Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Wie bilde ich mit dem Warré-Bienenstock Ableger?
stefanzo
Beiträge: 322
Registriert: So 5. Feb 2012, 20:20
Wohnort: Frankenburg

Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon stefanzo » Sa 15. Jun 2019, 00:23

Was genau nicht viel besser an der professionellen Königinnezucht gegenüber dem Einwabenableger ist, ist das beide die Not der Weisellosigkeit nutzen. Der Vorteil ist im einem das stärkere Zuchtvolk, der Nachteil ist im Anderem die vom Imker bestimmte Weisel. So genau was gut und schlecht ist läßt sich aber nicht wirklich sagen. Die Wahrheit liegt dazwischen. Sowohl als du glaube ich in die richtige Richtung zu marschieren.
mfg stefanzo

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4648
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Sa 15. Jun 2019, 09:19

Na geht doch. Warum nicht gleich so?

Die Weiselunruhe ist Voraussetzung für das Ansetzen von Weiselzellen, das ist richtig. Die Königinnen sind dann aus einem Notprogramm heraus erzeugt.

Wenn man das als Königinnenvermehrer (nicht Züchter) richtig macht, dann folgt man den Anweisungen von Bruder Adam. Der hat darauf bestanden, daß die Völker zuerst in Schwarmstimmung (sic!) gebracht werden müssen – erst dann werden sie entweiselt. Dazu werden schlupfreife Brutwaben aus anderen Völkern gesammelt und dem Starter 13 Tage vor dem Umlarven aufgesetzt. 10 Tage später werden die aus dem Schwarmtrieb heraus gezogenen Schwarmzellen gebrochen (oder weiterverwendet). Nochmal drei Tage später wird der Starter entweiselt und dann wird umgelarvt.

Ich halte zu diesem Zweck 60 Bienenvölker, die nichts anderes machen, als Brut zu produzieren. Alle 10 Tage entnehme ich eine Wabe mit verdeckelter Brut pro Volk. Insgesamt 10 Brutwaben Dadant mit jeweils circa 7.000 jungen Bienen/Wabe kommen dann auf den Starter. Das ergibt nach Schlupf knapp 70.000 Bienen in dem Starter. Der Schwarmtrieb setzt dann schon kurze Zeit später ein.

70.000 Bienen, die in Schwarmstimmung sind im Vergleich zu knapp 400 Bienen in einem Einwabenableger...der weit davon entfernt ist, in Schwarmstimmung zu sein...das ist schon ein kleiner Unterschied.

Natürlich gibt es auch Varianten bei den Startern. Der schnelle Starter zum Beispiel, wo ein kräftiges Volk entweiselt wird. Aber das ist nicht meine bevorzugte Methode.

Ich habe sowieso noch ein paar Dinge hinzugefügt, die sich an der Bienenbiologie orientieren – und habe beste Erfolge damit. "Der Natur folgen, heißt den richtigen Weg wählen". (Raoul Heinrich Francé, Begründer der Bodenbiologie)

---

Ob es wirklich ein Nachteil ist, daß der Imker die Larve auswählt und nicht die Bienen, das kann ich jetzt nicht sehen. So ein Bienenvolk hat ein unglaubliches genetisches Wissen. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Prof. Job van Praagh in einem Vortrag mal gesagt, daß man 10.000 oder 50.000 Königinnen von einer Königin nachziehen müsse, um das komplette genetische Bild eines Bienenvolkes zu retten. So viele Kombinationen gibt es im Bienenvolk.

Sehr wichtig ist beim Umlarven, das man nur jüngste Larven nimmt. Die besten sind die, die man nicht sieht. Weil die gerade geschlüpfte Larve glasig ist und das Gelée Royal ist zu dem Zeitpunkt auch noch glasig. Da liegt also Glas in Glas. Wichtig ist außerdem, daß man nur Larven nimmt, die in etwa gleich alt sind. Nimmt man Larven unterschiedlichen Alters, dann senkt das die Annahmequote.

Im ersten Schreckmoment der Weisellosigkeit pflegen die Bienen zuerst die älteren Larven. Dann aber, wenn sie merken, daß sie genügend Weiselzellen haben, dann bevorzugen sie die jüngeren Larven und fressen die älteren Larven raus. Je jünger die Larve ist, desto vollwertiger ist die Köngin, da sich die Eischläuche besser entwickeln können.

An diesem Beispiel aus der Praxis sieht man ganz gut, daß die Bienen sehr wohl die Larven aussuchen. Zwar zwingt der "Imkerdiktator und Imkernazi" den armen armen Bienlein erst die Larven auf, ob sie behalten oder gepflegt werden - das entscheiden die Bienen dann aber doch selbst. Wenn etwas nicht stimmt, wird es rausgefressen.

So schlecht kann das Umlarven also nicht sein. Sonst würden die Bienen alles wieder ausfressen. Tun sie aber nicht. Und wenn man alles richtig macht, werden weit über 90 % der angebotenen Larven auch angenommen.

Eine Studie zu dem Thema:

Vergleich einiger Merkmale von Honigbienenköniginnen (Apis mellifera L.), die nach der Doolittle-Methode und mit natürlichen Königinzellen aufgezogen wurden

Diese Studie wurde durchgeführt, um einige Eigenschaften von Bienenköniginnen zu untersuchen, die unter Verwendung der Doolittle-Methode und natürlicher Königinzellen unter Bedingungen in Erzurum/Indien aufgezogen wurden. Die durchschnittliche Länge der verdeckelten Königinzellen, das Gewicht der Königin beim Schlupf, der Durchmesser der Spermatheka und die Anzahl der Spermatozoiden waren bei Königinnen höher, die nach der Doolittle-Methode aufgezogen wurden, höher als bei der natürlichen Schwarmzelle. Die Unterschiede zwischen den beiden Methoden hinsichtlich der Zeit vor der Eiablage waren jedoch nicht signifikant. Es wird der Schluss gezogen, dass Bienenköniginnen, die nach der Pfropfmethode (Doolittle-Methode) aufgezogen wurden, Bienenköniginnen überlegen waren, die mit natürlichen Königinzellen aufgezogen wurden.

aus: Queen Honey Bees (Apis mellifera L.) Reared by Using Doolittle Method and Natural Queen Cells
A. Dodologlu , B. Emsen & F. Gene
Pages 113-115 | Received 06 Feb 2004, Accepted 17 Aug 2004, Published online: 11 Nov 2011
https://doi.org/10.1080/09712119.2004.9706518

Die Studie soll nichts beweisen. Es zeigt aber, daß die Welt nicht immer so ist, wie man sie sich wünscht oder vorstellt.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4648
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Sa 15. Jun 2019, 17:34

EFFECTS OF THE AGE OF GRAFTED LARVAE AND THE EFFECTS OF SUPPLEMENTAL FEEDING ON SOME MORPHOLOGICAL CHARACTERISTICS OF IRANIAN QUEEN HONEY BEES
(Apis mellifera meda Skorikov, 1929)
Ali Mahbobi1, Mohammadbagher Farshineh-Adl2, Jerzy Woyke3, Saeed Abbasi4
DOI: 10.2478/v10289-012-0010-1
Vol. 56 No. 1 2012 Journal of Apicultural Science
Queens reared from 1 day old larvae were of the highest quality. These queens were significantly heavier (158.83 mg) and had significantly larger spermatheca (0.99 mm3) than queens reared from larvae 2 and 3 days old. Queens from emergency queen cells were of lower quality than queens reared from 1 day old larvae. However, queens from emergency queen cells were of higher quality than queens reared from 3 day old larvae. The supplemental feeding significantly increased most morphological characteristics of the reared queens.

Übersetzt: Königinnen aus Nachschaffungszellen waren von geringerer Qualität als Königinnen, die aus 1 Tag alten Larven gezogen wurden.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4648
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Sa 15. Jun 2019, 18:32

Performance of larval grafted queen vs queen produced through natural method in Apis mellifera
Khalida Hamid Abbasi, Muhammad Shafiq, Khawer Jawad Ahmad, Asif Razzaq, Muhammad Saleem and Muhammad Arshad Ullah
Journal of Entomology and Zoology Studies 2015; 3 (2): 47-49

Es wurden Versuche durchgeführt, um die Wirksamkeit der mit Umlarven erzeugten Königinnen im Vergleich zu der auf natürliche Weise hergestellten Königinnen zu bestimmen, um die Leistung dieser beiden Methoden mit den Parametern Brutfläche (BA), Milbenbefall (MI), Honigernte (HH) und Fluchtneigung ( AT) und Schwarmneigung (ST)Die Ergebnisse zeigten, dass das Umlarven bei der Königinproduktion (T2) signifikante (p> 0,05) Ergebnisse gegenüber dem natürlichen Verfahren der Königinproduktion (T2) aufwies. Die durchschnittliche Brutfläche betrug 1026,7 Quadratzoll in der natürlichen Methode (T1) und in der Larven-Pfropfmethode (T2) 1561,7 Quadratzoll, was den hochsignifikanten Unterschied zeigte. Die in (T2) und (T1) beobachteten durchschnittlichen AT-Werte von 0,00 und 38,66 zeigten erneut einen hochsignifikanten Unterschied zwischen den beiden Methoden. In ähnlicher Weise betrugen der durchschnittliche MI und ST bei beiden Typen 14,88 (T2), 64,00 (T1) und 16,00 (T2), wobei 53,88 (T1) jeweils einen signifikanten Unterschied darstellten. Für HH wurden Durchschnittswerte gefunden, die 16,00 kg für (T2) deutlich über 8,00 kg für (T1) liegen.
http://www.entomoljournal.com/archives/ ... 3-2-11.pdf

Ergo: Die umgelarvten Königinnen produzierten mehr Brutfläche, hatten weniger Milbenbefall, eine doppelt hohe Honigernte, neigten weniger zum Totschwärmen und hatten generell dreimal weniger Tendenzen zum Schwärmen.
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
zaunreiter
Administrator
Beiträge: 4648
Registriert: Do 5. Aug 2010, 19:14
Wohnort: Niederrhein
Kontaktdaten:

Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon zaunreiter » Sa 15. Jun 2019, 18:51

Es gibt noch viele weitere Studien, die wohl das Gleiche zeigen. Sooo schlecht kann das Umlarven also nicht sein, wie jetzt immer so getan wird. Es gibt allerdings ein paar Dinge zu beachten. Wenn man aber alles richtig macht, klappt es auch.

Ich will weder von der Schwarmimkerei abraten noch das Umlarven empfehlen. Ich will nur erreichen, daß das Umlarven nicht mehr pauschal als blöd abgetan wird. :pray: Es ist halt eine Kultivierungsmethode.

Es wird weitgehend angenommen, daß eine Biene, die sich seit jeher in einer bestimmten Umwelt befand, also vollständig an die gegebenen Verhältnisse angepaßt ist, sich zwangsläufig in wirtschaftlicher Hinsicht als die ertragsfähigste Bienen in diesem Gebiet erweisen müsse. Ohne Zweifel kann sich eine bodenständige, voll angepaßte Biene am besten durchschlagen, wenn sie auf sich selbst angewiesen ist. Aber die Natur züchtet nirgends auf Leistung, sondern stets auf die Erhaltung der Art.
- Bruder Adam, Züchtung der Honigbiene ISBN: 978-3-9800797-5-4, Seite 17

;)
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Benutzeravatar
Isabella
Beiträge: 54
Registriert: Fr 9. Okt 2015, 13:57
Wohnort: n.n.

Re: Ableger-Kasten nach Giles Dennis

Beitragvon Isabella » Sa 15. Jun 2019, 20:16

Auf eine kluge Art und Weise ausreichende Vermehrung von Bienenpopulation zu organisieren ist meines Erachtens sehr wichtig.
In der Natur ist es überhaupt neben der Lebenserhaltung das wichtigste Prinzip !!! Alles andere ist nachrangig !
Bei der Biologie der Bienen ist es die Waiselzellen- und Schwarmbildung. Sie zu verhindern und nicht durch etwas Adäquates zu ersetzen
ist biologisch - ökologisch falsch und kontraproduktiv. So sind die brutfreien Perioden bei Schwarmimkerei nachweislich nützlich
und hilfreich, um den Varroadruck auf die Bienenpopulation (Brut) zu unterbrechen. Das exponenetielle Ausbreiten der Varroapopulation
im Bien wird durch brutfreie Perioden unterbrochen. Allerdings fängt es natürlich mit neuer Brut auch gleich wieder von vorne an.

Auf ausreichende und qualitätvolle Vermehrung sollte man deshalb unbedingt immer achten.

Welche Methode der qualitativ hochwertigen Form der künstlichen Vermehrung ist dabei nicht so entscheidend und hängt sicher auch von dem
Wissen und Können des Imkers ab. Nicht jeder Hobbyimker wird sich für das Umlarven entscheiden. Auch dabei kann man ganz viele Fehler machen, die sich negativ auswirken können. Nur der positive Erfolg zählt !!!

Beste Grüße
Isabella / Friedrich
Ubi apis, ibi salus ! - Wo Bienen sind, da ist Gesundheit !


Zurück zu „Ablegerbildung mit der Warré“