wieder von sich gibt und als Nahrung für die Brut oder als Vorrat anlegt ist nichts, was der Bienenkörper nicht mehr brauchen kann und aus dem Grunde ausscheidet, wie das der Fall ist bei den Ausscheidungen der Larven oder einem "Kotzen", wenn der Mensch etwas nicht vertragen hat oder krank ist.
Honigzubereitung in der Honigblase ist doch eher so ein Vorgang wie die Bereitung von Milch im Organismus der Kuh - sie dient der Nahrung des Nachwuchses und wir Menschen können auch dankbar daran teilhaben.
Gruß
Anna

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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon zaunreiter » Sa 6. Okt 2012, 20:11

apiarius hat geschrieben:Meine Meinung- lieber fress ich Bienenkot als den ausgebrachten Chemiemüll auf unseren Feldern!
..(der als Kind beim Spielen noch schmutzig werden durfte) :mrgreen:


Yeah!!! Thats it.

Koste und entscheide dann. Nichts schmeckt so gut wie wilde Freiheit!

Gruß
Bernhard
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Re: Honig aus Brutwaben

Beitragvon mahagugu » So 7. Okt 2012, 15:24

Ja, erwähnenswert wäre da noch die Wachsrückgewinnung.

Wachs wird für Anfangsstreifen, Mittelwände, Anstriche usw. benötigt.
Will man sich keinen Dampfwachsschmelzer kaufen gibts da u.a. eine einfache Methode.

Wachs in einen Jutesack geben, Steine drauf und dann Wasser in den Kochtopf und kochen lassen.
Oben sollte sich dann mit der Zeit ein ziemlich sauberer Wachskuchen bilden.

Für Anfangsstreifen reicht zB schon die Dunkmethode. Waben mit Wasser kochen lassen
und dann Stecken öfters eintunken. Eventuelle Puppenhäutchen manuell entfernen.


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