Schwärme in Kaminen

Rund um die Schwarmbetriebsweise im Warré-Bienenstock
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zaunreiter
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Schwärme in Kaminen

Beitragvon zaunreiter » Mo 23. Mai 2011, 09:45

In diesem Thread sollen Erfahrungen gesammelt werden, wie Schwärme aus Kaminen oder Schornsteinen geborgen werden können.

Schwärme in Schornsteinen

An einen Schornstein, der von innen sehr rußig und nach oben hin geöffnet ist, würde ich nicht als Erstes denken, wenn ich an eine Bienenwohnung denke. Zwar ist die Höhlung lang, schmal und senkrecht orientiert - doch da sie nach oben hin offen ist und der Regen dort eindringen kann, sowie der gesamte Schornstein schwarz von gesottenem Rauch ist, scheint so ein Schornstein kein geeigneter Platz zu sein, in dem Bienen ihre Waben bauen.

Nun ist es vor allem in England, dem Land der Schornsteine und Kamine, ein bekanntes Phänomen, daß die Bienen in diese einziehen. Oft ist es so, daß in solchen Kaminen Vögel brüten, hier vor allem Dohlen. Diese lassen Äste in den Schornstein fallen, oder klemmen diese Äste ein, um darauf ein Vogelnest zu bauen. Dieses Nest bietet den Bienen unterhalb des Nestes die Gelegenheit, ihre Waben anzubauen. Die Äste funktionieren also wie Oberträger.

So war es auch bei mir in einem Fall am vergangenem Wochenende. Dohlen hatten ein Nest gebaut - kurze Zeit später zog ein starker Bienenschwarm in den Schornstein - mit mächtigem Getöse!

Der Schornstein gehörte zu einem mehrstöckigen Haus, der Schornstein war entsprechend etwa 20 Meter hoch.

Zunächst habe ich mir mehrere Leitern organisiert, wobei die meisten Leitern nicht an die Dachrinne reichten. Auf der Dachrinne angekommen, schaute ich mir den Weg bis zum Schornstein an. Da waren zwar zwei Haken zur Befestigung von Dachleitern, doch ich hatte keine zur Verfügung. Die Leiter, die ich probeweise dort einhing, kam mir nicht sicher genug vor. Zudem war die Dachschräge sehr steil. Ich arbeite öfters auf dem Dach und kann daher einschätzen, was nicht so sicher und was in Ordnung ist. Das hier war in jedem Fall zu unsicher, weswegen ich die Leiteraktion abgebrochen habe.

Stattdessen habe ich mir den Schlüssel zum Haus organisiert und habe mich der Sache über den Dachboden genähert. Auf dem Speicher war eine Revisionstüre, durch diese bekam ich von unten einen Zugang zum Schornstein. Leider war das Stück Schornstein über der Revisionstüre circa 5 Meter, so daß ich keinen direkten Zugang zum Schwarm hatte. Da der Schwarm jedoch gerade erst eingezogen war und somit keine Waben drin sein sollten, rechnete ich mir aus, daß die Bienen mit Rauch aus dem Schornstein getrieben werden könnten.

Also habe ich den Smoker angezündet und ordentlich Rauch durch die Revisionstüre gegeben. Der Rauch stieg ordnungsgemäß nach oben und erreichte wohl die Bienen, die in der Folge aufbrausten und mit den Flügeln schlugen. Durch den Wind, den sie machten, drückten sie den Rauch postwendend zurück nach unten - und mit einem großen Schwall kam der Rauch aus der Revisionstüre heraus. :lol:

Ich habe dann eine Smoker-Ladung vergeblich in den Schornstein geraucht, auch ein Zuhalten der Revisionstüre brachte nichts. Ein draußen platzierter Beobachter meldete, daß der Rauch oben am Schornstein noch nicht mal erschienen ist. Die Bienen drückten den Rauch einfach zurück. Zwar kamen einzelne Gruppen oben am Schornstein raus, sie verschwanden aber sofort wieder im Kamin, sobald der Rauch nachließ.

So ging es jedenfalls nicht.

Also mittels Kabeltrommeln Strom auf den Speicher verlegt und dann habe ich mit einem haushaltsüblichen Föhn zum Haareföhnen den Rauch nach oben gejagt. Den Föhn habe ich in das Rauchrohr gehalten und dann ordentlich mit dem Smoker den Rauch hinterhergeschickt. Das hat geholfen! Entweder mochten die Bienen das Geräusch des Föhns nicht oder der Rauch kam wirklich verstärkt an - zumindest erschien er jetzt auch außen am Schornstein.

Wie ein Geschoss kamen die Bienen jetzt aus dem Schornstein, mein Posten außen meldete, daß der Schwarm in der Luft sei. Ich habe den Kopf durch ein Fenster gesteckt - der Schwarm lag in der Luft, mit den typischen weit ausschweifenden Bewegungen eines Schwarms, der eine Richtung sucht. Und siehe da! Auf etwa 1,50 Meter Höhe bildete sich ein Knubbel in einer Buchenhecke. Auf ihn mit Gebrüll. Also durch den Speicher, die Treppe herunter und nach draußen gehechtet. Mit meiner Schwarmfangbox schritt ich mit einem siegessicheren Lächeln auf den Knubbel zu - nur um mit einem verdutzten Gesichtsausdruck zusehen zu müssen, wie der Knubbel sich auflöste und sich in die Luft erhob. Zu spät!

An einem benachbarten Walnußbaum setzte sich der Schwarm dann hin - auf etwa 4 Meter Höhe an einem dickeren Ast. Ich habe dann mit einem Wasserschlauch einen Sprühregen simuliert und der Schwarm knubbelte sich etwas fester. Dann die Leiter ran und nach oben. Mit der Säge bewaffnet, sägte ich mich der Königin hinterher, die sich zusammen mit "dem Knubbel" sehr geschickt von Ast zu Ast schwingte. Irgendwann saß der Schwarm noch ein paar Meter höher und ich mußte einsehen, daß nachdem der Baum einen unförmigen Sommerschnitt verpaßt bekommen hatte, ich mir eine andere Taktik ausdenken sollte.

Nun gut! Ich habe für solche Fälle das Seifertsche Schwarmfangrohr parat liegen - nur aufgrund meiner Baustelle zuhause, habe ich das kurze Stück und den Aufsatz vor kurzem in das Haus verbaut - ich hatte also nur noch zwei lange Stücke. Die habe ich nun trotzdem geholt und auf der Leiter stehend habe ich mit Hilfe eines langen Rohres die dicksten Trauben eingesaugt. Schwurr-di-burr, sausten sie nach unten. Vorsichtig in die Schwarmfangkiste und anscheinend hatte ich die Königin erwischt, denn sofort begannen die Bienen mit dem Einzug in die Kiste.

Einige Anmerkungen zu Kaminen und Schwärmen:

Die Idee mit der Revisionstüre auf dem Speicher ist grundsätzlich gut. Man sollte sich aber eine Art Brett bauen, und dieses in den Schornstein schieben. Denn erstens fallen einzelne Bienen und Bienenklumpen nach unten. Und zweitens kann auch Werkzeug in den Schornstein fallen. Eine Art Zwischenboden ist da ein guter Tipp.

Die Bienen mit Rauch herauszujagen, ist nur gut möglich, wenn noch keine Waben angelegt sind und die Bienen gerade erst eingezogen sind. Sie sind dann noch mobil.

Es ist möglich, daß bereits Waben von einem Schwarm von vorherigen Jahren angelegt wurden und der Schwarm diese Waben neu besiedelt. Die Bienen werden dann fester sitzen und nicht so leicht herauszubekommen sein.

Wenn sich die Revisionstüre direkt unter dem Schwarm befindet, kannst Du mit dem Staubsauger die Bienen von den Waben absaugen und wenn die Waben möglichst bienenfrei sind, diese nach und nach herausschneiden/brechen. Ansonsten bleibt nur noch die Möglichkeit, sich eine Art Reuse zu bauen. Das Vorgehen ist dann wie hier gezeigt: viewtopic.php?f=11&t=169

Viele Grüße

Bernhard
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

bernhart
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Re: Schwärme in Kaminen

Beitragvon bernhart » Mo 23. Mai 2011, 20:07

lol! danke für den unterhaltsamen bericht. alles gute zum geburtstag, übrigens.

bernhart

Teila
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Re: Schwärme in Kaminen

Beitragvon Teila » Fr 27. Mai 2011, 23:38

hihi, nette story. wie meinte noch ein imker kürzlich zu mir? "der bien will meistens genau das gegenteil vom imker. nimm es mit humor..." diese aussage bestätigt sich doch irgendwie immer wieder...
Ein Bien der sticht, hat etwas zu verteidigen. Ein Bien, der was zu verteidigen hat, ist motiviert und meistens gesund.

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Re: Schwärme in Kaminen

Beitragvon zaunreiter » Mi 1. Jul 2015, 21:48

Heute wieder einen Schwarm aus dem Kamin geholt.

Der Schwarm wollte sich in diesem stillgelegten Schornstein niederlassen.
Blick in den Revisionsschacht unten im Keller.
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Keine neue Waben zu sehen.
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Hier hatten schonmal Bienen im Schornstein gewohnt.
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Blick durch den oberen Revisionsschacht - auch nichts sehen, nur einzelne Bienen. Auf Verdacht den Schornstein ausgeräuchert.
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Darauf Tumult im Innenhof. Der Schwarm!
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Die Bienen fahren auf dem Beifahrersitz mit nach Hause.
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Hier durften sie erstmal den Tag im kühlen Schatten eines Apfelbaumes verbringen.
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Rettung in letzter Sekunde. Einer der Hausbewohner - ein älterer Pensionär - fummelte schon mit einer Haarspraydose und Feuerzeug rum: er wollte die Bienen abfackeln. :evil:

Video:

https://www.youtube.com/watch?v=GJteAlzA-Zk
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

Friedrich

Re: Schwärme in Kaminen

Beitragvon Friedrich » Mi 1. Jul 2015, 23:09

In Ermangelung geeigneter Hohlräume in der Natur kommen Bienen offensichtlich auf die halsbrecherischten Lösungsversuche für ihr eigenes Überleben !
Die Fotos und der Film sind großartig.

Nöld
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Re: Schwärme in Kaminen

Beitragvon Nöld » Mo 22. Jul 2019, 10:31

Hallo Zusammen,

Deichkind hat geschrieben:Wie hast du die da rausgeholt?


am letzten Juni Wochenende habe ich ein Volk aus einem Kamin geholt. Da Anticimex (Schädlingsbekämpfung) sich am folgenden Montag dem Volk angenommen hätte, musste ich schnell handeln. Das Nest reichte bis ca. 20 cm unterhalb der Oberkante.

Der Schornstein hat insgesamt acht Züge und der bezogene gehörte zu einem alten Ofen im Keller (ca. 9m) bis zum Nest. Der Zug im Kamin war gleich null und so habe ich gar nicht erst probiert diese von unten einzuräuchern.

Folglich habe ich die Bienen von oben eingeräuchert und mit ordentlich Radau nach unten getrieben. Mit einer Suppenkelle habe ich mich durch die Honigkappe gegraben. Dies war ne ordentliche Sauerei und ergab rund 1,5 Kg super flüssigen Tropfhonig. Das folgende Brutnest war etwas stabiler und so konnte ich einige Wabenstücke mit Brut bergen. Die letzten Wabenstücke sind leider abgestürzt (waren rund 1 m unterhalb der Oberkante befestigt).

Die Bienen haben sich ca. 1,5 m unterhalb gesammelt und keine Anstalten gemacht raus zu kommen. So habe ich ein Stück Ihrer verdeckelten Brut über Nacht eingehängt, in der Hoffnung sie würden sich darum versammeln. Weit gefehlt, sie haben die Bautätigkeit nun in 1,5 m wieder aufgenommen. Selbst eine eingehängte Königin ließ sie nicht locken.

Bei Plan D angelangt, habe ich aus einem PP-Abwasserrohr, drei 30° Winkeln, einem Schlauchstück, einem Honigeimer und Panzertape ein „Bienen-Injektor“ gebaut. Kurz vor der Krümmung kann ich meinen Aschesauger anschließen und den Luftzug über eine Bohrung dosieren. Die Bienen werden im geraden Stück beschleunigt und fliegen dank der Trägheit der Masse am Luftabzug vorbei, durch die Krümmung in den Honigeimer, wo sie gesammelt werden.

Der Injektor hat ziemlich gut funktioniert und ich konnte praktisch alle Bienen mitsamt der Königin unbeschädigt aufsaugen. Die Bienen (ein knappes Kg) haben eine neue Warre bezogen und tragen seit dem vierten Tag Pollen ein. Eine Durchsicht folgt nun im Zuge der ersten Erweiterung diese Woche.

Viele Grüße,

Nöld

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The key mite bee diversity...

Deichkind
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Re: Schwärme in Kaminen

Beitragvon Deichkind » Mo 22. Jul 2019, 10:57

Beeindruckend! Deine Konstruktion speichere ich im Hinterkopf ab.
Anfängerin 2019
Volk 1 Naturschwarm einlogiert 15.05.19, aufgelöst 31.7.19
Volk 2 Naturschwarm einlogiert 01.06.2019
Volk 3 Naturschwarm einlogiert 24.06.2019
Imkerverein + Imkerkurs konventionell vor Ort


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