kaum oder keine Ernte zu erwarten

Alles rund um die Honigernte.
helvy
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kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon helvy » Mi 9. Jul 2014, 15:44

Weil ich die Möglichkeit bekommen habe, meinen Honig am kommenden Samstag bei einem Sommerfest zu verkaufen, wollte ich schon jetzt eine Teilernte machen. Als ich in meine Völker hineinsah, habe ich es mit der Angst zu tun bekommen. Alle Völker bis auf eines haben nur eine einzige Zarge voll ausgebaut - manche hatten noch etwas in der 2. Zarge gebaut, aber nicht nennenswert.

Ich verstehe das nicht: die letzten Schwärme habe ich Anfang Mai einlaufen lassen und auch den letzten Ableger habe ich Mitte Mai gebildet. Die Völker hatten ca. 9 Wochen (bzw. 7 Wochen mit Vorsprung einer voll ausgebauten Zarge als Ableger) Zeit gehabt.
Im letzten Jahr hatte mein 1. Naturschwarm innerhalb von 9 Wochen 3 Zargen ausgebaut. Da waren die Bedingungen viel schlechter und das Volk hatte viel mehr gebaut und eingelagert als dieses Jahr (seine Ableger genauso).

Die Trachtverhältnisse waren sehr gut und auch das Wetter war sehr gut ... oder etwa doch nicht?

Woran kann es gelegen haben? Der scheinbare Super-Frühling war doch nicht so super für meine Imkerei.

Meine Hoffnungen auf eine Honigernte habe ich nun komplett begraben. Ich befürchte nun aber, dass die Völker es nicht einmal schaffen, eine 2. Zarge voll auszubauen und so für den Winter gewappnet zu sein.
Oder könnte es innerhalb von 3 Wochen noch einen riesigen Sprung geben?


Ein Volk hatte 2 voll ausgebaute Zargen. Ich habe mich nicht getraut, diese eine Zarge zu ernten. Mir war das Risiko zu groß, ob das Volk wirklich noch einmal eine Zarge voll ausbaut. Und aus dem letzten Jahr nahm ich die Erfahrung mit, lieber eine zusätzliche, vollausgebaute Zarge zu behalten als zu ernten.

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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon Rumpel » Mi 9. Jul 2014, 16:01

Oder könnte es innerhalb von 3 Wochen noch einen riesigen Sprung geben?

Oje noch jemand. :)
Das glaube ich nicht, jedenfalls was eine Ernte betrifft.
Bei mir jammern auch viele dieses Jahr, je Standort ist es unterschiedlich aber nicht doll.
Füttern und Daumen drücken das es noch warme Tage gibt zum ausbauen.
Gruss Jörn
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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon zaunreiter » Mi 9. Jul 2014, 16:04

Das Wetter war im Mai durchgehend schlecht, zumindest bei uns hier. Da gab es auch keine Tracht, die setzte erst im Juni wieder ein. Deswegen war der Start der Völker schon mal trocken, wenn Du da nicht gefüttert hast, ist es kein Wunder, daß da noch nicht so viel gebaut wurde. Als die Tracht dann einsetzte, wird vermutlich einfach zu wenig Sammelmannschaft dagewesen sein.

Daß es keine Tracht gab, lag an dem Frühling, der sehr früh einsetzte, wo fast alles parallel blühte und auch eben schnell wieder verblühte. Ruckzuck, war alles vorbei.

Wenn es zudem noch Nachschwärme waren, die Du hast einlaufen lassen - von den eigenen Völkern? - dann gibt es sowieso eine ganze Zeit lang keine Brut und damit auch keine nachrückenden Sammlerinnen. Vor allem, wenn die dann noch bauen müssen.

Einfach ein schlechter Zeitpunkt gewesen. Da kannst Du für die nächsten Jahre mitnehmen, daß es sich durchaus mal lohnt, auch Schwärme zu füttern, wenn Trachtlücken herrschen. Alle zwei Wochen mal den Baufortschritt prüfen, wenn es nicht vorangeht, mit einer Fütterung in kleinen Portionen anschieben. Das Futter wird ja sofort verbrütet und verbaut.

Ich würde ein Volk auf zwei Zargen zu dieser Jahreszeit nicht mehr beernten. Bei euch gibt es ja teilweise Goldrute, aber das wird wohl kaum ausreichen, um die dritte Zarge ausbauen zu lassen und noch eine Honigernte zu bedienen. Im Gegenteil würde ich schleunigst mit der Zufütterung beginnen, damit sie die zweite Zarge noch ausbauen und zum Winter hin genügend Vorräte aufbauen. Es wird vermutlich lange warm bleiben, das sind dann fünf Monate Flugaktivität ohne nennenswerte Tracht.
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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon Rumpel » Mi 9. Jul 2014, 16:13

daß es sich durchaus mal lohnt, auch Schwärme zu füttern, wenn Trachtlücken herrschen.

Da spricht mir jemand sehr aus dem Herzen. :D
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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon helvy » Fr 11. Jul 2014, 12:07

zaunreiter hat geschrieben:Wenn es zudem noch Nachschwärme waren, die Du hast einlaufen lassen - von den eigenen Völkern? - dann gibt es sowieso eine ganze Zeit lang keine Brut und damit auch keine nachrückenden Sammlerinnen. Vor allem, wenn die dann noch bauen müssen.

Was ich mitbekommen habe, haben meine 9 Völker an dem Standort 2- 3 mal geschwärmt. Warum fragst Du, ob die Schwärme von meinen eigenen Völkern sind? Weil ein Schwärmen auch die Bautätigkeit stoppt? Das Eintragen sowieso und der Proviant, den der Schwarm mitnimmt, die Vorräte schmälert?

zaunreiter hat geschrieben:Einfach ein schlechter Zeitpunkt gewesen. Da kannst Du für die nächsten Jahre mitnehmen, daß es sich durchaus mal lohnt, auch Schwärme zu füttern, wenn Trachtlücken herrschen. Alle zwei Wochen mal den Baufortschritt prüfen, wenn es nicht vorangeht, mit einer Fütterung in kleinen Portionen anschieben. Das Futter wird ja sofort verbrütet und verbaut.

Trachtlücken hatte ich nicht vermutet, weil die Völker in einer Kleingartenanlage stehen, wo ja immer was blüht. Aber die Konkurrenz ist größer geworden. Ein Imker zwei Anlagen weiter hat zu seinen bestehenden ca. 9 Völkern weitere 9 aufgestellt. Seit ein paar Wochen hat auch eine Gartennachbarin von mir ein Volk und sie plant noch 1 - 2 weitere.

Ich habe nur noch ca. ein Glas Honig, dass ich verfüttern kann. Ich will ja den Honig verkaufen (eines Tages). Und wenn ich mit Zucker füttere, habe ich den vielleicht im Honig.
Wieviel Honig behaltet Ihr von Eurer Ernte zurück, um füttern zu können?

Naja, ich wollte ganz streng nach Warré imkern und so gut wie gar nicht in die Völker reinschauen. :-/ Gilt das aller 2 Wochen nachsehen nur für Schwärme und Ableger oder auch für Wirtschaftsvölker?

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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon zaunreiter » Fr 11. Jul 2014, 13:39

helvy hat geschrieben:Weil ein Schwärmen auch die Bautätigkeit stoppt? Das Eintragen sowieso und der Proviant, den der Schwarm mitnimmt, die Vorräte schmälert?


Und - meiner Erfahrung nach - die Varroapopulation erhöht. In Summe hast Du nachher sehr viele kleine Völker, von dem keines was "taugt". Und damit ist auch die Überlebensfähigkeit gemeint.

helvy hat geschrieben:wo ja immer was blüht.


Das täuscht sehr. Bienen verbrauchen sehr viel. Ca. 4 -8 kg Honig pro Monat, wenn sie brüten. Und in Nektar gerechnet ist das noch mehr. Eine Blüte gibt aber nur wenige Milliliter ab. Die Bienen sind auf Massentrachten (vor allem von Bäumen) angewiesen, um in wenigen Tagen im Jahr einen Vorrat anzulegen, wovon sie in den überwiegenden Tagen dazwischen, wo meistens weniger reinkommt als verbraucht wird, davon zu leben.

helvy hat geschrieben:Und wenn ich mit Zucker füttere, habe ich den vielleicht im Honig.


Das kann passieren, aber wenn Du jetzt fütterst, also für den Winter, dann wird der bis zum Frühjahr größtenteils aufgebraucht. Die Tiere deswegen hungern lassen, ist, wie ich finde, keine wirkliche Alternative.

helvy hat geschrieben:Naja, ich wollte ganz streng nach Warré imkern und so gut wie gar nicht in die Völker reinschauen.


Das geht auch in großen Teilen. Gerade zu Anfang kann ein wenig Fürsorge aber nicht schaden. Wenn die großgeworden sind, sind sie wesentlich eigenständiger.

Ansonsten kann es nicht schaden, ein Auge auf sie zu werfen. Siehe auch: viewtopic.php?f=10&t=739
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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon Rumpel » Fr 11. Jul 2014, 20:06

helvy hat geschrieben:Naja, ich wollte ganz streng nach Warré imkern und so gut wie gar nicht in die Völker reinschauen.



Das geht auch in großen Teilen. Gerade zu Anfang kann ein wenig Fürsorge aber nicht schaden. Wenn die großgeworden sind, sind sie wesentlich eigenständiger.

Na ja, von mir aus gerne, aber ich denke nicht das es einen Unterschied zwischen Warre oder anderen Haltungsfomen in der Bienenhaltung gibt.
Vielleicht ist es ja auch ein Mythos das man sich in der Warre weniger kümmern muss.
Gruss Jörn
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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon zaunreiter » Fr 11. Jul 2014, 20:42

Nein, es ist definitiv weniger Arbeit mit einer Warré im Stabilbau. Weniger Arbeit heißt aber nicht, daß man sie vernachlässigt. Ich hatte immer das gegenteilige Problem, ich wollte so oft wie möglich bei den Bienen sein. :)
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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon Rumpel » Fr 11. Jul 2014, 20:47

Nein, es ist definitiv weniger Arbeit mit einer Warré im Stabilbau.

Ja aber nur das, Schlendrian ist immer Schiete. :D
LG. Jörn
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Re: kaum oder keine Ernte zu erwarten

Beitragvon helvy » So 20. Jul 2014, 01:20

Rumpel hat geschrieben:Ja aber nur das, Schlendrian ist immer Schiete. :D


Ich habe meine Völker regelmäßig beobachtet. Habe mir inzwischen auch einen Ordner angelegt, wo ich mir pro Volk Notizen mache.

Bei einem Volk hätte ich wirklich früher handeln müssen. Über Wochen Flugbetrieb 0,5 - 1. Entweder füttern oder sogar auflösen. Ich habe mir sogar überlegt: den einen Schwarm, den ich abgegeben habe, weil ich keine Beuten mehr hatte, hätte ich lieber behalten sollen und in die Beute von dem Mini-Volk tun sollen.

@Bernhard: Du hattest geschrieben, dass es sich lohnt, Schwärme doch zu füttern, wenn die Tracht ausbleibt. wie ist das bei Wirtschaftsvölkern?


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