Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Rund um die Schwarmbetriebsweise im Warré-Bienenstock
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zaunreiter
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Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon zaunreiter » Do 19. Mai 2011, 11:02

Hallo miteinander,

an dieser Stelle will ich Ideen und Erfahrungen sammeln, wie Bienenvölker, die als Schwarm in schwer zu erreichenden Winkeln und Mauern eingezogen sind, dort wieder hinauszubekommen sind. Das kann verschiedene Gründe haben - meistens wollen die Hausbesitzer die Bienen nicht dulden.

Ich habe bereits die "Bienenstaubsauger"-Methode erfolgreich probiert und kann sie nur empfehlen, wenn man Sichtkontakt zum Wabenbau hat.

Erfahrungsbericht Bienensauger

Es handelte sich um eine Spalte, die zwischen einer Fertiggarage und einer Hauswand entstand, welche rundum geschlossen wurde mit Dichtungslippen.

Die Maße des Raumes in der Spalte war etwa 15 cm Durchmesser, 2 Meter Höhe und es ging 3 Meter nach hinten.

Der Schwarm ist vorgestern rein und wurde mir von der Polizei gemeldet.

Als ich vorgestern angerufen wurde, war es schon später Abend und der Schwarm war schon komplett in der Spalte verschwunden. Ich habe die Verklebung der Dichtungslippe seitlich mit dem Messer gelöst, so dass ihr "Flugloch" etwas vergrößert war und ein mit Waben gefüllte Zarge davor platziert und über Nacht stehen lassen.

Erwartungsgemäß haben sie die Zarge nicht angenommen - Bienen eben.

Deswegen habe ich schon bevor ich dort am nächsten Tag hinfuhr, einen Bienenstaubsauger selbst gebastelt. Bisher hatte ich noch keinen Schwarm, wo ich so etwas benötigen würde - aber es ist immer ein erstes Mal.

Zuerst habe ich mir diese Pläne angesehen:

http://www.beesource.com/files/beevac.pdf

Dieser war wohl ausgereift, aber für so viel Bastelarbeit fehlte mir die Zeit.

Wichtig: In den Erläuterungen las ich, dass die Stärke des Saugens über einen Schieber regelbar sein muss - die Bienen müssen gerade eben vorsichtig eingesaugt werden, ansonsten können sie verletzt werden.

Dann habe ich noch diese Version gefunden:

http://robo.bushkillfarms.com/beekeeping/bee-vac/

Die sagte mir eher zu. Gesagt, gebaut.

Das Wetter war gestern zu sonnig, weswegen die Bienen stark flogen - kein guter Zeitpunkt, um sie einzusammeln. Lieber etwas geduldig sein. Über Nacht hat es dann geregnet und der heutige frühe Morgen war kein Flugwetter - die Bienen saßen in mehreren dicken Trauben in der Spalte.

In der Garage war Strom praktischerweise, den ich benötigte - eine Leiter gab es auch.

Kabeltrommel habe ich mitgebracht, sowie einen leistungsstarken aber regelbaren Staubsauger. Alles aufgebaut und los ging es, die Saugkraft langsam steigernd.

Klappte wunderbar - bis die Zargen etwa nach einem Drittel des Schwarmes anscheinend zu voll wurden. Plötzlich ging nichts mehr. Ich habe daher abgebrochen und die Ventilation des Systems geöffnet.

So war das nicht geplant.

Wenn ich die oben erste Version des bee-vac gebaut hätte, könnte ich die inneren Magazine wechseln, so ging das nicht ohne Umbauen.

Ich bin dann jedenfalls nach Hause, habe die bereits abgesaugten Bienen in der Kiste zum Beruhigen in den Schatten gestellt und rein in die Werkstatt. Nach einiger Zeit des geschäftigen Wühlens in den Regalen nach Ideen, kam die entscheidende Idee von meiner Frau, die wie so oft (viel zu oft ) gescheiter ist als ich es bin.

Sie wies mich darauf hin, dass die im Baumarkt erhältlichen Ascheabscheider zum Aussaugen der Asche von Kaminöfen eigentlich so etwas ist, was ich suche.

Wir sind dann zum Baumarkt gefahren und haben dort noch einen Restposten für 11 Euro und ein paar Zerquetschte erstanden. Genial: Ein Anschlußstutzen aus Gummi für einen Staubsauger - und das auch noch durch ein feines, weiträumiges, halbkugelförmiges Gitter vom Staubsauger getrennt.

Ein Bienensauger! Fix und fertig - mit 20 Litern genau das, was ich benötigte!

Ascheabscheider!

Zurück zum Ort des Geschehens, alles wieder aufgebaut und losgelegt. Nach gefühlten 15 Minuten hatte ich bis auf einzelne Bienen alle Bienen des Schwarms im Ascheabscheider.

Funktioniert genial! Wie gesagt, ist es wichtig, dass die Stärke des Saugens gut reguliert wird - es darf nicht "Plöng" machen, wenn die Bienen dann im Innern landen.

Ich habe mir auch überlegt, das Innere irgendwie mit Noppenfolie oder Ähnlichem auszukleiden (kleben, damit es nicht angesaugt wird). Aber es gab nur vereinzelte tote Bienen. Die haben die Tour prächtig überlebt.

Was braucht es, um mit dem Bienensauger in einer Spalte zu arbeiten:

- Stromanschluß
- gegebenenfalls Kabeltrommel
- Staubsauger
- Ascheabscheider
- Verlängerung des Saugrohres - für die Tiefe der Spalte!
- Taschenlampe!!! Wenn Du aus dem Hellen in die dunkle Spalte siehst, siehst Du...nix.

Ich habe die Bienen von unten nach oben abgesaugt, drei Herzwaben vorsichtig abgesaugt und dann gepflückt. Anscheinend ist die Königin nach hinten in den Raum, etwa 1,50 Meter nach hinten saß ein Knubbel Bienen - mit der Verlängerung habe ich den Knubbel dann gepflückt.

Den Staubsauger habe ich angelassen, bis ich das Saugrohr mit einem Lappen verstopft habe, dann habe ich den Sauger abgeschaltet und den Sauger entkoppelt. Weil ein rundes Gitter innen im Ascheabscheider war, war dies gleich die Transportbelüftung - ich hatte es nicht sehr weit.

Zuhause habe ich dann den Schwarm direkt einlaufen lassen, die bewährte Methode über das "Bügelbrett"

Die Königin habe ich glücklicherweise sofort entdeckt - sie hat die Turbolenzen anscheinend gut überstanden, denn sie hatte einen Affenzahn drauf. Mit dem Clip eingefangen, vor das Flugloch gesetzt - und losgelassen. Sie ist rein und die ganze Truppe hinterher. Nach 20 Minuten waren die letzten Bienen in der neuen Behausung verschwunden.

Ich habe bei der ganzen Aktion keinen einzigen Bienenstich abbekommen - wohl Mückenstiche. Und das obwohl ich nur einen Schlupfschleier und einen rechten Handschuh hatte - ich habe meinen Kopf in die Spalte gehalten und mit dem kurzärmligen Arm in die summende Dunkelheit gereicht. Nettes Gefühl.

Die waren erstaunlich gelassen bei der gesamten Aktion. Kann auch sein, dass ich die Wächterbienen als Erstes abgesaugt habe

Also gut gelaufen und der Ascheabscheider ist für solche Situationen sehr zu empfehlen. Kommt zwar nicht alle Tage vor, dass der Schwarm derart vertrackt sitzt, aber ich habe den Bienensauger in meiner Schwarmfang-Gerätewerkstatt neben den Seifertschen Schwarmfangrohren mit aufgenommen.

Das ist die Skizze des Ascheabscheiders:
Bild

Das war die Mauerspalte:
Bild

Home Sweet Home:
Bild




Ende des Berichtes
Cogito ergo summ.
Ich summe, also bien ich.

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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon zaunreiter » Do 19. Mai 2011, 11:11

Eine weitere Möglichkeit, vor allem wenn nur das Flugloch der Spalte zugänglich ist, ist das sogenannte Trap-Out-Verfahren.

Dabei wird eine Art Reuse verwendet, die dafür sorgt, daß die Bienen ausfliegen - aber nicht mehr zurückkehren können. Die Höhle wird dadurch immer leerer. Bei relativ frisch eingezogenen Schwärmen funktioniert das laut Hörensagen ganz gut.

Siehe:
Bild

Dabei werden die Bienen vor das Flugloch einer dort platzierten/aufgehangenen Beute geleitet. Der Schwarm sammelt sich nach und nach vor dem Flugloch und zieht in den meisten Fällen ein.

Bild

Hier gibt es noch ein Video: http://wn.com/Bee_Swarm_Trap

Wenn der Schwarm schon länger drin ist, sollten die Bienen vermutlich durch einen abgedunkelten Tunnel direkt in die Beute geleitet werden. Das jedoch müßte ausprobiert werden, dazu liegen mir keine Erfahrungsberichte vor.

Viele Grüße
Bernhard
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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon Teila » Do 19. Mai 2011, 11:13

Hallo Bernhard,

Danke für diesen ausführlichen Bericht, er ist wirklich Gold wert! Vor einer Woche hatte ich einen Schwarm in ca. 10 Metern Höhe im Baum sitzen. Ich als guter Kletterer natürlich raufgestiegen.... Aber mit der Wäschewanne habe ich die Kö leider nicht erwischt, da der Schwarm an einem weit vom Stamm abstehenden Ast hing. Hätte ich einen solchen Sauger gehabt, wäre das ganze ein Kinderspiel gewesen.

Grüße, Teila
Ein Bien der sticht, hat etwas zu verteidigen. Ein Bien, der was zu verteidigen hat, ist motiviert und meistens gesund.

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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon pmb379 » Do 19. Mai 2011, 13:07

Danke, Bernhard! :)

Das trifft ja genau die Frage, die ich woanders hier vorhin gestellt hatte ...

Gruß,
Peer

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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon bernhart » Do 19. Mai 2011, 22:24

Danke Bernhard,
leider einen Tag zu spät.Ich wurde gestern zu einem Schwarm gerufen, der einen nicht zugänglichen Spalt in einer Dachisolierung bezogen hatte. Da hätte ich die Reuse probieren können. Der Schwarm war am Vormittag eingezogen und ich war am Nachmittag schon vor Ort. Was mir dabei aber nicht klar ist: kommt da tatsächlich die Königin nochmal aus der Spalte raus?
Und: wie nahe muss die Beute am Reusenausgang montiert sein? Ich hätte das bei der Situation gestern nur etwa auf 1m Entfernung hinbekommen.

Liebe Grüsse,
Bernhart

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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon zaunreiter » Mo 14. Mai 2012, 00:23

In dieser Hauswand, beziehungsweise in dem Hohlraum zwischen zwei Häusern, ausgefüllt mit Dämmung, hat sich ein kleiner Schwarm eingenistet:
Bild

Ein Schwarmfangsack wurde über das obere Loch gestülpt und mit Panzerband/Gewebeklebeband an der Wand befestigt.
Bild

Ein kräftiger Rauchstoß zu Anfang und danach erst mal Pause. Wer durchgehend räuchert, bringt die Bienen eher um. Also Schock und dann Pause. Dann wiederholen. Die Bienen fächeln oft den Rauch zurück aus dem Loch - da hilft nur dagegen pusten.

Das ist das Haupteingangsloch - nach der Aktion mit einem Taschentuch verstopft.
Bild

Die Bienen hängen im Sack (und teilweise außen) und fahren als Beifahrer mit nach Hause.
Bild

Aktion geglückt, die Bienen vor der Insektenspraydose bewahrt.

Gruß
Bernhard
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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon Rumpel » So 30. Mär 2014, 11:50

Hallo Immenfreunde,
Da sind meine Schornsteinbienen, das Wabenwerk ist ca, 2 m lang.
Gruss Jörn
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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon specht » So 30. Mär 2014, 13:05

Wie bekommst du da die Bienen alle unbeschadet raus Jörn?
Ich stelle mir das total schwierig vor, bei 2 Meter langen Waben.

Wird sicher spannend und aufregend für euch werden!

Liebe Grüße, Marcus

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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon zaunreiter » So 30. Mär 2014, 14:28

Mit Brut wirst Du da nicht rauskriegen. Ich würde auf die brutlose Zeit nach einem Schwarm oder eben vor dem Winter warten. Nachteil: dann sind die Honiglager voll = mehr Gematsche.

So viel Brut können die zurzeit gar nicht haben. Ich würde mit Fön und Smoker von unten mit Rauch die Bienen nach oben heraustreiben. Ganz langsam anfangen. Die Bienen saugen sich voll und sollen nicht durch zu viel Rauch die Orientierung verlieren. Von oben zwei zusammengebundene Rähmchen, mit festem Abstandhalter herabsenken? Die Bienen dann nach oben in diese Wabengasse scheuchen und dann hochziehen. Wenn Du die Königin erwischt, kommt die über Absperrgitter in eine Ablegerkiste auf den Schornstein.

Probieren geht über studieren!
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Re: Schwärme in Mauern, in unerreichbaren Winkeln, etc.

Beitragvon Rumpel » So 30. Mär 2014, 15:17

Mein Plan wäre es so zu machen.
http://www.youtube.com/watch?v=cDephTEiqnU
http://www.youtube.com/watch?v=KyH17kHPH0s
Scheint eine saubere Sache zu sein oder?
Gruss Jörn
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Johann Wolfgang von Goethe


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