Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Wie bilde ich mit dem Warré-Bienenstock Ableger?
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zaunreiter
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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » So 9. Jun 2019, 14:27

Also bitte tue mir (oder besser: den Bienen) einen Gefallen und laß das bleiben. Bitte fange nicht an, eine Brutwabe mit Bienen ohne Königin in einen Kasten zu setzen und die Bienen "selbst eine Königin ziehen zu lassen". :doh: Das wird wohl landläufig praktiziert – aber es ist sowas gegen die Bienenbiologie, daß es mir echt schmerzt beim Zusehen. Sowas produziert nur minderwertige Königinnen und bringt Krankheiten in die Bienenpopulation der Region.

Zum Verwerten von Schwarmzellen kannst du diese Kästen nutzen. Oder einen Ableger mit der alten Königin machen.
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Deichkind
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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon Deichkind » So 9. Jun 2019, 14:53

Klare Antwort. Werde mich daran halten. Sobald Schwarmzellen zur Verfügung stehen, wie ist es dann mit dem Rest? (Ablauf der Kellerhaft bzw. Alternativen?)
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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Mo 10. Jun 2019, 11:17

Kellerhaft und Verstellen sind völlig unnötig. Gras ins Flugloch stopfen und sich selbst befreien lassen.
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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon stefanzo » Do 13. Jun 2019, 23:22

zaunreiter hat geschrieben:Also bitte tue mir (oder besser: den Bienen) einen Gefallen und laß das bleiben. Bitte fange nicht an, eine Brutwabe mit Bienen ohne Königin in einen Kasten zu setzen und die Bienen "selbst eine Königin ziehen zu lassen". :doh: Das wird wohl landläufig praktiziert – aber es ist sowas gegen die Bienenbiologie, daß es mir echt schmerzt beim Zusehen. Sowas produziert nur minderwertige Königinnen und bringt Krankheiten in die Bienenpopulation der Region.

Zum Verwerten von Schwarmzellen kannst du diese Kästen nutzen. Oder einen Ableger mit der alten Königin machen.


Die Steigerung der Unnatürlichkeit ist das Umlarven für die Königinnenzucht. Während bei Weisellosen Ablegern das Notfallprogram der Bienen genutzt wird, kommt beim Umlarven auch noch die Bevormundung des Imkers hinzu welche Larven neue Königinnen werden sollen. Als Krönung der Schande bekommen diese Königinnen auch noch ein farbiges Plättchen aufgeklebt und werden nach Wunsch des Imkers ihr Ableben erleben. Schwarmimkerei mag altmodisch sein, respektiert hingegen das Altern und die Neugeburt. Für Umlarven und Königinnentausch gibt es viele Ausreden, mehr als Ausreden sind es hingegen nicht. Wenn ein Muttervolk nach mehrmaligen Abschwärmen nicht mehr zur Kraft kommt, so sollte man dies akzeptieren. Leben ist endlich, zumindest auf Erden.
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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Fr 14. Jun 2019, 20:04

stefanzo hat geschrieben:... Während bei Weisellosen Ablegern das Notfallprogram der Bienen genutzt wird, ...


Verteidigst Du gerade ernsthaft die weisellosen Ableger? :think:

Ich habe schon so viele davon gesehen - es wird den Anfängern der Bienenhaltung ja immer von den "Experten" geraten: bei den weisellosen Ablegern verkühlt die Brut, die Bienen sind – wenn es denn zur Begattung der verkrüppelten Königin kommt – später alt und hungrig, weisellose Ableger werden geräubert und sind Herde für Krankheiten. Weil sie zu wenig Bienen haben, um die Brut zu pflegen, weil sie älter werden und alte Bienen kein Immunsystem mehr haben, und eben weil sie still geräubert werden. Und nur 25 % dieser "Ableger" gelingen - wenn überhaupt.

Die Königinnen können gar keine vollwertigen Königinnen werden, weil der Eischlauch sich nicht voll entwickeln kann.

Wenn es einen Ausdruck von Stümperei in der Imkerei gibt, dann sind es diese weisellosen Ableger mit einer Wabe! :hand:
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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Fr 14. Jun 2019, 20:06

Schade, daß ich keine Photos gemacht habe! Ich war vor einigen Tagen zu so einem Fall gerufen worden. Ganz ehrlich, mir tut der Anblick in der Seele weh!

Aber immer fleißig auf die einschlagen, die von den Bienen und der Vermehrung etwas verstehen. Ja ja, die Bienen haben ein Recht zu sterben und so. Klar... :liar:
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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Fr 14. Jun 2019, 20:25

matka.jpg


matkaII.jpg


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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon stefanzo » Fr 14. Jun 2019, 23:15

zaunreiter hat geschrieben:
stefanzo hat geschrieben:... Während bei Weisellosen Ablegern das Notfallprogram der Bienen genutzt wird, ...


Verteidigst Du gerade ernsthaft die weisellosen Ableger? :think:

Ich habe schon so viele davon gesehen - es wird den Anfängern der Bienenhaltung ja immer von den "Experten" geraten: bei den weisellosen Ablegern verkühlt die Brut, die Bienen sind – wenn es denn zur Begattung der verkrüppelten Königin kommt – später alt und hungrig, weisellose Ableger werden geräubert und sind Herde für Krankheiten. Weil sie zu wenig Bienen haben, um die Brut zu pflegen, weil sie älter werden und alte Bienen kein Immunsystem mehr haben, und eben weil sie still geräubert werden. Und nur 25 % dieser "Ableger" gelingen - wenn überhaupt.

Die Königinnen können gar keine vollwertigen Königinnen werden, weil der Eischlauch sich nicht voll entwickeln kann.

Wenn es einen Ausdruck von Stümperei in der Imkerei gibt, dann sind es diese weisellosen Ableger mit einer Wabe! :hand:


Nein! Ich weise nur darauf hin, das die scheinbar heile Welt der professionellen Königinnenzucht nicht sehr viel besser ist. Einwabenableger habe ich schon probiert, mein Fazit: vergesst es. Hatte jedesmal ein Drohnenbrütiges Volk im Frühjahr. Professionelle erstellte Völker mit Königinnen von Belegstellen habe ich auch schon manchesmal zugekauft, solche Völker erwiesen sich aber nicht als robust. Die eigenen Schwärme waren bisher die am leichtensten zu handelnde Völker. Als ich voriges Jahr zwei Drittel meiner Völker verlor, waren es die banalen Landbienen welche überlebten. Nur diese reagierten richtig auf die vermeintlich verlockende Spättracht in den Äckern. Regional angepasste Bienen die ihre Erfahrungen über Generationen weitergeben wissen sehr wohl von den Gefahren. Mögt ihr mich nun wohl alle auslachenl, ich setze in Zukunft mehr und mehr auf Schwarmikerei, einfach aus Überzeugung und persönlicher Erfahrung.
mfg stefanzo

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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon Sid » Fr 14. Jun 2019, 23:43

Jetzt bin ich total verunsichert. Habe dieses Jahr 4 Ableger mit je einer brutwabe einer futterwabe und dazwischen eine Mittelwand gemacht. Heute habe ich überall die 6. und 7. Mittelwand eingehangen. Der Rest ist ausgebaut und recht voll mit Futter. Habe nach 4 Wochen mal 1 kg gefüttert ( jetzt 8. Woche). Habe es so gemacht wie pia aumaier es in ihrem YouTube Video beschreibt. Es hört sich für mich da an, als wäre es das non plus und jetzt? Krankheiten!drohnenbrütig! Missgebildet! Was mache ich jetzt? Wie erweitere ich als Anfänger sinnvoll und richtig meinen bestand? Bernard-Kannst du dein Wissen mal in einem Buch niederschreiben? Die tausend fragen die du schon beantwortet hast .... Überall gibt es andere Wahrheiten. In diesem Forum habe ich bisher das meiste für mich herausgezogen, bin aber trotz zahlreicher Bücher und Texte noch blutiger Anfänger. Es ist ein so wahnsinnig umfassendes Thema.... Grüße

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Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Sa 15. Jun 2019, 00:06

stefanzo hat geschrieben:Ich weise nur darauf hin, das die scheinbar heile Welt der professionellen Königinnenzucht nicht sehr viel besser ist.


Naja, soviel scheinst Du ja von der professionellen Königinnenzucht noch nicht gesehen zu haben. Was genau ist denn "nicht viel besser" an der professionellen Königinnenzucht? So genaue Gründe wären da schon wünschenswert. Immer Ross & Reiter nennen.

stefanzo hat geschrieben:Professionelle erstellte Völker mit Königinnen von Belegstellen habe ich auch schon manchesmal zugekauft, solche Völker erwiesen sich aber nicht als robust.


Robustheit ist gar nicht das Ziel von Belegstellenköniginnen. Im Gegenteil! Es ist bekannt, daß Belegstellenköniginnen keine Wirtschaftsköniginnen sind. Dafür gibt es einige Gründe. Meines Erachtens nach der lange Transport, die Begrenztheit der Anzahl Drohnen und natürlich die genetische Enge auf der Belegstelle. Belegstellenköniginnen macht man nur für die Genetik, also um davon weiter zu ziehen. Die Tochterköniginnen werden dann wiederum weiter selektiert. Kontrollierte Anpaarung ist halt notwendig, wenn man ein paar Eigenschaften mit in die eigenen Bienen hereinzüchten will. Ist doch besser als mit der Gen-Schere...

Belegstellenköniginnen sollte man nicht in volle Völker setzen, daß ist doch schlichtweg eine falsche Verwendung von solchen Königinnen.

stefanzo hat geschrieben:Regional angepasste Bienen die ihre Erfahrungen über Generationen weitergeben wissen sehr wohl von den Gefahren.


Ja ja, blah blah. :lol: Wenn das Leben so unflexibel wäre, wie Du es meinst, gäbe es schon lange keine Lebewesen mehr. Bienen passen sich an. Das dauert einer Studie mit Honigbienen nach – da wurden Bienen aus dem Süden nach Frankreich gebracht und dort mit den lokalen dunklen Bienen verglichen – das dauert circa 2 Jahre. Dann haben die neuen, völlig ortsfremden Bienen sich genauso an die Tracht- und Flugbedingungen angepasst. Und das waren völlig ortsfremde Bienen. Wenn Du Bienen von Hamburg nach Stuttgart bringst, wird das nur wenige Auswirkungen haben.

stefanzo hat geschrieben:Mögt ihr mich nun wohl alle auslachenl, ich setze in Zukunft mehr und mehr auf Schwarmikerei,..


Also ich lache nicht. Finde ich sogar gut, ich bin ja insgeheim immer noch der Schwarm- und Stabilbauimker. :dance: Und daher Bruder im Geiste. Nur dieses Gelaber von wegen: alle konventionellen Imker sind doof und gemein – das finde ich unnötig. So doof sind die meisten Imker gar nicht. Und tatsächlich haben alle die gleiche Leidenschaft: Bienen.

Nur weil ein paar Propheten durchs Land ziehen und meinen eine Hexenverbrennung anstacheln zu müssen, muss ja nicht jeder mit in dieses Horn stoßen. Die sollen mal lieber ihre Angst vor den Bienen verlieren. Dann klappt es auch mit den Bienen und dann muss man nicht die Schuld bei Anderen suchen. :whistle:
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